WirtschaftskriegFake News gefährden Unternehmen

Über Soziale Netzwerke wie Facebook werden Fake News verbreitet
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Der Wirtschaftskrieg hat eine neue, gefährliche Waffe: Falschmeldungen in den Sozialen Medien. „Erste Angriffe auf deutsche Unternehmen haben bereits stattgefunden, mit zum Teil beachtlichen Schäden. Umfang, Intensität und Steuerungsintelligenz nehmen dramatisch zu“, warnen der ASW Bundesverband (Allianz für Sicherheit in der Wirtschaft), die Unternehmensberatung Complexium und der Wirtschaftsprüfer Deloitte in einer gemeinsamen Studie.

Wurden gezielte Falschmeldungen bislang hauptsächlich in der Politik eingesetzt, um Einfluss auf Wahlen (Trump/AFD) oder Volksabstimmungen (Brexit) zu nehmen, wird das Mittel der Desinformation zunehmend auch benutzt, um Unternehmen in Misskredit zu bringen. „Die Digitalisierung macht solche Angriffsszenarien erschwinglich und damit auch gegen Unternehmen einsetzbar. Folglich ist ein Einsatz im aggressiven Unternehmenswettbewerb logische Konsequenz“, sagt Jan Wolter, ASW-Geschäftsführer und einer der Autoren der Studie. „Wer Geld und Ressourcen zur Verfügung hat, kann Unternehmen ohne ausgeprägte Corporate Security durch Desinformationskampagnen leicht in ernsthafte Schwierigkeiten bringen. Und auch große Konzerne können durch Desinformation in Bedrängnis gebracht werden.“

Ob von Konkurrenten, ehemaligen oder frustrierten Mitarbeitern, Kriminellen, die beispielsweise auf fallende Aktienkurse setzen, oder von fremden Mächten – die Zahl möglicher Angreifer ist groß. Und die Technik entwickelt sich weiter.

Schäden können in die Millionen gehen

Das Social Web wirkt dabei wie ein Brandbeschleuniger. Aus einem geschickt platzierten Post entstehe eine Welle der Meinungsmache, die kaum noch zu stoppen sei, heißt es in der Studie. Das Perfide: Die Urheber seien kaum zu ermitteln, sodass Unterlassungsklagen und Gegendarstellungen weitgehend wirkungslos blieben. Schäden können in die Millionen gehen.

Die Angriffe erfolgen meist  automatisiert. Künstliche Autorenprofile streuen die Falschmeldungen, indem sie auf bestimmte Hashtags anspringen – und produzieren zum Teil eigenen Content. Die aktuelle technische Entwicklung im Sinne einer „Desinformation 4.0“ erlaube zudem eine neue Qualität an Personalisierung. Selbstlernende Maschinen seien als Bots kaum noch zu identifizieren, heißt es in der Studie.

Die Autoren der Studie haben fünf Angriffsziele ausgemacht: Über Gerüchte und Desinformationen sollen beispielsweise die Firmenleitung diskreditiert oder die Anwerbung neuer Fachkräfte torpediert werden. Mal geht es darum, das Image von Produkten zu zerstören, mal die Kreditwürdigkeit anzuzweifeln oder den Aktienkurs abstürzen zu lassen. Andere Angriffe zielen auf ganze Branchen oder unternehmensübergreifende Projekte ab.

„Eine frühzeitige Erkennung von Desinformationsangriffen ist entscheidend für eine erfolgreiche Verteidigung. Die Digitalisierung der Desinformation erfordert die Digitalisierung der Früherkennung“, sagt Autor Martin Grothe, der Geschäftsführer von Complexium. Denn je später ein Vorfall erkannt wird, desto größer ist der mögliche Schaden und desto schwieriger wird es, den Vorfall zu beheben.