GastbeitragKlimaschutz zahlt sich für Anleger aus

Händler an der Frankfurter Börse
Nachhaltig Investieren ist zum Trend an den Finanzmärkten geworden - auch an der Frankfurter BörseDeutsche Börse

Dürrekatastrophen, das Schmelzen von Gletschern, Überschwemmungen, Artensterben, eine stärkere Ausbreitung von Krankheitserregern – nach Einschätzungen vieler Experten sind die Auswirkungen des Klimawandels bereits spürbar. In Zukunft könnten sie noch gravierender sein. Wie Uno-Generalsekretär António Guterres im vergangenen Jahr bei der Eröffnung der Weltklimakonferenz in Kattowitz berichtete, fliehen heute schon mehr Menschen vor Naturkatastrophen und Klimaereignissen als vor Krieg und Gewalt. Die EU hat sich ausdrücklich zur Bekämpfung der Klimakrise bekannt. Bis 2030 wollen die Mitgliedsstaaten gemeinsam den Treibhausgasausstoß um mindestens 40 Prozent, verglichen mit 1990 reduzieren, bis 2050 um 80 bis 95 Prozent.

Die Bundesregierung hat darüber hinaus mit dem Klimaschutzplan 2050 eine langfristige Strategie beschlossen, die eine weitgehende Treibhausgasneutralität bis zur Mitte des Jahrhunderts zum Ziel hat. Als Beitrag zum globalen Klimaschutz und um die deutsche Wirtschaft zukunftsfähig zu gestalten, sollen in Deutschland alle Wirtschaftssektoren bis 2050 nahezu vollständig dekarbonisiert werden. Unternehmen sind also gefordert, sich zu modernisieren und klimafreundliche Technologien zu entwickeln.

Die Weichen sind gestellt

Die EU hat frühzeitig erkannt, dass die Kapitalmärkte ein wichtiger Hebel für die Umsetzung ihrer Klima- und Energieziele sind. Im vergangenen Jahr hat sie den „Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums im Rahmen der Kapitalmarktunion“ verabschiedet. Nach Angaben der EU-Kommission muss Europa dafür einen jährlichen Investitionsrückstand von fast 180 Mrd. Euro aufholen. Dazu braucht es neben staatlichen Mitteln auch das Kapital der institutionellen Investoren und privaten Anleger. Um diese für das Thema zu sensibilisieren, wird die Transparenz nachhaltiger Finanzprodukte, die in umweltfreundliche Technologien und soziale Projekte investieren, gefördert. Aktuell arbeitet die EU an einer Klassifizierung (Taxonomie), die Anlegern helfen soll, die nachhaltige Ausrichtung von Finanzprodukten richtig einzuordnen. Darüber hinaus werden Finanzberater künftig verpflichtet, das Thema Nachhaltigkeit in die Anlageberatung zu integrieren.

Die Weichen sind also gestellt. Investoren sollten bei ihrer Anlage ein Auge darauf haben, welche Unternehmen die Herausforderungen annehmen und bereit sind, sich für die Zukunft aufzustellen. Diejenigen Firmen, die das nicht tun, werden mit Nachteilen bei der Unternehmensbewertung und bei der Liquiditätsbeschaffung auf dem Kapitalmarkt rechnen müssen. Denn auch klassische Ratingagenturen wie Fitch, Moody’s und S&P sowie Finanzinstitute lassen ESG-Faktoren (Umwelt, Soziales, Unternehmensführung) immer stärker in ihre Bonitätsratings einfließen. Vor allem CO2-intensive Geschäftsmodelle spüren einen enormen politischen und gesellschaftlichen Druck. Viele institutionelle Investoren, darunter große Pensionskassen und Versicherungen, haben sich schon aus ihren Anlagen in Kohle-, Öl- und Gasunternehmen zurückgezogen, da sie zunehmend als „stranded assets“ (gestrandete Vermögenswerte“) und damit als Risikofaktor für das Depot gesehen werden.

Nachhaltigkeit geht nicht zu Lasten der Rendite

Privatanleger sind daher genauso wie institutionelle Investoren gut beraten, ihr Wertpapierdepot unter dem Klima- oder Nachhaltigkeitsaspekt neu auszurichten. Mittlerweile gibt es eine breite Auswahl an Fondslösungen, die zum Beispiel überwiegend in Aktien von Unternehmen investieren, die der globalen Erderwärmung entgegenwirken oder deren Folgen abmildern. Andere nehmen nur solche Wertpapiere in ihr Portfolio, die die ESG-Kriterien erfüllen. Bei der Strukturierung dieser Fonds zahlt sich eine langjährige Expertise, Sorgfalt, innovatives Denken und eine langfristige Ausrichtung auf dem Gebiet der nachhaltig ausgerichteten Investmentstrategien aus. Eine Orientierung auf der Suche nach Investmentfonds, die wirklich nachhaltig ausgerichtet sind, bietet zum Beispiel das Siegel des Forums für nachhaltige Geldanlagen in Deutschland, Österreich und der Schweiz (FNG), das ausgewählte Fonds auszeichnet.

Studien belegen, dass die Fokussierung auf den Klimaschutz oder andere nachhaltige Strategien nicht zu Lasten der Rendite gehen muss. Unter Risiko- und Reputationsaspekten können solche Fonds künftig sogar besser abschneiden. Das haben auch viele Anleger mittlerweile erkannt. 2018 ist das Volumen nachhaltiger Geldanlagen in Deutschland gegenüber dem Vorjahr um 28,2 Prozent auf insgesamt 219,1 Mrd. Euro gewachsen und hat damit ein neues Rekordniveau erreicht. Künftig dürften die zunehmende Transparenz in der Finanzberatung, vor allem aber der Druck von Politik und Gesellschaft dafür sorgen, dass die Nachfrage weiter steigen wird. Unternehmen werden nicht mehr drumherum kommen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Andernfalls ziehen Konsumenten, Politik und Kapitalmarktteilnehmern Konsequenzen. Investoren sollten ihr Portfolio entsprechend ausrichten.

 


Steffen Merker ist Leiter Nachhaltige Investments und Fondsmanager LBBW Nachhaltigkeit Aktien bei der LBBW Asset Management