UhrenMido-Jubiläum: „Unsere Uhren sind unsere Botschafter“

Mido-Präsident Franz Linder über die Uhrenmarke, die nun 100 Jahre alt wird
Mido-Präsident Franz Linder über die Uhrenmarke, die nun 100 Jahre alt wird

Der Markenname Mido geht ja auf das spanische „Yo mido“ zurück, auf Deutsch „Ich messe“. Und messen kann man mit den Uhren von Mido die Zeit, ziemlich genau, ziemlich schön. Mit der kleinsten Uhr vom Fließband zum Beispiel oder mit dem ersten Modell mit zweiter Zeitzone. Der gebürtige Schwede Franz Linder ist seit 2002 Präsident der Uhrenmarke Mido. Die feiert in diesem jähr Jubiläum: 100 Jahre alt wird die Marke, die zur Swatch Group gehört.

Capital: In der Uhrenbranche sind Geburtstage von Marken und Modellen ja nicht ungewöhnlich. Wie bei Menschen genügt ein Blick, um zu sehen, wie gut der Jubilar sich gehalten hat. Wie wirkt das „Geburtstagskind“ auf Sie?

Franz Linder: Ich denke, der Gründer der Marke, der Schweizer Uhrmacher Georges Schaeren, wäre stolz auf sein Baby. Die Werte, die ihm damals wichtig waren – Innovation, Qualität sowie Funktionalität in zeitlosem Design – stehen noch heute für Mido ganz oben auf der Liste der Prioritäten.

Wie schafft man es als Unternehmen, eine Marke bis in so ein stolzes Alter von 100 Jahren begehrlich zu halten – und zwar gleichermaßen für Stammkunden wie für neue Fans?

Für den langjährigen Erfolg einer Marke sind in meinen Augen sowohl Kontinuität wie Authentizität von entscheidender Bedeutung. Der Kunde kauft mit einer Uhr ein Stück weit deren Image mit und muss sich auf das damit verbundene Markenversprechen einfach verlassen können. Das bedeutet für uns, dass wir die eben erwähnten Werte und unseren Ruf in der Welt pflegen und attraktive Produkte bieten müssen. Auch der Service nach dem Kauf ist sehr wichtig.

Das Ziel für das Jubiläumsjahr: „best year ever“

Der Name Mido geht auf den spanischen Ausspruch „Yo mido“ zurück, auf Deutsch „Ich messe“. Wie steht Mido aktuell da?

2017 war für uns ein gutes Jahr, insbesondere das zweite Halbjahr. Diese Dynamik hält bis jetzt an und wir sind zuversichtlich, unser gestecktes Ziel für das Jubiläumsjahr erreichen zu können: „best year ever“!

Ein Meilenstein waren die „Kühlergrille-Modelle“, die Mido in den Roaring Twenties für Firmen wie Bugatti, Fiat, Excelsior oder Ford fertigte. Würde Sie eine erneute Annäherung ans Automobil reizen?

Autos und die Formel 1 sind durch ihre Emotionalität zweifelsohne attraktive Bereiche, und die von Ihnen genannten Modelle von früher wirklich legendär. Die zeitlose Optik und dauerhafte Qualität unserer Uhren decken sich jedoch auch wunderbar mit den Prinzipien herausragender Architektur, weshalb wir uns in dieser Welt gerade besonders wohl fühlen.

Zuletzt gab es eine Zusammenarbeit mit dem Guggenheim-Museum in New York. Welches Lieblingsbauwerk würden Sie persönlich gern als Basis einer Mido sehen?

Da gibt es schlicht zu viele, deshalb lasse ich mich lieber durch die Wünsche unserer Fans beeinflussen – und sie diese Entscheidung treffen.

„Smartwatches betrachte ich persönlich als elektronische Konsumgüter mit eher kurzer Lebensdauer“

Franz Linder

Kleinste Uhr vom Fließband, innovative Kronendichtung, erstes Modell mit zweiter Zeitzone auf Knopfdruck: Woran arbeiten Ihre Uhrmacher und Ingenieure derzeit?

Mido Baroncelli 2118 Limited Edition
Mido Baroncelli 2118 Limited Edition (Preis: 970 Euro)

Wir haben uns auf mechanische Uhren spezialisiert: Vergessen wir daher nicht unsere jüngsten Innovationen, zum Beispiel den ersten COSC-zertifizierten Chronometer mit Silizium-Spiralfeder und einer Gangreserve von bis zu 80 Stunden, zu sehen in der „Baroncelli“-Linie. Auf die neue „Commander Big Date“ mit großer Datumsanzeige sind wir ebenso stolz. Alles Materialien bzw. Funktionen, die man im Segment der Luxusuhren vermutet, nicht aber zu einem demokratischen Preis von circa 1000 Euro wie bei Mido.

Mehr und mehr Roboter übernehmen Aufgaben, für die uns Zeit oder Lust fehlen. Mido warb einst mit „Robi“, einem Botschafter aus Bytes und Metall. Wann kommt eine Mido-Smartwatch?

Unser Haus steht für hochwertige, langlebige, mechanische Uhren. Smartwatches betrachte ich persönlich als elektronische Konsumgüter mit eher kurzer Lebensdauer. Und das passt nicht zu Mido.

Mit dem Markenbotschafter Björn Borg verpflichtete Mido einst eine echte Sportikone der 1980er. Denken Sie über Testimonials aus dem Sport oder dem Showbusiness nach?

In der Tat war Mido ein Pionier in Sachen Markenbotschafter, doch heute steht bei uns klar das Produkt im Vordergrund. Unsere Uhren sind unsere Testimonials.

Millenials, Influencer, Instastories: Wie wollen Sie Mido in diesem neueren (Inter-)Netz der Möglichkeiten positionieren?

Internetz der Möglichkeiten, das ist eine tolle Definition. Und in der Tat sind wir ständig dabei, für diese Kanäle neue Inhalte zu kreieren, um mit Kunden, die sich dort aufhalten, zu kommunizieren. Ich sage bewusst „kommunizieren“ und nicht werben, denn gerade die direkte Interaktion wollen wir gezielt nutzen, nicht bloß Marketingbotschaften vor uns herschieben. Spannend ist vor allem, dass man das eigene Bild von Mido mit der Wahrnehmung der Konsumenten vergleichen kann.