ExklusivClub-Manager kritisieren Qualitätsverlust der Bundesliga

Die Fußball-Bundesliga will im Ausland weiter wachsen - unter anderem in den USA
Die Fußball-Bundesliga will im Ausland weiter wachsen - unter anderem in den USAGetty Images

Wenige Tage vor dem Saisonstart haben führende Bundesliga-Manager dem deutschen Fußball einen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit bescheinigt. „Der von immer massiveren Investitionen geprägte internationale Top-Fußball hat sich an der Spitze an Deutschland vorbei entwickelt“, sagte Axel Hellmann, Vorstandsmitglied von Eintracht Frankfurt, im Capital-Interview. Die früheren Erfolge der Nationalmannschaft und in der Champions League hätten bei einigen „eine einschläfernde Wirkung“ auf die Bereitschaft gehabt, sich in der Liga kritischen Fragen zur Wettbewerbsfähigkeit zu stellen, sagte Hellmann weiter: „Ich habe das Gefühl, dass sich bei einigen Spitzenkräften des deutschen Fußballs eine gewisse Selbstzufriedenheit eingeschlichen hat.“

Auch Hannover-96-Präsident Martin Kind attestierte der deutschen Eliteliga, in den vergangenen Jahren an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt zu haben. „Die Bundesliga hat international an Bedeutung verloren, besonders auch in der Europa League und in der Champions League“, sagte der Clubchef. Es werde immer schwerer, Stars zu überzeugen, nach Deutschland zu wechseln. Das Vorrunden-Aus der Nationalmannschaft bei der WM bezeichnete Kind als „Spiegelbild der Leistungsentwicklung“.

Preetz: Die Bundesliga muss sich öffnen

Um im Wettbewerb mit den Fußballmärkten in England, Spanien und Italien bestehen zu können, forderten mehrere Club-Manager, die bestehenden Hürden für Investoren im deutschen Profifußball durch die sogenannte 50+1-Regel abzubauen. „Wir sind der Meinung, dass die Bundesliga sich im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit öffnen muss. Jeder Verein sollte für sich selbst entscheiden können, welchen Weg er gehen möchte“, sagte Hertha-Manager Michael Preetz. Die Verantwortung der Vereine liege dabei in der richtigen Auswahl der Investoren, weil sich Anteile nur ein Mal verkaufen ließen. „Es geht darum, jemanden zu finden, der sich für die Entwicklung des jeweiligen Clubs begeistern lässt und gewillt ist, diesen Weg dauerhaft und nachhaltig mitzugehen“, sagt Preetz. Bei Hertha läge die letzte Entscheidung dann bei den Mitgliedern.

Die neue Capital erscheint am 23. August

Auch Eintracht-Vorstand Hellmann sprach sich für eine Reform der 50+1-Regel aus, die bislang verhindert, dass Investoren die Mehrheit der Stimmrechte bei einem Bundesligisten übernehmen können. Bei einer Marktöffnung könne etwa mit einem Katalog sichergestellt werden, dass vereinsfremde Mehrheitseigner bei fundamentalen Fragen wie der Aufnahme von Kapital, aber auch bei dem Namen, dem Standort und den Farben nicht gegen den Verein und seine Mitglieder entscheiden dürfen, sagte er. Zugleich forderte Hellmann ein neues Regelwerk für die Finanzierung der Clubs durch ihre Gesellschafter und andere Kapitalgeber. Die Bundesliga brauche „klare Regeln für ein Financial Fairplay und harte Vorgaben für die Höhe und die Herkunft von frischem Kapital“, sagte er.

50+1-Kläger Kind: Die DFL verhält sich „wie ein Kartell“

Im sich abzeichnenden Rechtsstreit um die 50+1-Regel verschärfte Hannover-Clubchef Kind unterdessen seine Kritik an der DFL. Die DFL verhalte sich „wie ein Kartell“, das seine Regeln selbst bestimme, sagte Kind im Capital-Gespräch. „Bundesligaclubs sind heute Unternehmen. Also muss hier auch das Unternehmensrecht gelten.“

Der Streit zwischen Kind und der DFL war zuletzt eskaliert. Nachdem das DFL-Präsidium im Juli eine Ausnahmegenehmigung für die Übernahme der Kontrolle bei Hannover 96 abgelehnt hatte, legte Kind Anfang August Klage vor dem Ständigen Schiedsgericht der Lizenzligen ein. In einigen Wochen will der Hörgeräte-Unternehmer zudem eine weitere Klage vor dem Landgericht Frankfurt einreichen. In diesem Verfahren will er die 50+1-Regel unter anderem kartell- und wettbewerbsrechtlich überprüfen lassen.

Im Interview machte Kind deutlich, dass er für dieses zivilrechtliche Verfahren mit mindestens zwei Instanzen kalkuliert. Auch einen Gang bis vor den Europäischen Gerichtshof hält er für denkbar. Ein Kompromiss mit der DFL sei „durchaus noch möglich“, betonte der 96-Präsident – sagte aber zugleich: „Wenn unsere Klage Erfolg hat, kann sich der deutsche Fußball dramatisch verändern.“

Dagegen warnte Andreas Rettig, Geschäftsführer des FC St. Pauli und Wortführer der 50+1-Anhänger, davor, internationale Investoren in großem Stil im deutschen Profifußball zuzulassen. Eine Öffnung des Marktes würde ein „Rattenrennen“ auslösen, sagte Rettig: „Wenn der Erste verkauft, gibt es sofort einen Dominoeffekt.“ Selbst Clubs, die keine Anteile abgeben wollen, würden gezwungen zu verkaufen. Der frühere DFL-Geschäftsführer verwies zudem auf das Beispiel des Maschinenbauers Leifeld, bei dem die Bundesregierung jüngst die Übernahme durch ein Unternehmen aus China blockierte: „Die Politik fängt gerade an, über Sicherheitsmaßnahmen nachzudenken. Die haben wir im Fußball bereits. Warum sollten wir die aufs Spiel setzen?“