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Tourismus Reisebranche hofft auf Rückkehr chinesischer Gäste

Chinesische Touristinnen in Dresden
Chinesische Touristinnen in Dresden
© IMAGO / Joko
Chinesen waren vor der Pandemie globale Reiseweltmeister. Die Tourismusindustrie hofft zwar auf ihre Rückkehr, muss sich aber noch gedulden. Die richtig große Reisewelle dürfte wohl erst im Herbst anstehen

Dieser Artikel liegt Capital.de im Zuge einer Kooperation mit dem China.Table Professional Briefing vor – zuerst veröffentlicht hatte ihn China.Table am 20. Januar 2023.

Als Peking kürzlich verkündete, dass Chinesen nach drei Jahren Pandemie endlich wieder ohne große Hürden ins Ausland reisen dürfen, brach im Urlaubsparadies Thailand eine heftige Debatte aus. Einerseits ist die Wirtschaft des Landes auf die Gäste aus der Volksrepublik angewiesen, andererseits hatte die Regierung Sorge wegen der Corona-Welle in China. Am Ende siegten die Interessen der Reisebranche. Rund elf Millionen Besucher aus China kamen im Jahr vor der Pandemie nach Thailand. Damit ist es mit Abstand das beliebteste ausländische Urlaubsziel für Chinesen vor Japan, Vietnam und Südkorea.

Genau wie Hoteliers in Thailand hofft ein Großteil der globalen Tourismusindustrie auf einen Aufschwung durch die Rückkehr chinesischer Gäste. Bei denen ist die Reiselust groß. „Meine Tochter ist jetzt 13 Jahre alt. Wir fanden, dass sie vor der Pandemie zu jung für lange Reisen war. Jetzt soll sie endlich die Welt sehen“, erzählt eine Pekingerin, die plant, so schnell wie möglich mit ihrer ganzen Familie zu verreisen.

Kaum Auslandsreisen zum Frühlingsfest

Klar ist jedoch auch, dass es zum in den kommenden Tagen anstehenden Neujahrsfest noch keine große Reisewelle ins Ausland geben wird. Viele Chinesen müssen zunächst neue Pässe beantragen, was erst seit dem 8. Januar wieder möglich ist. Für viele Reiseziele müssen zudem Visa beantragt werden und auch dafür fehlt die Zeit. Vor allem aber gebe es „derzeit noch viel zu wenig Flüge“, berichtet der Mitarbeiter einer Reiseagentur. Über die Feiertage dürfte also zunächst die heimische Tourismusindustrie profitieren. Auch Reisen in die Sonderverwaltungsregionen Hongkong und Macau stehen hoch im Kurs.

Ab dem zweiten Quartal, wenn wieder mehr Flüge verfügbar sind, rechnen Beobachter mit einer sprunghaft steigenden Zahl chinesischer Auslandsreisen. Für Ende September und Oktober wird sogar eine wahre Explosion vorhergesagt. Das Mid-Autumn Festival geht dann direkt in die „goldene Woche“ über, einer Kette von freien Tagen um den chinesischen Nationalfeiertag am 1. Oktober. Wenn sie die Brückentage freinehmen, können Chinesen für zehn Tage am Stück verreisen.

Chinesen geben im Ausland mehr Geld aus als US-Amerikaner

Noch im Jahr 2019 unternahmen Chinesen 154 Millionen Auslandsreisen und waren damit globaler Reiseweltmeister. Zum Vergleich: US-Bürger machten im selben Jahr rund 100 Millionen Reisen ins Ausland und gaben dabei mit 1.363 US-Dollar pro Person deutlich weniger aus als Chinesen. Die ließen sich ihren Urlaub im Schnitt 1.852 Dollar kosten.

Die insgesamt rund 255 Milliarden Dollar, die Chinesen noch 2019 für Reisen ins Ausland ausgegeben haben, waren in den drei Pandemie-Jahren weitgehend verschwunden. 2021 reisten nur noch 8,5 Millionen Chinesen ins Ausland. Das war noch bevor Chinas Regierung die Ausreise-Regeln im vergangenen Jahr weiter verschärfte.

Boutiquen in Düsseldorf brauchen wieder Mandarin

Zwar schaffte es vor der Pandemie kein einziges europäisches Land in die Liste der zehn beliebtesten Reiseziele für Chinesen. Doch nahm die Zahl der Gäste spürbar zu. Deutschland und das Schloss Neuschwanstein gehörten zum Pflichtprogramm vieler chinesischer Reisegruppen, die in oft nur einer Woche gleich mehrere europäische Staaten besuchten.

In Hamburg oder Düsseldorf heuerten Boutiquen extra Personal mit Chinesisch-Kenntnissen an, um die Kunden aus Fernost ganz nach ihren Bedürfnissen bedienen zu können. Diese Sprachkenntnisse dürften schon bald wieder von Vorteil sein.

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