Zeitfragen„Ich mag alle Uhren - aus der Schweiz“

Stéphane Waser
Stéphane Waser


Stéphane Waser, CEO von Maurice Lacroix, startete nach dem Studium in Lausanne bei TAG Heuer, wechselte in die Tabakindustrie und dann zu Novartis. Er ist seit 2008 bei Maurice Lacroix.


Capital: Wofür würden Sie sich gerne mehr Zeit nehmen?

Stéphane Waser: Einfach die Zeit bewusst zu genießen, die uns zur Verfügung steht, ist Geschenk genug. Mehr zu wollen, das klingt für mich eher nach Vorwärts-Flucht statt Leben im Jetzt.

Was bedeutet für Sie Entschleunigung?

Das sind die letzten zehn Tage im Dezember, wenn unsere Uhrenmanufaktur geschlossen bleibt. Das ist der perfekte Moment, um auf die Zahlen dieses sehr intensiven vergangenen Geschäftsjahres zu blicken – und ein paar Tage frei zu nehmen.

In der Hektik des Alltags vergisst man viel zu oft…

… genug Wasser zu trinken und Obst zu essen. Dabei tragen gesunde Ernährungsgewohnheiten maßgeblich zur Performance im Job bei.

Wenn Sie eine Zeitreise machen könnten, in welches Jahr würden Sie reisen – und warum?

Ins Antike Griechenland oder ins Alte Rom. Beide Zivilisationen waren nicht nur für die damalige Zeit ungemein innovativ, sie brachten der Menschheit enorme Fortschritte, von denen wir teils bis heute zehren.

Wie sieht für Sie die Uhr der Zukunft im Jahr 2100 aus?

Sie wird sich in der gleichen Weise entwickelt haben, wie heutige Modelle im Vergleich mit Stücken von 1917.

Wofür schlägt ihr Herz: Handaufzug, Automatik, Quartz, Digital oder Smart?

Ich mag alle, so lange sie in der Schweiz gefertigt wurden. Denn das ist ein Garant für Qualität und große Handwerkskunst, wie sie unsere Industrie bis heute hervorbringt.

Welchen Tag und/oder welche Uhrzeit werden Sie nie vergessen?

Den 1. September 2017, um 13.53 Uhr. Da wurde mein Sohn geboren.

Welche Komplikation, welches Feature würden Sie gern einmal in eine Uhr integriert sehen?

Mechanische Zeiger für Minuten und Stunden, die auf Knopfdruck Chronographen-Funktionen (z.B. Stoppuhr) übernehmen können – und wieder zurück. Mit Quarzwerken hat man das schon vollbracht, aber noch nie mit einem Automatikwerk.

Ihr liebstes Buch mit Uhren-Bezug (egal ob Sachbuch oder Belletristik)

„Das Foucaultsche Pendel“ von Umberto Eco, eine atemberaubende Geschichte zur Zeit der Geheimbünde und Orden.

Ihr liebster Film, bei dem es um Zeit oder Uhren geht?

„Inception“ von Christopher Nolan mit Leonardo DiCaprio.

Die größte Herausforderung …
… für einen Uhrmachermeister heute?

Er muss für sein Handwerk werben und es bewahren, damit es auch zukünftig respektiert wird. Als Kern unseres Business!

… für die Uhrenbranche insgesamt?

Nachhaltiges, gesundes Wachstum.

… in Ihrem derzeitigen Job?

Dem Branchentrend zu widerstehen – und besser abzuschneiden. Dafür haben wir in den letzten Jahren enorm viel Energie und Ressourcen bei Maurice Lacroix investiert, uns klar positioniert und das Produktportfolio überarbeitet. Wir sind bereit für diese Herausforderung und wollen unseren Kunden noch mehr über uns erzählen.