ExklusivEx-Burger-King-Partner ist vorbestraft

Ergün Yildiz
Ergün Yildiz (mit Fliege) genießt den großen Auftritt. 2009 eröffnet er seine erste Vapiano-Filiale in der Türkei

Für den kleinen Mann im schwarzen Anzug ist es ein großer Tag. Das Satin-Revers glänzt wie seine zurückgegelten Haare, er trägt Fliege zu einem weißen Hemd, das mit den Blitzlichtern der Fotografen um die Wette strahlt. Die türkische Prominenz steht Spalier. Unternehmer, Künstler, Showgrößen, Models in roten Kleidern. Küsschen links, Küsschen rechts. Sie alle sind gekommen, um die Eröffnung seines Restaurants zu feiern. In der Millionenstadt Bursa hat der Mann seine erste Vapiano-Filiale eröffnet. Und viele weitere sollen folgen. Italienische Cuisine für die Türkei. 20 Restaurants in fünf Jahren verspricht er. 30 Mio. Euro will er investieren, 1000 Arbeitsplätze schaffen. Applaus.

Bei Vapiano, dem deutschen Edel-Franchiseunternehmen für Pizza und Pasta, würde man die Szene aus dem November 2009 am liebsten löschen. Zum einen weil aus den hochtrabenden Versprechungen nichts geworden ist. Zum anderen weil der Name des Mannes für die Systemgastronomie inzwischen hochgradig toxisch ist. Er heißt Ergün Yildiz. Und ist verantwortlich für die schwere Krise von Burger King.

Zusammen mit dem Russen Alexander Kolobov hatte Yildiz die Holding Yi-Ko gegründet und war im Mai 2013 zu Deutschlands größtem Franchisenehmer bei Burger King aufgestiegen. Zuletzt leitete Yildiz 89 Filialen mit 3000 Mitarbeitern. Aber der Einstieg ging gründlich daneben. Er versuchte, seine Betriebsräte loszuwerden, Mitarbeiter klagten über Mobbing und Gehaltskürzungen. Dann deckten Journalisten wiederholt ernsthafte hygienische Mängel auf. Vor wenigen Wochen zog Burger King dann die Reißleine und kündigte den Franchisevertrag fristlos. Dabei hatte Burger King große Pläne mit Yildiz – ähnlich wie Vapiano mit ihm bereits 2009.

Bei dem Burgerbrater sollte der 44-Jährige binnen fünf Jahren eine „erhebliche Anzahl“ neuer Restaurants eröffnen, so sah es der Vertrag vor. Zusammen mit Yildiz wollte Burger King die Expansion in Deutschland vorantreiben. Von 1000 Filialen war die Rede. Stattdessen musste jede achte der knapp 700 Filialen schließen. Ein Desaster.

Er drohte mit Mord

Verständlich, dass in der Vapiano-Zentrale in Bonn das Engagement von Ergün Yildiz im eigenen Haus heruntergespielt wird. In einer ersten Stellungnahme stellte das Unternehmen klar, „dass Vapiano keinerlei Geschäftsbeziehung zur Yi-Ko Holding unterhält“. Yildiz sei zwar von 2009 bis 2012 Franchisenehmer in der Türkei gewesen – und auch nur dort. „Wir haben diesen Vertrag aber bereits vor mehr als zwei Jahren von uns aus gekündigt“, heißt es.

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Hinter den nüchternen Zeilen verbirgt sich aber eine hochbrisante Geschichte, die bis in die Gegenwart reicht. Capital hat sie anhand von Gerichtsakten rekonstruiert. Es geht um Schadensersatz, Untreue, Betrug und eine Morddrohung. Ausgesprochen von Ergün Yildiz.

Das Istanbuler Strafgericht in Kadiköy hat ihn dafür bereits am 6. März 2012 zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt (Az. 2010/533 E). In einem weiteren Verfahren ermittelt die Istanbuler Staatsanwaltschaft gegen Yildiz und seinen ehemaligen Vapiano-Geschäftsführer in der Türkei. Ihnen wird „operativer Betrug“ vorgeworfen. Im Falle einer Verurteilung erwarten die beiden bis zu sieben Jahre Haft.

Viele Monate hat die Staatsanwaltschaft ermittelt, etliche Zeugen befragt, Dokumente und E-Mails ausgewertet. Der Gerichtstermin ist für den 17. Februar 2015 angesetzt (Az. 2010/1651 E). Dass Yildiz bei dem Verfahren auftauchen wird, ist eher unwahrscheinlich. Sollte er derzeit die Türkei betreten, müsste er mit einer Verhaftung rechnen. Wegen Fluchtgefahr wurde der Antrag auf einen Haftbefehl gestellt.

Und mit diesem Mann hatte Burger King seine Zukunft geplant? Fest steht: Nur wenige Monate nach der rechtskräftigen Verurteilung in der Türkei und dem Ende der Geschäftsbeziehungen zu Vapiano bekommt die Yi-Ko den Zuschlag für den Burger-King-Deal. Hatte Burger King von Yildiz’ Vapiano-Vergangenheit nichts gewusst, obwohl die Branche klein ist? Oder hat Burger King schlicht Yildiz nicht überprüft, bevor die Kette ihn zum wichtigsten Franchisepartner in Deutschland machte? Fragen dazu ließ Burger King unbeantwortet.

Die Burger King bestätigt nur, dass in die Verhandlungen mit der Yi-Ko der Kölner Anwalt Dieter Stummel involviert war. Der Franchiseexperte arbeitete nach eigenen Angaben vor Jahren als Geschäftsführer und Direktor bei Burger King, dann wechselte er in eine ähnliche Position – zu Vapiano. Er führte Yildiz in der Türkei ein. Trotz des Eklats dort blieb er Yildiz treu. Zuletzt agierte Stummel als Interimsgeschäftsführer der Yi-Ko. Offiziell leitete er die Geschäfte, als Burger King den Franchisevertrag kündigte. „Aufgrund nachvertraglich wirkender Vertraulichkeitsverpflichtungen“ wollte sich Stummel gegenüber Capital nicht zu Yildiz äußern. Yildiz ließ Mails und Anrufe unbeantwortet.