Mode„Das Soziotop unserer Innenstädte ist in Gefahr“

Dieter Holzer, CEO der Marc O'Polo AGPR

Das Coronavirus hat die Modebranche und den stationären Einzelhandel jäh ausgebremst. Statt frischer Sommerkollektionen in fröhlichen Farben prangen „Wegen Corona geschlossen“-Schilder in den Schaufenstern der Geschäfte und Boutiquen, allenfalls in Onlineshops wird noch etwas Ware abgesetzt, doch auch im Netz hält sich die Kauflaune aktuell in Grenzen. Und das dürfte sich auf absehbare Zeit kaum ändern, auch nach einem Neustart des öffentlichen Lebens nicht. Das legt zumindest das Update einer Studie von McKinsey und dem Fachmedium Business of Fashion nahe. Ihr Fazit: Zwei Monate Zwangsruhe könnten bis zu 80 Prozent der Textilunternehmen in Europa und den USA in ernste finanzielle Nöte bringen. Auch weil die Online-Verkäufe ebenfalls um bis zu 20 Prozent nachgelassen haben, das Minus im Einzelhandel also kaum auffangen können, und 38 Prozent der Verbraucher ihre Haushaltsausgaben – darunter eben auch Geld für Bekleidung – kürzen wollen.

Capital befragt dazu in loser Folge Modeunternehmen aus Deutschland, wie es Ihnen aktuell ergeht, was sie von der Politik fordern und wie sie in die Zukunft ihrer Branche blicken. Diesmal lässt sich Dieter Holzer ein wenig in die Karten schauen, er ist CEO der Modemarke Marc O’Polo, die 1967 von zwei Schweden und einem Amerikaner gegründet wurde und heute in Stephanskirchen zu Hause ist.

Ab welchem Tag hörte das Jahr 2020 auf, „normal“ zu verlaufen, nach Plan?

Das war schon zu Beginn des Jahres, als aus China die Nachricht des Covid-19-Ausbruchs kam. China ist für uns ein sehr wichtiger Markt, viele unserer langjährigen Produktionspartner sowie Lieferanten sitzen dort und wir sind in dem Land auch mit unserer Mode vertreten.

Was war Ihre erste Maßnahme, um das Schlimmste zu verhindern?

Durch die Entwicklungen in China und unseren bisherigen Erfahrungen im Umgang mit Herausforderungen waren wir gut vorbereitet. Im ersten Schritt habe ich mich mit meinem Team besprochen, um schnell agieren zu können.

Wie stark ist Ihr Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eingebrochen?

Der Gesamtumsatz ist natürlich erheblich zurückgegangen. Allerdings läuft unser Online-Geschäft sehr gut, damit sind wir zufrieden.

Ab wann rechnen Sie mit einer deutlichen Erholung?

Das hängt von der weiteren Entwicklung der Pandemie ab, die muss weitestgehend eingedämmt und die Ansteckungsgefahr deutlich reduziert sein. Und natürlich ist es wichtig, dass alle unsere Handelspartner ihre Ladenlokale wiedereröffnen können. Mit den erforderlichen Schutzmaßnahmen, aber unabhängig von der Größe.

Was fordern Sie aktuell und zukünftig von der Politik?

Wir brauchen schnelle wirksame Hilfen aus der Politik, damit der mittelständische Modefacheinzelhandel überlebensfähig bleiben kann. Der Modefachhandel braucht echte Zuwendungen – nur Kredite helfen nicht, diese blockieren die Investitionen der Zukunft. Zusammen mit weiteren Unternehmen unserer Branche haben wir der Regierung Vorschläge gemacht, wie das aussehen kann.

Wie muss Ihre Branche reagieren und welche Weichenstellungen sind für die Zukunft überfällig?

Der Modefachhandel leistet einen hohen Beitrag zur Attraktivität der Innenstädte. Dieses Soziotop ist in Gefahr, was von der Politik noch zu wenig wahrgenommen wird. Hier ist Eile geboten!

Welche kreativen Projekte, Kommunikationsmaßnahmen und Botschaften an Kunden und Partner haben Sie seit Beginn der Krise gestartet/gesendet?

Wir bündeln alle unsere Aktionen und Initiativen unter dem Titel „#Strongertogether!“ und versuchen unsere Kunden über Instagram und Facebook zu informieren, zu unterhalten und zu inspirieren. Zudem unterstützen wir unsere Partner mit umfangreichen Maßnahmen und engagieren uns für politische Unterstützung. Kurz: Wir helfen, wo wir nur können. Mit Maskenlieferungen, mit Kontakten, mit tatkräftiger Unterstützung.

Wie gehen Sie persönlich mit den Sorgen, der Unsicherheit, vielleicht auch der zusätzlichen freien Zeit um?

Ich bin zuversichtlich, dass wir alle gemeinsam die Krise überstehen werden.

Worauf freuen Sie sich am meisten nach Corona?

Auf einen erholsamen Urlaub am Meer.