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Schnäppchenpreis „Global Dream“: 40 Mio. Euro für das größte Kreuzfahrtschiff der Welt

Der Unterhaltungskonzern Disney kauft die „Global Dream“. Tief muss er dafür nicht in die Tasche greifen
Der Unterhaltungskonzern Disney kauft die „Global Dream“. Tief muss er dafür nicht in die Tasche greifen
© Jens Büttner / picture alliance/dpa
Das Kreuzfahrtschiff „Global Dream“ geht zum Discount-Preis an den Disney-Konzern. Er war der einzige Interessent für das Riesenschiff aus Wismar. Für den Steuerzahler wird es dagegen teuer

Der Disney-Konzern hat das in Wismar gebaute Kreuzfahrtschiff „Global Dream“ zum Discount-Preis bekommen. Nach Informationen von Capital und Stern aus Finanzkreisen übernimmt Disney das zu drei Vierteln fertiggebaute Riesenschiff (das auch unter dem Namen „Global One“ bekannt ist) für nur 40 Mio. Euro. Ursprünglich war das Schiff nach dem geplanten Fertigbau in der Werft an der Ostsee auf einen Preis von 1,8 Mrd. Euro taxiert worden.

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Anfang des Jahres war zunächst der Schiffbauer MV Werften mit Standorten in Wismar, Rostock und Stralsund in die Insolvenz gerutscht, dann auch der MV-Werften-Eigner und Besteller des Riesenschiffs die Hongkonger Dependance der malaysischen Genting-Gruppe mit ihrer Kreuzfahrtreederei Dream Cruises. Seitdem war die Zukunft der „Global Dream“ ungewiss. Insolvenzverwalter Christoph Morgen gelang es zwar, die Wismarer Werft an den Kieler U-Bootbauer ThyssenKrupp MarineSystems (TKMS) zu verkaufen. Aber für das Schiff selbst, das nach wie vor in der Wismarer Schiffbauhalle liegt, gab es zunächst keine Perspektive.

Verhandlungen mit der schwedischen Stena-Gruppe, die zunächst Kaufbereitschaft angemeldet hatte, scheiterten. Auch aus einem vage geäußerten Interesse des malaysischen Genting-Eigners Tan Sri Lim Kok Thay wurde nichts. Schließlich blieb Disney als einziger Interessent. Daher war der Verhandlungsspielraum von Insolvenzverwalter Morgen klein. „Disney hat den höchsten Kaufpreis geboten“, sagte er zu Capital. „Es ist der Preis dafür, dass sie dieses unternehmerische Risiko eingegangen sind.“

Disney werde das Schiff ohne Gewährleistungsansprüche übernehmen und es auf eigenes Risiko und auf eigene Kosten fertig- und umbauen. Der US-Entertainmentkonzern, der eine große Kreuzfahrtsparte unterhält, meldete selbst – im Geschäftsverkehr eher unüblich – dass er das Schiff „für einen günstigen Preis“ bekommen habe. Es soll nun in Wismar für Disneys Bedürfnisse umgebaut werden, bevor die TKMS die Wismarer Werft Anfang 2025 übernimmt. Der Fertigbau soll unter der Regie der Papenburger Meyer-Werft stattfinden, die die Wismarer Werft vorübergehend übernimmt. Disney dürfte für den Umbau noch einmal knapp 1 Mrd. Euro investieren.

Mit dem günstigen Verkauf rückt auch ein Ausfall der Bürgschaften näher, die Bund und Land Mecklenburg-Vorpommern für den Bau des Schiffes gegeben hatten. Genting hatte für den Schiffbau Kredite über 650 Mio. Euro bei einem Konsortium aus 16 Banken aufgenommen. Die Rückzahlung dieser Kredite war zu einem großen Teil durch Bürgschaften von Bund und Land abgesichert.

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