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Die Stunde Null „Die Sanktionen gegen Russland wirken – aber indirekt“

Maschinenbaufabrik bei Sankt Petersburg: Industrie hat „gigantische Probleme“
Maschinenbaufabrik bei Sankt Petersburg: Industrie hat „gigantische Probleme“
© IMAGO / SNA
Haben die Wirtschaftssanktionen gegen Russland einen Effekt oder schaden sich Deutschland und die die EU damit vor allem selbst? Der Ökonom und Osteuropaexperte Janis Kluge gibt eine klare Antwort: „Für Russland gibt es keinen Silberstreif am Horizont.“

Es ist eine Frage, die Deutschland derzeit so stark bewegt wie kaum eine andere: Helfen die Wirtschaftssanktionen der EU und der USA dabei, Russland zu schwächen und damit auch seine Fähigkeit zur Kriegsführung zu begrenzen? Janis Kluge, Russland-Experte der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik, ist überzeugt, dass das Land leidet – und dass sich das mittelfristig auch auf die Politik auswirken kann. „Die Sanktionen gegen Russland wirken indirekt“, sagt Kluge im Capital-Podcast „Die Stunde Null“. Das Land befinde sich „in einer tiefen wirtschaftlichen Krise“, weshalb es sowohl in den Eliten als auch in der Bevölkerung weniger zu verteilen gebe. „Die Sanktionen verschärfen die Zielkonflikte in Russland“, sagte er. „Die Bevölkerung kann nicht auf Dauer bei Laune gehalten werden.“

Aus Kluges Sicht haben vor allem die Beschränkungen für die russischen Importe von technischen Bauteilen für Schwierigkeiten gesorgt. Die Produktion von Elektronikgeräten, Autos oder auch die Fertigung für die russische Eisenbahn sei massiv eingebrochen. „Diese Industrien haben gigantische Probleme, weil es ihnen an Teilen mangelt“, sagte der Wissenschaftler. „Es gibt viele Bereiche der russischen Wirtschaft, bei denen man sagen kann, dass sie keine Zukunft haben werden.“ Der Staat hält nach seiner Beobachtung die Betrieb mit Subventionen über Wasser, indem ganze Belegschaften mit gekürzten Gehältern in Betriebsferien geschickt werden. Das allerdings werde auf Dauer immer schwerer zu finanzieren sein. „Für Russland gibt es keinen Silberstreif am Horizont“, sagt er. „Es ist als Wirtschaftsraum toxisch geworden.“

Die deutsche Volkswirtschaft hingegen wird nach Ansicht Kluges ihre Probleme durch stark gestiegene Energiepreise mittelfristig überwinden. „Wir haben in Deutschland eine klar begrenzte Krisensituation“, sagte er. „Sie ist nicht harmlos, aber sie ist eben begrenzt.“ Für das Land gehe es vor allem darum, alternative Quellen für das ausbleibende Erdgas zu finden, was für eine Übergangszeit höhere Kosten mit sich bringe. „Die Prognosen für Deutschland sind überhaupt nicht vergleichbar mit dem, was Russland gerade durchläuft, wenn man sich die Tiefe der Rezession anschaut“, sagte er. „Russland wird permanent auf ein niedrigeres Wohlstandsniveau fallen.“

Hören Sie in der neuen Folge von „Die Stunde Null“,

  • mit welchen Tricks es Putin bisher gelungen ist, die Arbeitslosigkeit niedrig zu halten
  • warum in der russischen Finanzpolitik Hardliner das Sagen haben
  • wie die EU die russischen Öleinnahmen begrenzen will

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