Weltwirtschaftsforum Davos ist zurück – aber die Stargäste fehlen

Vom 22. bis 26. Mai findet das Weltwirtschaftsforum in Davos statt
Vom 22. bis 26. Mai findet das Weltwirtschaftsforum in Davos statt
© IMAGO / Xinhua
Nach zweijähriger Auszeit sollten sich ab heute in Davos wieder die Reichen und Mächtigen zum Weltwirtschaftsforum treffen. Doch eine ganze Reihe wichtiger Namen bleibt dem Treffen in diesem Jahr fern

Die Reichen und Mächtigen der Welt, die diese Woche nach Davos kommen, dürften sich einig sein: Nach der zweijährigen pandemiebedingten Auszeit wird das jährliche Treffen des Weltwirtschaftsforums in dem Schweizer Skiort nicht mehr dasselbe sein.

Die Gästeliste ist Hunderte Namen kürzer, viele „Big Shots“ der Finanzwelt werden dem Treffen fernbleiben: die Chefs von Goldman Sachs und JPMorgan ebenso wie Larry Fink von Blackrock oder der Private-Equity-Milliardär Steve Schwarzman. Auch das übliche Aufgebot an superreichen russischen Tycoons fehlt – mehrere, die 2020 noch dabei waren, sind jetzt mit Sanktionen belegt. Auch viele ihrer chinesischen Pendants kommen nicht.

Sogar der Zeitpunkt und das Wetter sind anders als sonst: Statt des üblichen Schnees und der frischen Januarluft ist für das Mai-Davos Regen angesagt (das Willkommenspaket des WEF für die Delegierten enthält Regenschirme anstelle von Steigeisen).

Die anhaltende Pandemie, die galoppierende Inflation, die fallenden Aktienmärkte und der Krieg in der Ukraine bilden einen düsteren Hintergrund für die fünftägige Veranstaltung. Über all dem schwebt das diesjährige Thema, das einen bedrohlichen Klang hat: „Geschichte an einem Wendepunkt“. „Ich glaube einfach nicht, dass die übliche Begeisterung da ist“, sagt Wendy Craft, Personalchefin von Fulcrum Equities, einem in New York ansässigen Family Office. „Die Märkte, der Krieg und das Virus sind sicherlich nicht hilfreich.“

Die Veranstaltung rechnet immer noch mit etwa 2000 Teilnehmern, wobei die vielen Besucher nicht eingerechnet sind, die zwar kommen, aber nicht zu den offiziellen Veranstaltungen gehen.

Olaf Scholz spricht als einziger G-7-Regierungschef in Davos

Aus dem Bloomberg Billionaires Index haben sich 90 Milliardäre angekündigt. Dazu gehören die Philanthropen Bill Gates und George Soros, der Hedgefonds-Mogul Ray Dalio und der Inder Gautam Adani, der seit kurzem sechstreichste Mensch der Welt. Zum Vergleich: Im Januar 2020 kamen mindestens 119 Milliardäre in die Stadt. Darunter auch Jamie Dimon, der dieses Mal in New York bleibt, um an einem großen Investorentag von JP Morgan teilzunehmen. Goldman schickt eine Handvoll Top-Manager, aber nicht Chief Executive Officer David Solomon.

Während rund 50 Staats- und Regierungschefs erwartet werden, ist der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz der einzige Vertreter der G7. Anders als 2020, als der damalige US-Präsident Donald Trump im Rampenlicht stand, wird die amerikanische Delegation in diesem Jahr von Handelsministerin Gina Raimondo geleitet. Der ranghöchste chinesische Beamte ist Xie Zhenhua, der Sonderbeauftragte für den Klimawandel. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, der Mann der Stunde, wird am Montag vom kriegsgeschüttelten Kiew aus zu den Teilnehmern sprechen. Nachdem die Gäste an einer Reihe von Podiumsdiskussionen teilgenommen haben, können sie wie üblich die 33 steinernen Stufen zum Steigenberger Grandhotel Belvedere hinaufsteigen, um dort unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu konferieren. Am Abend werden sie weniger Partys zur Auswahl haben. JP Morgan zum Beispiel wird seine traditionelle Veranstaltung nicht in einer Davoser Kunstgalerie abhalten.

Viele der diesjährigen Teilnehmer freuen sich jedoch über die Rückkehr zur Normalität: die persönlichen Treffen, das Händeschütteln, das Nippen in der Piano Bar an einem Monsteiner, dem lokalen Bier aus der höchstgelegenen Brauerei Europas. „Ich freue mich darauf, die Leute persönlich zu treffen“, sagt Tim Gokey, CEO von Broadridge Financial Solutions mit Sitz in Lake Success, New York. David Spreng, Gründer des Risikokreditgebers Runway Growth Capital, hat in diesem Jahr auf seine Eintrittskarte für das Treffen selbst verzichtet und plant, nur zu den Veranstaltungen außerhalb des Geländes zu gehen, einschließlich einiger, die er mit organisiert hat. „Ich habe festgestellt, dass ich meine neuen Ziele auch ohne einen White Badge erreichen kann“, sagte Spreng. 

Der größte Unterschied könnte aber das Wetter sein. Wie ein Wall-Street-Manager kürzlich zu einem Mitarbeiter sagte: Ohne Schnee ist Davos einfach nicht Davos.

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