Zeitfragen„Ich liebe die zeitlose Eleganz klassischer Uhren“

Carlos Rosillo
Carlos Rosillo


Carlos Rosillo ist CEO und Mitgründer der französischen Luxusuhrenmarke Bell & Ross. Berühmt ist die Modellreihe BR 01, eine Nachbildung einer Flugzeuguhr


Capital: Wofür würden Sie sich gerne mehr Zeit nehmen?

Carlos Rosillo: Den gegenwärtigen Moment zu genießen und mehr Zeit mit meinen Freunden und Familie zu verbringen. Das ist für mich der Gipfel des Luxus.

Was bedeutet für Sie Entschleunigung?

Ich war schon immer ein leidenschaftlicher Koch. Es geht dabei vor allem darum, mit den Menschen zu teilen, die man liebt. Für mich ist das am Wochenende ziemlich entspannend und gibt mir neue Energie.

In der Hektik des Alltags vergisst man viel zu oft …

Wir alle haben vergessen, dass wir sterblich sind – „Memento Mori“ – ist eins meiner Lieblingsmaximen. Wir dürfen nicht vergessen, im Moment zu leben, die Fülle des Lebens bereitwillig anzunehmen und Spaß dabei zu haben.

Wenn Sie eine Zeitreise machen könnten, in welches Jahr würden Sie reisen – und warum?

Ins Jahr 1992, den Beginn unseres großen Unterfangens, als ich Bell & Ross zusammen mit meinem Geschäftspartner Bruno Belamich gründete.

Wie sieht für Sie die Uhr der Zukunft im Jahr 2100 aus?

Ich stelle mir vor, dass sich jemand der Herausforderung stellen wird, die Konvention von zwölf Stunden auf einem Ziffernblatt zu revolutionieren. Ich frage mich immer, wer bestimmt hat, ein Ziffernblatt auf diese Weise zu gestalten!

BR 01-92
BR 01-92

Wofür schlägt ihr Herz: Handaufzug, Automatik, Quartz, Digital oder Smart?

Ich liebe die zeitlose Eleganz klassischer Uhren, die an jedes Handgelenk passen. Eine automatische Uhr mit einer Chronographenfunktion ist dabei mein Favorit, da sie einem den Eindruck vermittelt, die Zeit zu beherrschen.

Welchen Tag und/oder welche Uhrzeit werden Sie nie vergessen?

Sir Helmut Sinns Besuch in Paris anlässlich seines 100. Geburtstags ist ein unvergesslicher Moment, er ist eine Inspiration für uns, und natürlich die Erinnerung an den Prototyp unserer ersten Bell & Ross Uhr. Unser Traum wurde Realität!

Welche Komplikation, welches Feature würden Sie gerne einmal in einer Uhr integriert sehen?

Die Zeit anzuhalten – eine Traumkomplikation, die noch nicht erfunden wurde!

Ihr liebstes Buch mit Uhren-Bezug (egal ob Sachbuch oder Belletristik)

Dava Sobels „Längengrad“ ist ein Buch, das sich mit dem Leben von John Harrison beschäftigt. Er hat uns mit seinem Marinechronometer inspiriert. Diese Zeitmesser, die für den Gebrauch an Bord bestimmt sind, wurden im 17. Jahrhundert entwickelt, um die Schiffe zu dieser Zeit über die Meere zu navigieren. 2016 haben wir die Kollektion „Instrument de Marine“ ins Leben gerufen, die an die Schiffsuhren, die aus Holzkisten gemacht wurden, erinnert und somit eine zeitgemäße Neuinterpretation der Schiffsuhr bietet.

Ihr liebster Film, bei dem es um Zeit oder Uhren geht?

Der Film „Begierde“ von Tony Scott oder die Angst vor dem Vergehen der Zeit. In diesem Horrorfilm ist es furchtbar anzusehen, wie die Protagonisten nach Unsterblichkeit streben. Das ist das genaue Gegenteil meiner eigenen Art zu denken. Ich stimme voll und ganz dem Motto „Carpe diem“ zu.

Die größte Herausforderung … für einen Uhrmachermeister heute?

Aufgrund der Digitalisierung ist es unser Ziel, das perfekte Gleichgewicht zwischen Technik und Emotion zu finden. Wir gehörten zu den ersten Uhrenmarken, die einen Online-Auftritt hatten, ein soziales Netzwerk entwickelten und eine E-Boutique gründeten.

… für die Uhrenbranche insgesamt?

Ich denke, die größte Herausforderung besteht darin, eine Uhrenmarke von der Konkurrenz abzuheben und gleichzeitig ihre DNA durch eine klare Markenvision zu erhalten. Bell & Ross hat immer nach Neuerungen gestrebt, dabei aber gleichzeitig die Gründungsvision im Blick behalten. Wir verfügen über eine einzigartige Expertise im Uhrenmachen, dank des Einsatzes von Profis, die stets auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen sind.

… in Ihrem derzeitigen Job?

Uns stetig zu erneuern und neue Gebiete zu erforschen, ohne die Grundsätze unserer Marke aus dem Blick zu verlieren. Unser Know-how auf neue Felder auszuweiten ist für uns eine sehr inspirierende Aufgabe. Ich bin immer mit den sozialen Medien verbunden, um Feedback von unserer Kundschaft zu bekommen und neue Trends der jüngeren Generation zu verfolgen.