ExklusivDrohnen-Gesetz verhallt

Für Drohnen gibt es in Deutschland eine Führerscheinpflicht

Viele Drohnen-Besitzer scheuen die seit Herbst vergangenen Jahres geltende Führerscheinpflicht. Dies ergab eine Umfrage von Capital bei den 30 vom Luftfahrt-Bundesamt (LBA) zertifizierten Prüfstellen. Demnach haben bis Anfang dieses Jahres, und damit drei Monate nach Inkrafttreten, erst rund 3000 Besitzer besonders schwerer Drohnen eine amtliche Fluglizenz erworben. Branchenexperten erwarten, dass allein am deutschen Himmel bis Ende dieses Jahres knapp 40.000 Drohnen kreisen werden, die unter die Führerscheinpflicht fallen. Insgesamt sollen in Deutschland bis Ende 2018 rund 1,2 Millionen Drohnen fliegen.

Nach etlichen gefährlichen Begegnungen von Flugzeugen mit Drohnen hatte das Bundesverkehrsministerium vor knapp einem Jahr ein Gesetz zum Umgang mit Drohnen auf den Weg gebracht. Teil der neuen Vorschriften ist, dass Besitzer von Drohnen, die mehr als zwei Kilogramm wiegen, einen offiziellen Kenntnisnachweis für den Umgang mit den Fluggeräten erwerben müssen. Branchenexperten erwarten, dass schon bald auch die Regeln für Halter leichterer Drohnen verschärft werden.

Erste Bilanz zu Drohnen-Führerscheinen

Die neue Capital erscheint am 18. Januar

Capital hatte Anfang Januar bei allen Prüfstellen, die zu dem Zeitpunkt vom LBA zertifiziert waren, angefragt, wie viele Kenntnisnachweise sie in den ersten Wochen ihres Ausbildungsangebots ausgestellt haben, wie viele Anmeldungen sie darüber hinaus von Interessenten vorliegen haben und wie hoch die Kosten für Kurse und Prüfungen sind. 18 der bundesweit verteilten Drohnen-Fahrschulen, zu denen auch namenhafte Anbieter wie Lufthansa Aviation Training, TÜV SÜD oder Dekra gehören, meldeten sich mit aussagekräftigen Angaben zurück. Danach haben sie insgesamt gut 2700 Kenntnisnachweise ausgestellt. Allein der Drohnen-Verband UAV Dach kommt dabei mit seinen zahlreichen prüfberichtigten Mitgliedern auf eine vierstellige Zahl; die vier erfolgreichsten Anbieter haben in den ersten Monaten bereits jeweils zwischen 150 und 300 Führerscheine ausgestellt; einige kleinere Flugschulen haben erst bis zu einem Dutzend Prüflinge testiert; drei der Befragten gaben an, dass sie noch gar keine Prüftermine angeboten hätten. Nachfrage besteht auch weiterhin: Einige Hundert Führerschein-Interessenten stehen laut Capital-Umfrage in den Startlöchern.

Das ist die erste Bilanz. Bisher wurde die Umsetzung der neuen Führerscheinpflicht nicht kontrolliert. Eine zentrale Stelle zur Erfassung dieser Daten gab es noch nicht. Auf Nachfrage kündigte das Verkehrsministerium in Berlin jedoch an, das LBA solle im April erstmals über die Anzahl der Bescheinigungen berichten.

Das ganze System ist noch im Aufbau. Das Gesetz ist relativ frisch, Standards für die Schulen und Schulungen sind erst in den letzten Monaten aufgesetzt worden und das LBA hat den Prüfstellen auch erst nach und nach – in den letzten Monaten und Wochen – die Zertifizierung erstellt.

Hoher Aufwand, hoher Preis

Eine Hürde für die Drohnen-Halter ist aber möglicherweise auch der Aufwand. In der Capital-Umfrage spiegelt sich ein Marktpreis für dieses junge Geschäftsfeld: Prüfung ohne Vorbereitungskurse werden ab rund 100 Euro angeboten. Mit Onlinetrainings oder Präsenzschulungen, die bei den meisten Anbietern ein bis zwei Tage dauern, steigen die Kosten im Schnitt auf 150 bis 400 Euro. In der gesetzlich vorgeschriebenen Schulung wird nur Theoriewissen abgefragt; wer darüber hinaus Praxistraining oder Individualschulungen bucht, muss mindestens 500 Euro veranschlagen, kann aber auch auf vierstellige Summen kommen.

Der Aufwand für die Drohnen-Halter ist nicht unerheblich: Die Führerschein-Prüfung dauert bei vielen Anbietern rund 90 Minuten und erfordert anspruchsvolles Wissen. Denn das LBA erwartet im Prüfbogen einen Mindestumfang von rund 50 Fragen zu Luftrecht, Meteorologie, Flugbetrieb und Navigation. Anders als beim Autoführerschein gilt der Drohnen-Schein nicht lebenslang, sondern nur für fünf Jahre. Wer bei Kontrollen keinen vorweisen kann, begeht eine Ordnungswidrigkeit für die ein Bußgeld fällig werden kann. Dafür sind die Luftfahrtbehörden der Bundesländer zuständig.

Bei den meisten Drohnen-Piloten scheint noch nicht angekommen zu sein, dass sie sich mit ihrem Hightech-Spielzeug nicht mehr im rechtsfreien Raum bewegen. Ein Problem ist aber auch, dass es keine genauen Zahlen über Drohnen und ihre Gewichtsklassen gibt. Auch in der neuen Verordnung hat der Gesetzgeber auf eine Registrierungspflicht beim Kauf der Geräte verzichtet.

Der weit überwiegende Teil der Drohnen fällt bisher nicht unter die Führerscheinpflicht. Die gilt erst ab zwei Kilogramm, die in vielen Herstellerangaben knapp unterschritten werden. Sämtliche unbenannten Fluggeräte sind in Ladengeschäften und im Onlinehandel frei erhältlich. Mit der „Mondo Motors Ultradrone R/C X48.0“ wurde zuletzt schon ein Gerät für 69 Euro in dieser hohen Gewichtsklasse angeboten. Aber die meisten schweren Drohnen kosten ab 7000 bis 150 000 Euro und zählen zur Profiausrüstung, die für Fotografien, Wartungen von Industrieanlagen oder für Transporte eingesetzt werden.