AnalyseDeutsche Bank: Investoren verlieren Glauben an die Wende

Das Deutsche-Bank-Hochhaus in Frankfurt IMAGO / U. J. Alexander

Christian Sewing zeigt sich in Anbetracht der Quartalszahlen zufrieden: „Obwohl sich das Marktumfeld im Handelsgeschäft etwas normalisiert hat, konnten wir die Erträge im Dreimonatszeitraum um zwei Prozent auf gut sechs Milliarden Euro steigern“, kommentierte der Vorstandschef das Zahlenwerk, dass sein Haus am Mittwoch Investoren präsentierte. Und: „Wir haben das erreicht, obwohl wir zusätzliche einmalige Kosten in Kauf genommen haben, um unsere Transformation weiter zu beschleunigen.“

Doch die Investoren waren wenig überzeugt. Vielleicht auch, weil der Aktienkurs zuletzt zumindest so passabel war, dass man ohne größere Schmerzen aussteigen konnte – immerhin hat er sich im Vergleich zum Frühjahr vergangenen Jahres verdoppelt. Viele warfen ihre Wertpapiere von Deutschlands größter börsennotierter Bank auf den Markt.

Deutsche Bank Aktie

Deutsche Bank Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Aber es steckt noch mehr dahinter. Ja, die Bank ist schon länger halbwegs skandalfrei. Ja, die Bank schreibt mit einer gewissen Kontinuität schwarze Zahlen. Doch bald schon dürften Forderungen nach einer besseren Geschäftsstrategie laut werden.

Stabile Erträge

Denn die Erträge der einzelnen Segmente bewegen sich kaum. Die Unternehmensbank hat bringt mal 1,2 Mrd. Euro, mal 1,3 Mrd. Euro ein. Die Investmentbank bewegt sich je nach Handelsaktivitäten am Kapitalmarkt etwas mehr: Die Erträge lagen seit Anfang 2020 jedes Quartal zwischen 2,4 Mrd. Euro und 3,1 Mrd. Euro, in den vergangenen drei Monaten hat die Investmentbank lediglich 2,3 Mrd. Euro eingebracht. Das Segment profitiert insgesamt weniger von hohen Handelsaktivitäten – etwa während des Corona-Crashs im vergangenen Jahr – als US-Banken. Und im vergangenen Quartal hat sich dieser Trend weiter offenbart.

Die Privatkundenbank steuert rund 2 Mrd. Ertrag pro Quartal bei. Die Fondstochter DWS konnte die Erträge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum immerhin von 563 Mio. Euro auf 656 Mio. Euro steigern. Aber zuletzt hat das Geschäft für Vermögensverwaltungen gebrummt, eine andere Entwicklung wäre verwunderlich gewesen.

Unterm Strich lässt sich aus den Zahlen ablesen, dass die Erträge bei der Deutschen Bank stabil sind. Dass bedeutet, das für jegliche weitere Erfolge vor allem an der Kostenschraube gedreht werden muss. Das macht die Deutsche Bank auch: Sie schließt Filialen und kündigt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Doch wie Sewing in seinem Statement angedeutet hat: Die Kosten der Transformation sind noch hoch. Und sie führen bislang nicht zu steigenden Erträgen oder gar Gewinnen. Der Nachsteuergewinn ist in den vergangenen Quartalen sogar zurückgegangen. Das lässt Investoren zweifeln. Und setzt Sewing unter Druck, neue Ertrags- und Gewinnquellen zu identifizieren.

 


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