ExklusivFosun peilt Zukäufe in Deutschland an

Fosun-Chairman Guo Guangchang
Fosun-Chairman Guo Guangchang gilt mit seinem Firmenkonglomerat als „Chinas Warren Buffett“ Getty Images

Trotz des jüngsten Warnschusses der chinesischen Regierung will der Mischkonzern Fosun weiter im Ausland zukaufen und auch in Deutschland expandieren. Eines der Herzstücke künftiger Akquisitionen werde der Bereich intelligente Fertigung sein, unabhängig von der Branche, sagte Fosun-Chairman Guo Guangchang gegenüber Capital. „Deutsche Unternehmen haben in dieser Hinsicht einzigartige Fähigkeiten, während chinesische Unternehmen reiche Erfahrung in China und einen riesigen Markt bieten. Insofern bietet die Zusammenarbeit sehr viele Chancen für beide Seiten“, sagte Guo, der Fosun gemeinsam mit drei Partnern 1992 gegründet hat.

Fosun International ist eines der größten privaten Firmenkonglomerate Chinas und gehört zu jenen Großkonzernen, die wegen ihrer aggressiven und teilweise riskant finanzierten Investitionen im Ausland in letzter Zeit ins Visier der chinesischen Behörden geraten waren. Im Sommer hatte die Bankenaufsicht die Geldhäuser in China angewiesen, ihre Kreditvergabe an die vier wichtigsten privaten Auslandsinvestoren des Landes zu überprüfen: an HNA, Dalian Wanda, Anbang Insurance Group und Fosun. Dem Finanzdatenspezialisten Dealogic zufolge hat allein Fosun zwischen 2008 und Juni 2017 im Ausland 45 Deals mit einem Gesamtvolumen von 10 Mrd. Dollar abgeschlossen.

Die neue Capital erscheint am 19. Oktober

Zum Portfolio des Schanghaier Unternehmens, das ursprünglich aus dem Pharma- und Stahlgeschäft kommt, zählen etwa der Tourismuskonzern Club Med, der portugiesische Versicherer Fidelidade und der Cirque du Soleil. In Deutschland hat Fosun im vergangenen Jahr die Frankfurter Privatbank Hauck & Aufhäuser übernommen und hält eine Beteiligung am Modelabel Tom Tailor sowie an der Abwicklungsplattform Frankfurter Leben. Erst vor einigen Wochen hat zudem ein Fosun-Joint-Venture die Mehrheitsübernahme des bayerischen Autozulieferers Koller abgeschlossen.

In der Vergangenheit hatte das Unternehmen auch bei mehreren Fußball-Bundesligaclubs Interesse an einem Einstieg als Investor signalisiert oder schon Gespräche geführt. Milliardär Guo, der wegen seines verzweigten Firmenkonglomerats als „Chinas Warren Buffett“ gilt, ist als großer Fußballfan bekannt. Fosun ist auch Eigentümer des englischen Zweitligisten Wolverhampton Wanderers.

Europa-Gipfel in München

Nach den Warnungen der chinesischen Regierung an die „Großen Vier“, dass sie den Abfluss von Kapital ins Ausland und die Risiken im Finanzsystem eindämmen will, sind die Investitionen chinesischer Unternehmen in Europa und den USA in diesem Jahr massiv eingebrochen – nach einem Rekordwert im Jahr 2016. Experten erwarten jedoch, dass die Aktivitäten chinesischer Investoren im Ausland nach dem Parteitag der chinesischen KP, auf dem sich Staats- und Parteichef Xi Jinping von diesem Mittwoch an auch seine Weichenstellungen in der Wirtschaftspolitik absegnen lassen wird, wieder zunehmen – wenn auch deutlich fokussierter als bislang.

Auch Fosun bemüht sich deshalb derzeit um eine doppelte Botschaft: Zum einen will das Management potenziellen Partnern und Übernahmekandidaten signalisieren, dass sich das Unternehmen auch noch künftig im Ausland engagiert. Zum macht es deutlich, dass die Zeit des wilden Shoppingrauschs, der bei der Regierung in Peking zunehmend auf Missfallen gestoßen war, vorbei ist. Investitionen und anorganisches Wachstum seien nur ein Mittel der Entwicklung, sagte Chairman Guo. „Wir verfolgen auch internes Wachstum, indem wir Forschung & Entwicklung intensivieren und Innovationen fördern.“ So gibt es derzeit etwa Überlegungen, ein gemeinsames deutsch-chinesisches F&E-Zentrum aufzubauen.

Ende September fand zudem in München der „Fosun European Summit“ statt – ein Signal der Konzernführung, dass sie ihr Interesse an Europa nicht verloren hat. Veranstalter war die Bank Hauck & Aufhäuser, die bei den M&A-Aktivitäten des Konzerns in Deutschland und Europa eine entscheidende Rolle spielt. Unter den rund 140 Teilnehmern waren auch potenzielle Partner aus dem Mittelstand.

Von der Fosun-Seite war die Konzernspitze nach München gereist, darunter auch Guo. Der Chairman diskutierte mit Unternehmensberater Roland Berger über „Win-Win-Strategien“ für deutsche und chinesische Unternehmen im Rahmen der „One Belt, one Road“-Initiative – eines Prestigeprojekts von Staats- und Parteichef Xi, das auch von Chinas Großkonzernen unterstützt wird. Am Abend besuchte Guo dann zusammen mit den Topmanagern zahlreicher Unternehmen aus dem Fosun-Portfolio noch das Münchner Oktoberfest – ganz stilecht in Lederhose.


Die neue Capital erscheint am 19. Oktober. Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunesGooglePlay und Amazon