FinanzevolutionScience-Fiction in der Finanzwelt?

Sie hören dem Kunden zu, informieren ihn über seine Kontenstände, gleichen seine Konten aus, überweisen auf Zuruf Geld, treffen selbstständig Anlageentscheidungen und suchen die beste Finanzierung für die Immobilie. Sie kennen das aus den Besuchern der Bankfiliale in den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Da halfen freundlichen Berater am Schalter beim Ausfüllen von Überweisungsformularen, nahmen Schecks entgegen und ließen sich Zeit für die Wertpapierberatung. Vielleicht erleben Sie das in nicht mehr ganz so ferner Zukunft von zu Hause aus, nur mit dem Unterschied, dass sie keinen menschlichen Ansprechpartner mehr haben, sondern eine Maschine.

Kommen die alten Zeiten der persönlichen Betreuung in den nächsten Jahren in einer neuen Variante zurück? Werden viele Services künftig nicht mehr von Menschen, sondern von Maschinen erbracht? Das, was vor 30 Jahren als Science-Fiction galt, kommt nun Schritt für Schritt unter dem Schlagwort Künstliche Intelligenz zurück.

Manche verstehen unter Künstlicher Intelligenz (KI) die Wissenschaft, Maschinen und Computer so zu programmieren, dass sie intelligentes Verhalten verstehen und entwickeln können. Eine KI, die beliebige Probleme wie ein Mensch löst oder gar eine Art Persönlichkeit oder Bewusstsein entwickelt, wird starke künstliche Intelligenz genannt. Sie bleibt so lange Science-Fiction bis geklärt ist, wie das menschliche Bewusstsein funktioniert. Fachleute, wie Ray Kurzweil, Leiter der technischen Entwicklung bei Google, erwarten, dass 2029 Computer nahezu alles tun können, was auch Menschen schaffen können (vgl. Finextra, Rise of the robots).

KI – Bündel verschiedener Technologien

Tatsächlich machen Computer große Fortschritte, wenn es um Herausforderungen geht, die bislang die Domäne der Menschen waren. Sie schlagen mittlerweile selbst Großmeister in verschiedenen Spielen. Schon vor über einem Jahrzehnt ist das beim Schach gelungen, im vergangenen Jahr beim japanischen Spiel Go. In diesem Jahr gelang es sogar zwei Bots beim Poker. Anders als beim Schach und Go-Spiel, wird beim Poker mit unvollständigen Information gespielt wird. Der Poker-Bot Libratus wurde zwar mit den Regeln des Pokerspiels programmiert, hat sich dann aber anhand von Milliarden Spielen gegen sich selbst beigebracht, wie man blufft und gewinnt (Details in diesem Paper). Ähnlich arbeitete der Poker-Bot Deep Strack, über den das Wissenschaftsmagazin Science Anfang März berichtete.

Wichtig ist zu verstehen, dass KI nicht eine bestimmte Technologie darstellt, sondern ein Bündel verschiedenster Technologien ist. Die beiden oben genannten Poker-Bots arbeiten im Detail anders, schaffen aber das gleiche Ergebnis, nämlich für Situation mit unvollständigen Informationen die beste Lösung herauszufinden. Diese Technologien haben nichts mit Intelligenz im menschlichen Sinne zu tun, sondern mehr mit der Fähigkeit, große Datenmengen auszuwerten und daraus zu lernen. Das gelingt am ehesten dann, wenn sich die Systeme auf bestimmte Problemlösungen konzentrieren und sich wiederholende Muster aufweisen, aus denen die Maschine lernen kann (man spricht hier auch von machine learning).