Kommentar Commerzbank: Knofs Wette geht auf

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt
Commerzbank-Zentrale in Frankfurt
© Sabine Gudath / IMAGO
Die Geschäfte der Commerzbank laufen aktuell so gut, dass ihr Chef Manfred Knof wieder auf den Erhalt der Eigenständigkeit hoffen kann. Für die Privatkunden des Instituts könnte es jedoch weitere Kostensteigerungen geben

Manfred Knof ist eine große Wette eingegangen. Der seit Jahresbeginn amtierende Vorstandsvorsitzende der Commerzbank hat sich gleich zu Beginn fürs radikale Aufräumen entschieden und das mit einem Schlag verbucht. Das Resultat: Die Kosten für Stellenabbau, Filialschließungen und den Rückzug aus einigen Ländern verhagelten ihm im ersten Halbjahr die Bilanz. Für Januar bis Juni schrieb die Commerzbank einen Konzernverlust von 394 Mio. Euro. Dass die Bank eigentlich besser dastand, als es diese Zahl vermuten lässt, ergab sich daraus, dass in den hohen Verlust Restrukturierungsaufwendungen von 976 Mio. Euro für die sogenannte Strategie 2024 eingingen.

Die Wette war, dass die Wirtschaft sich weiter erholen würde und keine Katastrophen passieren. Knofs Kalkül scheint für dieses Jahr aufzugehen. Das zeigt sich nach neun Monaten. „Wir haben die Kosten für den Umbau operativ ausgeglichen“, sagte Knof am Donnerstag während eines Conference Calls für Journalisten. Er sagte dies ganz entspannt, aber er dürfte erleichtert und stolz sein. Wäre die wirtschaftliche Erholung nicht so gut gelaufen, hätte die Commerzbank ein finanziell katastrophales Jahr verbuchen müssen. Bislang läuft es aber für Knof. „Unsere Transformation ist im Plan“, sagte er. Geht alles auf wie geplant, so ließ er durchblicken, könne die Commerzbank selbstständig bleiben. Umgekehrt heißt das auch: Geht der Plan schief und wird die zweigrößte Geschäftsbank Deutschlands ein Sanierungsfall, so wird sie auch zum Übernahmekandidaten.

Knof und Finanzvorständin Bettina Orlopp zeigten sich selbstbewusst bei der Vorstellung der Geschäftszahlen zum dritten Quartal. Sie waren in der Summe besser ausgefallen als der Markt dies erwartet hatte – und der Markt war zuletzt schon recht positiv gestimmt. Was sich nicht zuletzt daran zeigt, dass die Aktie seit Jahresbeginn rund ein Drittel an Wert gewonnen hat, so dass die Bank inzwischen wieder mit rund 8 Mrd. Euro bewertet wird. Die überraschend starken Quartalszahlen gaben der Aktie weiteren Schub, sie stieg am Donnerstag zeitweilig über sechs Prozent auf ein Jahreshoch von 6,90 Euro. Das dürfte ein wenig Neid beim ewigen Rivalen Deutsche Bank auslösen, deren Aktie nach der jüngsten Bilanzvorlage deutlich abrutschte .


Commerzbank Aktie


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Gebühren sollen steigen

Die Zahlen im Detail: Den Konzernverlust im ersten Halbjahr holte die Commerzbank auf und liegt Stand Ende September 9 Mio. Euro im Plus. Dabei stieg der Restrukturierungsaufwand sogar noch auf 1,05 Mrd. Euro. Operativ verdiente die Bank im dritten Quartal 472 Mio. Euro, unter dem Strich steht ein Konzerngewinn von 403 Mio. Euro. Und das bei weitgehend konstanten Erträgen von gut 2 Mrd. Euro. Sollte im Schlussquartal also nicht irgendetwas Gravierendes passieren, dürfte die Commerzbank trotz der hohen Restrukturierungskosten mit schwarzen Zahlen aus dem Jahr 2021 herauskommen. Ob es sogar für eine kleine Dividende reichen wird, sollte sich im Schlussquartal zeigen.

Zu den guten Zahlen haben allerdings viele Privatkunden beitragen müssen. Die Commerzbank verlangt inzwischen ab Einlagen von 50.000 Euro Negativzinsen, in der offiziellen Kommunikation als Guthabengebühr bezeichnet. Hier könnte das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht sein. Orlopp sprach von einer „teilweise Ausweitung der Einlagenbepreisung“, um das weitere Absinken des Zinsergebnisses abzubremsen. Im laufenden Jahr hat die Bank ihren Worten zufolge mehr als 55 Mio. Euro an „Gebühren aus Einlagen“ eingenommen. Mit anderen Worten: Ohne die Negativzinsen würde die Bilanz nach neuen Monaten leicht rot statt knapp schwarz sein.

BGH-Urteil kostet fast 100 Mio. Euro

Aus den Neun-Monatszahlen geht auch hervor, was das Urteil des Bundesgerichtshofes BGH zu Kontogebühren vom Frühjahr die Commerzbank kostet. Im dritten Quartal verbuchte sie „Rückstellung nach BGH-Urteil für vergangene Preisanpassungen“ im Umfang von 33 Mio. Euro. Im Vorquartal hatte die Bank bereits 66 Mio. Euro zurückgelegt, um Rückforderung von zu viel gezahlten Kontoführungsgebühren begleichen zu können.

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