GastkommentarChampions League-Reform: Warum die Super-Liga nicht kommen darf

Ist die Champions League ein Auslaufmodell?
Ist die Champions League ein Auslaufmodell?dpa

Jörn Quitzau
Jörn Quitzau ist Volkswirt bei der Berenberg Bank. Daneben betreibt er den Blog Fussball-Oekonomie.de

Wie ernst ist es diesmal im europäischen Fußball? Seit Anfang Mai Berichte die Runde machten, große Klubs aus Italien und Spanien würden eine quasi-geschlossene europäische Super-Liga planen, ist die Fußballwelt in Aufruhr. Insbesondere Andrea Agnelli gilt als treibende Kraft hinter den Planspielen. Agnelli ist als Präsident von Juventus Turin und Vorsitzender der European Club Association (ECA) ein sportpolitisches Schwergewicht. Die Reformpläne verdienen also durchaus Aufmerksamkeit.

Nun ist eine geschlossene oder quasi-geschlossene Liga keineswegs eine neue Idee. Schon oft haben die großen Klubs versucht, ihre Interessen mit einer geeigneten Drohkulisse durchzusetzen. Doch diesmal klingen die kolportierten Eckdaten der angestrebten Reform verdächtig konkret: Es soll drei europäische Ligen geben als Ersatz für die bisherige Champions League, die Europa League und das etablierte Qualifikationsverfahren über die nationalen Ligen. Insgesamt wären den Reformplänen zufolge 128 Vereine in diesen drei Ligen vertreten.

Besonders brisant war der Hinweis darauf, die Spiele der europäischen Wettbewerbe könnten auch am Wochenende ausgetragen werden. Dies gleicht einer „Kriegserklärung“ an die nationalen Ligen, denn ein Klub kann ja nicht am gleichen Tag in der Bundesliga und auf europäischer Ebene spielen. Ein Bruch der europäischen Top-Klubs mit ihren Herkunftsligen wäre die Folge. Aber was wäre die Bundesliga ohne Bayern München und Borussia Dortmund oder die italienische Liga ohne Juventus Turin?

Auch wenn inzwischen von verschiedener Seite mehrfach darauf hingewiesen wurde, dass noch nichts beschlossen sei, und einige neue Pläne die Runde machten, stellt sich die prinzipielle Frage, was eine Reform eigentlich bringen soll. Denn praktisch niemand ist für eine grundlegende Reform des bewährten Systems: Die „European Leagues“, eine Vertretung von fast 1000 europäischen Klubs, ist dagegen. Die deutschen Bundesligisten und die DFL sind geschlossen dagegen.

Die Fans haben ohnehin kein Interesse an einer europäischen Kommerzliga. Zumindest nicht die deutschen Fans: Das Sportmagazin „Kicker“ fragte seine Leser im Rahmen einer größeren Umfrage: „Sollte eine ‚Super League‘ die Champions League als höchsten europäischen Wettbewerb auf Sicht ablösen?“ Die Antwort war eindeutig: 93,4 % der Umfrageteilnehmer sagten „Nein“. Für die Reform sind offenbar nur einige wenige europäische Spitzenklubs, die künftig noch mehr Spiele in der reformierten Europaliga garantiert hätten – und damit auch noch höhere Einnahmen.

Mehr Wettbewerb – aber anders

Mit etwas Mühe ließen sich ein paar (sportökonomische) Argumente für eine Reform finden: Wenn die europäischen Top-Klubs in den nationalen Ligen keine ernsthafte Konkurrenz mehr haben, sollten sie sich vielleicht wirklich häufiger mit den Top-Klubs der anderen Ligen messen. Die Spannung würde dadurch vielleicht wieder steigen. Aber ist es das, was der Fan will? Und gäbe es nicht auch regulatorische Maßnahmen, um den Wettbewerb in den nationalen Ligen wieder zu intensivieren?