Talk-CheckAuf den Spuren des „Geisterstroms“

Deutschland ist der drittgrößte Produzent von erneuerbaren Energien aus Fotovoltaik und Wind. 2018 konnten laut BP 209,2 TWh generiert werden. Das entsprach einem Zuwachs von 6,6 Prozent. Im Mix aller erneuerbaren Energien führte 2018 laut Umweltbundesamt Wärme aus biogenen Brennstoffen und Gasen (Biomasse) mit 34 Prozent. Es folgten Windenergie (26 Prozent), Strom aus Biomasse (zwölf Prozent) sowie Solarenergie (elf Prozent).
Deutschland ist der drittgrößte Produzent von erneuerbaren Energien aus Fotovoltaik und Wind. 2018 konnten laut BP 209,2 TWh generiert werden. Das entsprach einem Zuwachs von 6,6 Prozent. Im Mix aller erneuerbaren Energien führte 2018 laut Umweltbundesamt Wärme aus biogenen Brennstoffen und Gasen (Biomasse) mit 34 Prozent. Es folgten Windenergie (26 Prozent), Strom aus Biomasse (zwölf Prozent) sowie Solarenergie (elf Prozent).Pixabay

FDP-Chef Christian Lindner hatte es nicht leicht, als er in der Talkshow von Anne Will rund um die Frage „Zwischen Konjunkturflaute und Klimaschutz – wie sicher ist Deutschlands Wohlstand?“ diskutierte. Zum einen, weil sich die Debatte relativ schnell nur noch um den Klimaschutz und Windenergie im Speziellen drehte, wie Lindner gegen Ende der Sendung kritisierte. Zum anderen, weil er für seine Ausführungen zur Windenergie gleich selbst gehörig Gegenwind bekam.

„Wir haben bei der Windkraft eine ganze Reihe von ungelösten Problemen“, bilanzierte Lindner. Eines davon sei, dass in Bundesländern wie Schleswig-Holstein „Geisterstrom“ in großem Umfang produziert werde. Da es an Stromleitungen aus dem Norden in den Süden fehle, würden jedes Jahr Millionen Euro Entschädigung an die Produzenten von Windenergie gezahlt, „ohne dass der Strom genutzt werden kann.“ Deutschland brauche daher ein Planungsbeschleunigungsgesetz, „weil uns gut 6000 Kilometer Stromleitungen fehlen“.

Das Phänomen „Geisterstrom“

Beim Publikum und den Mit-Diskutanten – darunter Grünen-Chefin Annalena Baerbock, CSU-Chef Markus Söder und DIW-Ökonomin Claudia Kemfert– sorgte Linders Wortwahl für Belustigung. Vor allem Kemfert reagierte prompt auf Lindners Ausführungen und setzte nach: „Geisterstrom? Das habe ich ja noch nie gehört“. Allerdings ist das Phänomen keineswegs unbekannt:

Erst im August gab die Bundesnetzagentur bekannt, dass im ersten Quartal 3300 Gigawattstunden Ökostrom wegen Überbelastung der Stromnetze nicht eingespeist wurde. Wegen besonders viel Wind hatten die Windparks in diesem Zeitraum rund ein Fünftel mehr Energie als noch im Vorjahresquartal produziert. Die Folge: Die Windräder mussten von den Netzbetreibern häufiger abgeregelt werden als in den Vorjahren und konnten keinen Strom einspeisen. Den Betreibern steht aber dennoch eine Entschädigung für die abgeregelte Strommenge zu – in diesem Falle schätzungsweise 364 Mio. Euro.

Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2018 konnten wegen Engpässen im Netz 5403 Gigawattstunden Ökostrom nicht eingespeist werden. Das entspricht in etwa 2,6 Prozent der Gesamtmenge an produziertem Ökostrom. Die entsprechenden Entschädigungsansprüche lagen mit 635,4 Mio. Euro deutlich über dem Wert von 2017 (rund 609,9 Mio. Euro).