ExklusivBayer will auf Kritiker zugehen

Für das Streitgespräch lud Capital Grünen-Chef Robert Habeck (l.) und Bayer-Vorstand Liam Condon in das Institut für Agrar- und Gartenbauwissenschaften der Humboldt-Universität
Für das Streitgespräch lud Capital Grünen-Chef Robert Habeck (l.) und Bayer-Vorstand Liam Condon in das Institut für Agrar- und Gartenbauwissenschaften der Humboldt-UniversitätAlexander Gehring und Paula Winkler

Der Chef der Agrarsparte Cropscience von Bayer, Liam Condon, will künftig stärker auf Kritiker des Konzerns zugehen. „Die größte Erkenntnis für mich ist, dass wir als Bayer und als Industrie insgesamt viel mehr erklären müssen, was wir tun, warum wir das tun“, sagte Condon in einem Streitgespräch mit dem Vorsitzenden der Grünen, Robert Habeck, das in der neuen Capital-Ausgabe (Ausgabe 4/2018, EVT 22. März 2018) erscheint. „Wir waren lange fixiert auf den Landwirt und haben dem Verbraucher zu wenig erklärt, warum wir Innovationen in der Landwirtschaft brauchen. Wir müssen mehr den Dialog suchen, ansonsten werden wir das Vertrauen der Menschen nicht gewinnen“, sagte Condon.

Capital-Cover 04/2018
Die neue Capital erscheint am 22. März

Die EU-Kommission hat die Übernahme von des US-Konkurrenten Monsanto durch Bayer an diesem Mittwoch genehmigt – wenn auch unter strengen Auflagen. So will Bayer große Teile seines Saatgutgeschäfts an BASF verkaufen. Gleichwohl steigt Bayer durch die 60 Mrd. Dollar teure Übernahme zum größten Agrarkonzern der Welt auf.

Das Gespräch zwischen Habeck und Condon wurde vor einer Woche in Berlin geführt. Es war das erste direkte Aufeinandertreffen eines hochrangigen Vertreters von Bayer und eines prominenten Grünen-Politikers. Die Grünen haben die geplante Übernahme seit Monaten immer wieder scharf kritisiert.

Im Streitgespräch versprach Condon, künftig noch stärker auf die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln durch Landwirte zu achten: „Wir versuchen, durch Schulung und Beratung die sachgerechte Anwendung unserer Produkte sicherzustellen, und werden das auch in Zukunft verstärkt tun. Und ich sage: Wir werden liefern und uns an unseren Taten messen lassen.“ Dennoch blieb Grünen-Chef Habeck in dem Streitgespräch bei seiner grundsätzlichen Ablehnung der Fusion: „Ich höre aus der Industrie das ‚Wir haben verstanden, wir müssen etwas ändern‘. Das freut mich. Nur passt dazu nicht die Übernahme von Monsanto“, sagte Habeck. „Politisch spricht alles gegen die Fusion.“

Durch den Zusammenschluss entstehe noch mehr Marktmacht und gerieten Bauern weltweit in noch größere Abhängigkeit eines einzigen Konzerns, warnte der Grünen-Chef. „Weizen ist kein Produkt von Bayer oder Monsanto, sondern der Evolution. Die Konzerne haben es nur verändert, so sind sie immer weitergewachsen – und mit ihrer Marktmacht dominieren sie alles“, kritisierte Habeck.

Der Grünen-Chef räumte allerdings auch ein, dass es auf der Seite der Öko-Bewegung nach wie vor „eine falsche Sozialromantik gibt“. Auch Kleinbauern müssten die Möglichkeit haben, sich zu entwickeln und innovativere Anbaumethoden zu nutzen. „Ich will nicht zurück zu einer Bullerbü-Landwirtschaft mit drei Schweinen und zwei Hühnern. Wir wollen auch den Bauern in Afrika nichts vorschreiben. Ich möchte aber, dass unsere Fehler anderen erspart bleiben“, sagte Habeck.


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