AktienAttacke auf börsennotierte Mittelständler

Börsennotierte deutsche Mittelständler geraten immer häufiger ins Visier angelsächsischer Leerverkäufer, die auf fallende Kurse spekulieren. Das ist das Ergebnis einer Auswertung der Pflichtmitteilungen über Leerverkäufe im elektronischen Bundesanzeiger sowie der Daten des Dienstleisters Markit für Capital (Ausgabe 5/2016; EVT 21. April). Die Leerverkaufsattacke von rund einem Dutzend Hedgefonds auf die Aktien des Zahlungsdienstleisters Wirecard ist demnach kein Einzelfall: Auch beim Außenwerber Ströer, dem Maschinenbauer Kuka, dem Baukonzern Bilfinger und dem Salz- und Düngemittelkonzern K+S sind zahlreiche Hedgefonds engagiert, die auf fallende Kurse setzen. Auffällig dabei ist, dass die meisten Positionen erst ab Herbst vergangenen Jahres aufgebaut wurden und oft die gleichen Fonds dahinter stecken.

Capital 05/2016
Die neue Capital erscheint am 21. April

So sind allein auf der Basis der Pflichtmitteilungen derzeit rund 12,3 Prozent aller ausstehenden Wirecard-Aktien leer verkauft. Zu den größten Leerverkäufern zählen dabei die Hedgefonds Coatue Asset Management sowie Theleme Partners. Beide Hedgefonds setzen auch bei Ströer auf fallende Kurse. Insgesamt summieren sich die öffentlich bekannten Leerverkaufspositionen bei Ströer auf 4,5 Prozent. Die tatsächliche Quote liegt jedoch nochmals deutlich darüber, da die Positionen lediglich beim Überschreiten von Schwellenwerten veröffentlicht werden müssen.

Insgesamt sind nach Berechnungen des Datendienstleisters Markit bei Wirecard rund 24 Prozent und bei Ströer 15 Prozent der Aktien leer verkauft. Bei Ströer werden allerdings nur 45 Prozent aller Aktien frei gehandelt. Das heißt: Bei Wirecard ist jede vierte, bei Ströer sogar jede dritte überhaupt handelbare Aktie derzeit leer verkauft. Weitere beliebte Ziele von Leerverkäufern sind derzeit der Automatisierungskonzern Kuka, der Düngemittelkonzern K+S, der Baukonzern Bilfinger, der Automobilzulieferer ElringKlinger sowie Südzucker.

Experten sehen laut Capital deutsche Mittelständler als ideales Spielfeld für Hedgefonds, die auf fallende Kurse setzen: Einerseits sind die Kurse mittelgroßer deutscher Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren mehr als doppelt so stark gestiegen wie die der Dax-Unternehmen. Die Exportabhängigkeit ist meist hoch, die Bewertungen nach den deutlichen Kursanstiegen in den letzten sieben Jahren oft ambitioniert und viele Halter daher nervös mit dem Blick auf Korrekturen. Der US-Hedgefonds Muddy Waters etwa erklärte im Dezember 2015 in einem Interview: „Europäische Konzerne sind reif für Leerverkäufe aufgrund ihrer Verschuldung und einem Mangel an Kontrolle durch Investoren.“

Hier können Sie sich ab dem 21. April die iPad-Ausgabe herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten.