KolumneZurück zum Lufthansa‑Monopol

Bernd Ziesemer© Martin Kess

Es ist kaum einmal zehn Jahre her, da gab es auf der Strecke Düsseldorf – Hamburg gerade einen Anbieter: die Lufthansa. Bald könnte es wieder so sein: Air Berlin verliert die Selbständigkeit, wenn die Airline nicht sogar ganz vom Markt verschwindet. Andere Fluggesellschaften bedienen die Verbindung nicht. Hamburg ist immerhin die zweitgrößte Stadt Deutschlands. Trotzdem ist das Einzugsgebiet offenbar zu klein, um den Konkurrenten vernünftige Geschäfte zu erlauben. Der Billiganbieter Easyjet gibt den größten Teil seines Geschäfts in der Hansestadt auf, wie die Gesellschaft in der letzten Woche meldete.

Für die Lufthansa heißt die Parole im Flugverkehr immer öfter: Zurück zum Monopol! Diese ganz neue Entwicklung schlägt sich offenbar auch im Aktienkurs des Konzerns nieder: Innerhalb von nur zwölf Monaten konnte sich Lufthansa-Chef Carsten Spohr über ein Plus von 50 Prozent freuen. Den Konkurrenten weht dagegen der Wind ins Gewicht. Letztes Beispiel: Quatar Airways, die lange Zeit sehr erfolgreiche Gesellschaft aus dem kleinen Wüstenemirat Katar, gerät durch die heftige Konfrontation mit Saudi-Arabien schwer unter Druck. Und sicher ist auch, dass Britisch Airways – lange ein weiterer sehr großer Wettbewerber der Lufthansa – unter dem Brexit leiden wird.

Die wilde Ära des Wettbewerbs geht vorbei

Natürlich gibt es auf den internationalen Rennstrecken der Luftfahrt – den Routen nach Asien oder Nordamerika – nach wie vor genug Konkurrenz. Selbst in Hamburg tummeln sich neue Konkurrenten auf bestimmten Strecken – beispielsweise Billigfluglinien aus Skandinavien. Aber aus Deutschland heraus in viele europäische Städte und vor allem innerhalb Deutschlands gibt es oft keine vernünftige Alternative zur Lufthansa und ihren Tochtergesellschaften mehr, wenn Air Berlin endgültig aufgibt oder selbst unter die Fittiche des Kranichs kriecht.

Es mehren sich die Anzeichen dafür, dass die ganz wilde Ära des überbordenden Wettbewerbs im Flugverkehr vielleicht bereits wieder zu Ende geht. Ausgelöst worden war sie durch die Liberalisierung des Markts in den achtziger Jahren. Zurück bleibt eine Mischung aus regionalen Monopolen und globalen Oligopolen. Auf den Fernstrecken liefern sich wenige, sehr große Gesellschaften einen harten Wettbewerb. Doch auf kürzeren Strecken gibt es kaum noch Konkurrenz – jedenfalls nicht durch andere Fluggesellschaften. Dort bieten sich nur Fernbusse und Züge als Alternative an – in Deutschland ebenfalls Monopolbetriebe.

Muss man deshalb mit steigenden Preisen für Flugtickets rechnen? Nein und Ja. Im Durchschnitt bleibt es wahrscheinlich bei niedrigeren Preisen. Aber alle Airlines beherrschen inzwischen das Geschäft meisterhaft, auf einzelnen Strecken mit weniger Wettbewerb höhere Preise durchzusetzen. Je nach Flugtag und Kaufdatum müssen sich die Kunden auf sehr unterschiedliche Angebote einstellen. Es herrscht der Algorithmus von Big-Data-Analysen und nicht die Logik: Ein Flug von Hamburg nach Düsseldorf kann schon mehr kosten als ein Flug nach New York.


Bernd Ziesemer ist Capital-Kolumnist. Der Wirtschaftsjournalist war von 2002 bis 2010 Chefredakteur des Handelsblattes. Anschließend war er bis 2014 Geschäftsführer der Corporate-Publishing-Sparte des Verlags Hoffmann und Campe. Ziesemers Kolumne erscheint jeden Montag auf Capital.de. Hier können Sie ihm auf Twitter folgen.


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