ReportageBäääng & Olufsen

Das in Köln entworfene Steuergerät Beosound Moment (M.) im Flagship-Store in Kopenhagen
Das in Köln entworfene Steuergerät Beosound Moment (M.) im Flagship-Store in Kopenhagen
© Alastair Philip Wiper

Und dann kommt irgendwann der Tag, an dem sie mit ihren Modellen im Werk 5 stehen. Im Norden Dänemarks, in Struer, einer Kleinstadt mit 10 000 Einwohnern und deutlich mehr Kopfsteinpflastersteinen. Die sanft geschwungenen Hügel enden immer irgendwo am Wasser. Die Landschaft herb und schön. Der Himmel blau, die Felder gelb vom Raps. Salzige Luft von der Nordsee. Eine skandinavisches Idyll.

„So soll es aussehen“, sagen die Designer dann zum Beispiel zu Morten Frank Villumsen, deuten erst auf den Himmel und danach auf ihr Modell. Und der blonde Däne nickt. Aluminium in Himmelblau. Geht. Dann gleiten die Finger über die Kanten, die bloß nicht rund sein dürfen. Die Oberfläche wollen sie matt, natürlich kratzfest. Und eine elegante Kühle soll das Aluminium ausstrahlen. Schrauben? Nein! Alles aus einem Guss. Das muss doch machbar sein, oder? Morten Frank Villumsen schluckt dann, aber er legt los – und so beginnt das, was sie in Struer den „Tanz zwischen Design und Technik“ nennen. Oder auch Pingpong. „Am Ende“, sagt Villumsen, „bestimmen die Designer alles. Was die wollen, machen wir.“

Villumsen ist Cheftechniker bei Bang & Olufsen, dem dänischen Hersteller von Luxus-Unterhaltungselektronik. Er sorgt dafür, dass die Entwürfe der Kreativen produziert werden können. Auch wenn das lange dauern kann. „Wir können die Gesetze der Physik nicht brechen“, sagt er. „Aber biegen.“

Über 100 Designpreise

Das Werk 5 beherbergt die Feinmechanik und Aluminiumverarbeitung. Bang & Olufsen rühmt sich der modernsten Eloxieranlage der Welt, in der das Leichtmetall veredelt wird. In einem 50 Meter langen Becken wird das Metall entfettet, konserviert, gespült, gefärbt, gebeizt, oxidiert und verdichtet. Das Verarbeiten von Aluminium hat in Struer seit den 50er-Jahren Tradition. Es ist dieses Know-how, das Bang & Olufsen so besonders macht, genau wie die Akustik. Seit Jahrzehnten gelten die Lautsprecher von B & O als das Maß aller Dinge. Das Aushängeschild aber ist: das Design.

Mit maximalem Minimalismus ist Bang & Olufsen zu einer Stilikone geworden. Nicht viele Unternehmen können das von sich behaupten. Außer Apple. Bei Bang & Olufsen sieht man die Amerikaner als Sparringspartner. Sie beleben den Wettbewerb, begeistern eine breite Masse für gutes Design. Das kann den Dänen nur recht sein.

Weit über 100 Designpreise hat Bang & Olufsen eingesammelt. Im New Yorker Museum of Modern Art werden 15 Geräte aus Struer ständig ausgestellt. „Bang & Olufsen entwirft Audiosysteme als wunderschöne Objekte, die auch losgelöst von ihrer Funktion genau das richtige Maß an Aufsehen erregen“, urteilte das MoMA. International bekannten Designern wie Ib Fabiansen, Jacob Jensen oder David Lewis hat Bang & Olufsen diesen Ruf zu verdanken. Sie schufen einen Stil, der unverwechselbar ist. Das Design soll Form und Funktion zu einer Einheit verschmelzen, bei einer puristischen Ästhetik mit höchstem Bedienkomfort. Es ist ihr Glaubensbekenntnis.