Genuss„Wir konnten bis jetzt trotz Krise profitabel wirtschaften“

Maximilian Riedel, CEO der Glasdynastie RiedelRiedel

Es sind schwierige Wochen und Monate für die weltweite Gastronomie und damit auch für die sie beliefernden Branchen. Dennoch klingt Maximilian J. Riedel, der die berühmte Glasdynastie in elfter Generation führt, im Interview alles andere als niedergeschlagen. Trotz eines US-Marktes am Abgrund. Ablenkung von der Pandemie findet er im gut sortierten Weinkeller der Familie.

Herr Riedel, die Corona-Krise hat der Gastronomie stark zugesetzt, Experten befürchten eine Pleitewelle der Restaurants in den nächsten Monaten. Wie sehr ist Riedel davon in Mitleidenschaft gezogen worden?

Innerhalb der letzten fünf Jahre hat sich auch die Marke Riedel auf die boomende Gastronomie fokussiert. Im Jahr 2019 ist der Gastronomie-Umsatz innerhalb des Konzerns auf über 35 Prozent Anteil gewachsen. Leider kann ich den derzeitigen [Abwärts-]Trend in der Gastronomie nur bestätigen. Andererseits ist in der Corona-Krise dafür unser Umsatz im Handel zweistellig gewachsen. Wir werden also, falls uns keine zweite Welle trifft, in vielen Märkten ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen.

Gab es in der Zeit des Lockdowns Produkte, die plötzlich mehr im Fokus standen bei den (Privat-)Kunden als sonst üblich?

Unser Endkunden-Geschäft im Onlineshop und in Outlets ist in der Krise generell gewachsen. Wir konnten im eigenen E-Commerce bis dato einen Zuwachs von über 50 Prozent verbuchen. Dabei gab es aber kein spezifisches Produkt oder einen besonderen Preispunkt, der als Krisen-Besteller bezeichnet werden könnte. Die Tatsache, dass mehr Zeit zu Hause verbracht wurde und auch immer noch wird, hat unseren Absatz quer durchs Portfolio gesteigert. Das gilt im übrigen auch für die Marke Nachtmann, die seit 2004 zur Riedel-Gruppe gehört.

Wie hat diese Ausnahmesituation Ihre Firmenstrategie geprägt beziehungsweise verändert?

Die Strategie hat sich nicht grundlegend verändert. Unser Ziel ist weiterhin, das Familienunternehmen gesund und erfolgreich in die Zukunft zu führen. Diese Pandemie hat nur die Maßnahmen dafür etwas differenziert. Das Wichtigste für uns war, alle Mitarbeiter behalten zu können. Kurzarbeit und Homeoffice haben das ermöglicht. Wir werden in Zukunft daran arbeiten, noch nachhaltiger zu produzieren und gemeinsam mit unseren Mitarbeitern zu wachsen. Corona ist ja ein globales Problem, das uns als weltweit agierende Marke dementsprechend umfassend betrifft. Durch unsere internationale Präsenz konnten wir aber gewisse Dynamiken und Unterschiede in den Märkten früh erkennen und darauf schnell und flexibel reagieren. Es ist es uns dadurch bis dato gelungen, profitabel zu wirtschaften. Auch wenn die Situation in den USA eine besonders schwierige ist: In unserem größten Absatzmarkt ist die Gastronomie bzw. unser Umsatz um fast 70 Prozent eingebrochen.

Können Sie sich an den ersten gemeinsamen Abend mit Freunden und der Familie nach der strikten Kontaktsperre erinnern?

Wir haben uns als Familie und auch als Unternehmen sehr an die vorgegebenen Regeln gehalten. Das große Familienfest steht also noch aus. Aber es braucht kein großes Fest, um gute Weine zu genießen. Guter Wein bereichert das Leben immer, allein oder in guter Gesellschaft.

Welcher Wein hat Sie in den besonders schwierigen Stunden der Coronakrise abgelenkt und aufgemuntert?

Ich habe den großen Vorteil, dass meine Familie seit Generationen Wein sammelt. Somit ist Wein für mich auch mehr als ein Getränk. Das Schöne an Wein ist seine Vielfalt. Für mich gibt es nicht den einen Wein, die Auswahl ist abhängig von der Situation, der Tageszeit und dem Umfeld, in dem und mit dem ich ihn genieße. Schon die Auswahl zuvor ist der erste Schritt zum perfekten Genuss. Ich liebe alte Weine, bei denen man immer auf Überraschungen gefasst sein muss. Man weiß nie, wie ein lange gereifter Tropfen sich entwickelt hat, und das finde ich spannend. Neben Wein trinke ich auch immer wieder gerne ein Glas Gin Tonic.

Daheim zu kochen, für sich und andere, liegt zunehmend im Trend. Mit welchen neuen Produkten werden Sie auf diese veränderte Kundenverhalten reagieren?

Im kommenden Jahr feiert unser Familienunternehmen sein 265-jähriges Jubiläum. Das motiviert mein Team und mich natürlich besonders, an neuen Produkten zu arbeiten. Seit der Vorstellung unserer Neuheiten 2020 im Februar sind wir damit vollauf beschäftigt. Es werden aber aufgrund der aktuellen Situation etwas weniger neue Produkte für 2021 werden, weil wir durch die Verzögerungen in vielen stark betroffenen Märkten noch das aktuelle Sortiment einführen und abverkaufen müssen.

Last not least, Ihr liebster Trinkspruch, um auf bessere Zeiten anzustoßen.

Derzeit steht natürlich für viele Menschen der Wunsch im Mittelpunkt, gesund zu bleiben. Ich würde daher als Toast wählen: „Auf das Leben, die Familie und die Gesundheit!“

 


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