KolumneAusblick 2018: Vier Gründe für noch mehr Aufschwung

Nach Jahren verhaltenen Wachstums hat die Weltkonjunktur bereits 2017 an Fahrt aufgenommen. Für 2018 zeichnet sich robuster Zuwachs der Wirtschaftsleistung bei einem nur maßvollen Anstieg der Inflation ab. Zwar nehmen die Gefahren zu, dass sich die Konjunktur auf Dauer überhitzen könnte. Bisher gibt es jedoch kaum einen Anhaltspunkt dafür, dass uns dies schon 2018 drohen könnte. Stattdessen spricht die Ausgangslage dafür, dass die Weltwirtschaft noch mindestens zwei gute Jahre genießen kann, bevor sich im Überschwang des Aufschwungs derart ausgeprägte Ungleichgewichte aufgebaut haben werden, dass eine neue Bereinigungsrezession fällig werden könnte.

Viele Jahre lang hatte der Schock der großen Finanz- und Wirtschaftskrise von Ende 2008 und Anfang 2009 das Verhalten der Menschen geprägt. Haushalte haben bis zum Jahr 2016 mehr gespart, Unternehmen haben weniger investiert und beide haben sich mit Krediten weit mehr zurückgehalten, als das in früheren Zyklen der Fall war. Entsprechend blieb der Aufschwung, der schon 2009 eingesetzt hatte, lange Zeit ungewöhnlich verhalten. In der Eurozone hat die Euro-Krise von 2011/2012 diese Vorsicht weiter verstärkt.

Dieses Zeitalter der Vorsicht ist 2017 ausgelaufen. Nach Jahren ohne neue Mega-Krise haben viele Menschen die große Scheu vor dem Risiko abgestreift. Haushalte und Unternehmen jetzt wieder eher bereit, die günstigen Finanzierungsbedingungen zu nutzen. Die Investitionen sind nahezu überall in der westlichen Welt angesprungen. Unterstützt durch zunehmende Beschäftigung öffnen auch die privaten Verbraucher ihre Brieftaschen. Zudem beflügelt das Ende der Schwellenlandkrise von 2015/2016 die Ausfuhren. In der gesamten westlichen Welt mit Ausnahme Großbritanniens, das sich durch den beschlossenen Austritt aus der Europäischen Union selbst ins Abseits gestellt hat, geht es spürbar aufwärts.

Vier Gründe sprechen dafür, dass der weltweite Aufschwung auch 2018 robust bleiben wird:

Erstens neigen Menschen dazu, aus der unmittelbaren Vergangenheit zu lernen und sich gegenseitig zu beeinflussen. Da es sich 2017 gelohnt hat, zu den Optimisten zu gehören, dürften Unternehmen und Verbraucher 2018 dazu neigen, im Vertrauen auf die Zukunft wieder etwas mehr Risiken einzugehen. Das kann sich in der gesamten westlichen Welt in einer stärkeren Investitionsneigung ebenso wie in einer etwas lebhafteren Nachfrage nach Krediten ausdrücken.

Zweitens unterstützt die Geldpolitik in der gesamten westlichen Welt weiterhin die Konjunktur. Da sich bisher noch keine echten Inflationsgefahren gezeigt haben, neigen die Notenbanken dazu, trotz guten Wirtschaftswachstums ihre expansive Geldpolitik nur gemächlich anzupassen.

Drittens können die Steuerreform sowie zusätzliche Staatsausgaben in den USA die Nachfrage dort so stärken, dass sich dies auch in Europa, Japan sowie der Mehrzahl der Schwellenländer bemerkbar machen wird.

Viertens haben viele Schwellenländer ihre eigenen Bereinigungskrisen der Jahre 2015 und 2016 hinter sich gelassen. Nachdem sie die Exzesse ihres vorangegangenen Kreditbooms zumindest teilweise korrigiert haben, können sie bei in etwa stabilen Rohstoffpreisen auf mehrere Jahre eines Wiederaufschwungs hoffen, auch wenn es natürlich wie üblich Ausnahmen von der Regel geben wird.

Mit dem raschen Wachstum der Weltwirtschaft in 2017 hat die normale konjunkturelle Dynamik eingesetzt. Erst kommt der Boom, dann die Korrektur. Im Überschwang werden sich Spannungen aufbauen, die sich dereinst in Fehlinvestitionen, übertriebener Kreditvergabe und steigender Inflation zeigen werden. Jeder Boom trägt den Keim der späteren Bereinigungskrise schon in sich.

Aber noch gibt es keinen großen Bereinigungsbedarf. Trotz vereinzelter Probleme, beispielsweise in Teilen des deutschen Wohnungsmarktes oder einigen Sektoren des US-Kreditmarktes, zeigen sich bisher beim Zuwachs des gesamtwirtschaftlichen Kreditvolumens in den USA und der Eurozone noch keine gefährlichen Blasen. Unternehmen haben noch keine Überkapazitäten aufgebaut, der Inflationsdruck hält sich bei weiterhin maßvollen Lohnabschlüssen in engen Grenzen. Auch die Globalisierung und der Aufstieg der Roboter dämpfen den Anstieg der Löhne und damit die Inflationsgefahren. Deshalb sehen wir vorerst noch keinen Grund für ein Ende des Aufschwungs.

Die größte Gefahr für unseren positiven Ausblick könnte sich aus einem unerwartet raschen Anstieg der Inflation ergeben. Dabei müssen wir unser Augenmerk vor allem auf die Lohninflation in den USA richten. Anders als in der Eurozone herrscht in den USA bereits Vollbeschäftigung. Zudem wird das Fiskalpaket die gesamtwirtschaftliche Nachfrage weiter anheizen, obwohl die US-Konjunktur einen solchen Stimulus weiß Gott nicht braucht. Je mehr die Fiskal- und Geldpolitik das Wachstum künstlich anheizt, desto eher wird die nächste Korrektur fällig.

Theoretisch könnte eine übermäßige Lohninflation die US-Notenbank dazu zwingen, die Konjunktur frühzeitig abzuwürgen. Bisher gibt es dafür aber auch in den USA keinerlei Anzeichen. Bei einer US-Lohninflation von derzeit etwa 2,5 % ist der gefährliche Bereich, der bei knapp 4 % beginnen könnte, noch weit entfernt. Auch in den USA wird es vermutlich noch etwa zwei Jahre dauern, bis sich ein so großer Bereinigungsbedarf aufgestaut hat, dass wir über echte Rezessionsgefahren nachdenken müssten. Die Eurozone ist davon noch wesentlich weiter entfernt als die USA, würde sich aber im Jahr 2020 oder im Jahr 2021 – das wäre nach der nächsten Präsidentschaftswahl in den USA – einem solchen US-Rückschlag nicht entziehen können. Aber da die Party gerade erst begonnen hat, ist es noch etwas früh, bereits jetzt nur an den möglichen Kater danach zu denken, statt erst einmal den positiven Ausblick für 2018 zu genießen.