Stilfragen„Ein Maßanzug ist die beste Business-Rüstung“

Olie Arnold
Olie Arnold ist Style Director des Online-Modehändlers Mr Porter

Capital: Wie sieht für Sie moderne Businessmode aus?

Olie Arnold: Für die meisten Männer ist ein maßgeschneiderter Anzug die beste Business-Rüstung. Wobei es da eine Vielzahl von Möglichkeiten für unterschiedliche Anforderungen im Job gibt. Das kaum oder gar nicht gefütterte, „unkonstruierte“ Sakko, das früher dem Casual Friday vorbehalten war, ist beispielsweise längst zum Alltagsstück geworden. Gleiches gilt für einen annähernd faltenfreien „Travel Blazer“, die cleverste Art mit wenig Gepäck zu reisen. Sollte Ihre Firma einen etwas formelleren Dresscode verlangen, dann gibt es dafür herrliche Stoffe wie Donegal-Tweed oder im „Prince of Wales“-Muster, die einen körpernah geschnittenen Anzug zum Highlight machen. Doch egal ob Sie einen modernen Anzug von Gucci oder Thom Browne bevorzugen, oder bei ebenso zeitgemäßen Klassikern von Ermenegildo Zegna oder Canali bleiben – der perfekte Sitz, vor allem um die Schultern, ist entscheidend!

Was sind Dos and Don’ts im Büro – ganz gleich ob an der Rezeption oder auf der Vorstandsetage?

Angestoßene oder schmutzige Schuhe, schließlich sollte man ein Outfit von unten nach oben „bauen“. Leider auch oft zu sehen: die Unterschlagnaht von Markenetiketten auf Sakkos. Last not least, lassen Sie einen Schneider Ihres Vertrauens alle notwendigen Änderungen durchführen, bevor Sie ein neues Stück tragen.

Was sind die wichtigsten neuen Trends der kommenden Saison für Businessmänner?

Braun ist definitiv ein großer Saisontrend, und ein Farbspektrum, das vor allem bei Anzügen ein modernes Update erhalten hat. Entgegen früherer Stilregeln kann man Braun übrigens sehr wohl in weiter geschnittenen Anzügen und etwas kastigeren Sakkos mit betonter Schulter tragen, wie Richard Gere damals in „American Gigolo“. Gute Adressen für solche Designs sind Boglioli und Thom Sweeney.

Welche Klassiker sollte jeder Mann in seinem Kleiderschrank haben?

Ein hochwertiges Paar Derbys, vielleicht von O’Keeffe oder Church’s – eine exzellente Basis für ein Outfit mit Klasse.

Welches Modestück verdient Ihrer Meinung nach ein Revival?

Der Rollkragenpullover. Er begleitet uns mindestens seit dem 15. Jahrhundert und hat seine Wurzeln in vielerlei Garderobestilen, vor allem den praktisch orientierten. Manche Männer sind beim „turtleneck“ unnötig zögerlich, dabei ist er bloß eine erwachsenere Spielart des Pullovers. Das Beste: Er passt zu jeder Jahreszeit, ist vielseitig zu kombinieren und jeder findet einen, der ihm steht. Ob rustikaler Strick zu Stiefeln, aus Baumwolljersey zur Jeans oder in einer Kaschmirvariante unterm Sakko.

Wer ist und bleibt für Sie ein modisches Vorbild, wer verdient Ihr Prädikat „Stilikone“?

Mein Vater. Er hat mich schon immer inspiriert und tut das auch mit über 70 weiterhin.

Welche modische Anschaffung war Ihr bester Kauf?

Ich habe ein Vintage-Jeanssakko von Helmut Lang aus der letzten Kollektion des Designers, also von 2005. Es sitzt ein wenig knapp, aber ich kann es immer noch tragen.

Jenseits des Dresscode: In welchem Outfit gehen Sie am Samstag zum Bäcker?

Irgendetwas, was bequem und lässig ist. Ein Paar verwaschene Gucci-Jeans, ein ungebügeltes kariertes Hemd von Remi Relief und eine Jacke von Visvim mit vielen Taschen. Das spart die Einkaufstüte.

Ihre größte Stilsünde war …?

Keine. Man sollte niemals bereuen, etwas Neues auszuprobieren.

Wie kaufen Sie Mode: in der Boutique, im Kaufhaus oder online?

In meinem Job gehört Onlineshopping quasi dazu, aber ich kann trotzdem an keinem gut sortierten Vintage-Laden vorbeigehen, ohne kurz nach einem individuellen Teil von gestern zu suchen.

Kurz & knapp:
Krawatte oder Fliege? Krawatte, vor allem eine gestrickte.

Rasur: trocken oder nass? Nass, da bin ich ganz altmodisch.

Anzug: Doppel- oder Einreiher? Einreiher, weil er meiner Körperform besser steht.

Kaschmirmantel oder Outdoorjacke? Jeder Mann sollte beides im Schrank hängen haben.