KonsumbarometerCivey-Umfrage: Mehrwertsteuersenkung lässt Verbraucher unbeeindruckt

Seit drei Monaten gelten die verringerten Mehrwertsteuersätze. Verbraucher regen sie aber kaum zu mehr Konsum an
Seit drei Monaten gelten die verringerten Mehrwertsteuersätze. Verbraucher regen sie aber kaum zu mehr Konsum animago images / Ralph Peters

Halbzeit für die Mehrwertsteuersenkung: Seit drei Monaten gelten die verminderten Steuersätze von 16 und fünf Prozent, die als Teil des 130-Milliarden-schweren Konjunkturpakets der Bundesregierung die Kauflaune heben sollten. Der Großteil der Verbraucher berücksichigt die Maßnahme, die noch bis Ende des Jahres gilt, beim Einkaufen aber kaum. Das geht aus den jüngsten Daten des Konsumbarometers hervor, das das Umfrageinstitut Civey für Capital erstellt hat.

Gerade größere Anschaffungen sollten durch die Steuersenkung besonders lukrativ werden – wenn sie an die Kunden weitergegeben wird. Die Hoffnung, dass Verbraucher deshalb teurere Anschaffungen vorziehen könnten, erfüllt sich allerdings bislang nicht: Nur etwas mehr als jeder Zehnte der rund 5000 Befragten zieht eine größere Anschaffung aufgrund der Mehrwertsteuersenkung überhaupt in Erwägung. Fast die Hälfte lehnt diese Vorstellung entschieden ab. Lediglich bei den 30 bis 39-Jährigen kann sich jeder Fünfte vorstellen, die Mehrwertsteuersenkung für eine ungeplante größere Anschaffung zu nutzen.

Im Supermarkt ist die Zurückhaltung noch größer: Rund neun von zehn Befragten verneinten, wegen der Mehrwertsteuersenkung mehr an Lebensmitteln und alltäglichen Gegenständen in den Einkaufswagen zu legen. Auf die 18- bis 29-Jährigen hat die Maßnahme dabei noch den größten Einfluss. Rund 7,6 Prozent geben an mehr einzukaufen, das ist mehr als doppelt so viel wie bei den anderen Altersgruppen.

Knapp die Hälfte verschiebt Reisen in 2020

Insgesamt hält die Mehrheit der Befragten an ihrem Kaufverhalten aus der Zeit vor der Pandemie fest. Rund die Hälfte gibt an, noch genauso viele Produkte einzukaufen wie zuvor. Lediglich etwas mehr als jeder Fünfte lässt sich dabei von der Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus oder dem eingeschränkten Komfort beim Einkauf mit einer Mund-Nasen-Maske abhalten. Auch die unsicheren Zukunftsaussichten machen etwa jedem Zehnten zu schaffen, Angst vor dem Jobverlust verspüren allerdings nur drei Prozent der Befragten.

Bei den Ausgaben für die Freizeitgestaltung macht sich die Pandemie dagegen deutlicher bemerkbar. Nur etwas mehr als jeder Vierte plant in diesem Jahr, weiterhin Geld für Theater- oder Konzertbesuche auszugeben. In Städten ist es angesichts des größeren Kulturangebots immerhin jeder Dritte. Bei Restaurantbesuchen ergibt sich ein ähnliches Bild. Hier geben rund zwei Drittel der Befragten an, sie würden weniger Geld für Essen ausgeben.

Weniger klare Verhältnisse gibt es beim Thema Urlaub: Zwar gibt die Mehrheit der Befragten an, wegen der Pandemie eine Reise auf das kommende Jahr verschoben zu haben. Rund 47 Prozent und damit mehr als vier von zehn Umfrageteilnehmern halten aber an ihren Reiseplänen fest. Das gilt vor allem für Haushalte mit Kindern und für Befragte zwischen 18- bis 29 Jahren. Rentner, leitende Angestellte und Beamte haben dagegen überdurchschnittlich stark auf eine neue Reiseplanung gesetzt.

Für das Konsumbarometer hat Civey vom 21.08.2020 bis 29.09.2020 die Antworten von rund 5000 Befragten ausgewertet.