KolumneDer Handelskrieg und seine Instrumente

Audi Fahrzeuge des Volkswagen Konzerns werden im Hafen von Emden verschifft
Audi Fahrzeuge des Volkswagen Konzerns werden im Hafen von Emden verschifft dpa

Der aufziehende Handelskrieg zwischen den USA und dem Rest der Welt wird gerne mit dem Schreckensszenario des kollabierenden Welthandels zwischen 1929 und 1933 verglichen. Solche Vergleiche werden immer dann herangezogen, wenn die Politik Dinge tut, die man als Ökonom definitiv für falsch hält. Ein Beispiel hierfür ist auch die Warnung vor einem abrupten Zusammenbruch der britischen Wirtschaft nach dem Austrittsvotum im Brexit-Referendum. Dieser Zusammenbruch ist zwar bekanntlich ausgeblieben, was jedoch noch lange nicht heißt, dass es der britischen Wirtschaft jetzt blendend ginge. Immerhin hat sich das Wachstumstempo seit Sommer 2016 rund halbiert.

Mit dem Handelskrieg verhält es sich im Grunde ähnlich. Solange wir allein über die Anhebung von Zöllen reden, vollziehen sich Anpassungen eher graduell. Letztlich stellt sich ökonomisch dabei aber die Frage, wer am Ende die Kosten derselben trägt. Der Endverbraucher über höhere Preise oder der Hersteller über geringere Absatzzahlen und/oder niedrigere Preise? Und wie viele Umgehungen finden dann im Zweifelsfall statt, so dass sich Handelsströme verschieben? Faktisch ist die Analyse von Zöllen, also die effektive Protektionsrate, wesentlich komplexer als „zehn Prozent Zoll führen zu einem Absatzrückgang um x Prozent“. Entscheidend sind vielmehr die Preisreaktion und auf welcher Stufe der Vorleistungskette sich ein mit Zöllen belegtes Gut befindet. Es kann durchaus vorkommen – Stichwort Stahl- und Aluminiumzölle –, dass die Protektionsrate für Endprodukte (z.B. bei Autos) faktisch negativ wird, wenn man Vorprodukte mit Zöllen belegt.

Importbeschränkungen könnten die Produktion lahmlegen

Instrumente mit einer, insbesondere kurzfristig, viel stärkeren Wirkung sind Mengenbeschränkungen. Im schlechtesten Fall werden hier gar Produktionsprozesse abrupt zum Stillstand gebracht. Ein Beispiel – wenn auch nicht im Zusammenhang mit Protektionismus – ist hier die Tsunami-Katastrophe in Japan 2011. Durch das Ausbleiben wichtiger Vorleistungskomponenten kam unter anderem die Autoproduktion in Deutschland teilweise zum Stillstand. Die Industrieproduktion im gesamten OECD-Raum brach kurzfristig um über zwei Prozent ein.

An diesem Punkt sind wir aktuell im Handelskrieg nicht. Das würde sich allerdings dann ändern, wenn die USA auf harte Exportbeschränkungen, zum Beispiel für Halbleiter, setzen sollten. Langfristig hat dies sogar zu unbeabsichtigten Nebenwirkungen geführt. So führten die Importobergrenzen für japanische Autohersteller am US-Markt in den 1980er-Jahren dazu, dass diese einfach ihre Produktion von Kleinwagen für den Massenmarkt auf die Produktion im Premiumsegment umstellten.


source: tradingeconomics.com

Und zu guter Letzt kann ein Land auch auf Maßnahmen setzen, die auf den ersten Blick gar nichts mit Handelsbeschränkungen zu tun haben. So hat China in der Vergangenheit schon des Öfteren auf Steuer- und Kartellrechtsverfahren gegen Auslandstöchter oder auch öffentliche Kampagnen gegen japanische und südkoreanische Autohersteller zurückgegriffen. Auch wenn es inhaltlich falsch ist, dass China aufgrund seiner verhältnismäßig geringen Importe aus den USA bald nicht mehr im Verhältnis von 1:1 Zölle der USA kontern könnte, ist fast schon davon auszugehen, dass solche oder ähnliche Instrumente wieder eingesetzt werden.

In den eskalierenden Handelsstreitigkeiten der USA mit dem Rest der Welt kommt es mit Blick auf die Folgen also nicht nur darauf an, welche Güter und Länder betroffen sind. Fast noch wichtiger ist, welche Instrumente zum Einsatz kommen. Dass sich diese Eskalation wohl weiter fortsetzen wird, hat mehrere Gründe: Der US-Wirtschaft geht es gut. Dies lässt die Handelsdefizite steigen – auch aufgrund einer sinkenden inländischen Ersparnis. Im November stehen Kongresswahlen an und der Präsident hat hier ein einfaches Spielfeld, auf dem er seine Handlungsfähigkeit demonstrieren kann.