ModeDas Businesshemd wird 150: Sechs Modeprofis gratulieren

Das Button-Down-Hemd feiert GeburtstagGetty Images

„Useful Registered Design Number: 5242“, hinter diesen bürokratisch nüchternen Worten verbirgt sich das Patent für einen Modeklassiker, den jeder Leser dieser Zeilen garantiert im Kleiderschrank hängen oder gefaltet liegen hat. Was genau sich der britische Herrenausstatter Brown, Davis & Co. damals, am 18. April 1871, eintragen und schützen ließ? Den Entwurf (s)eines erstmals durchgeknöpften Herrenhemdes mit dem Arbeitstitel „The Figurate Shirt“, zu Deutsch etwa „das figurbetonte Hemd“. Ob es zudem noch einen Button-Down-Kragen besaß, ist nicht gänzlich klar.

Als wäre der Firmensitz des Antragstellers, die nordöstlich der Kathedrale St. Paul’s gelegene Love Lane, ein gutes Omen gewesen, stieß die Innovation mit Knopfleiste auf heftige Gegenliebe bei stilbewussten Herren. Daran hat sich bis heute kaum etwas geändert, wenngleich Phänomene wie das Homeoffice den Trend zur „Casualisierung“ weiter befeuert haben. Doch exakt 150 Jahre nach seiner Erfindung dürfte das Businesshemd mit durchgehender Knopfleiste mehr als genügend modische Resilienz besitzen, um sich gegen Rollkragenpulli und Ballonseidejacke durchzusetzen. Grund genug für Capital, einige Topmanager der Branche um ihre ganz persönlichen Glückwünsche für das Oberhemd zu bitten.

Ingo Wilts, Chief Brand Officer und Vorstand für die Bereiche Creative Management, Project Lead Rebranding der Hugo Boss AG

Ingo Wilts, Chief Brand Officer und Vorstand für die Bereiche Creative Management, Project Lead Rebranding der Hugo Boss AG:

Zu welchem Anlass haben Sie zum ersten Mal ein durchgeknöpftes (Ober-)Hemd mit Button-Down-Kragen getragen?

Mein erstes Button-Down-Hemd trug ich mit etwa 15 Jahren zu meiner Konfirmation, zusammen mit einem blauen Cordanzug.

Warum sollte das klassische Herrenhemd ein Standard-Look im Business bleiben, trotz Homeoffice und Sportswear-Boom?

Das klassische Herrenhemd spielt nach wie vor eine wichtige Rolle, nicht zuletzt für formelle Anlässe, die es weiter gab und immer geben wird. Hinzu kommt, dass viele Menschen gerade jetzt, nach der langen Zeit des Homeoffice, richtig Lust auf ein modisches Upgrade haben. Mich eingeschlossen. Das Tolle dabei: Dank neuer Technologien in der Fertigung und innovativer, sehr bequemer Materialien wird die moderne Businessmode zunehmend komfortabler. Das ermöglicht klassische Looks mit reichlich „Performance“.

Für welchen Moment im Leben sind Polo- oder T-Shirt auch 2021 noch zu leger bzw. unpassend?

Poloshirts oder T-Shirts auf Hochzeiten oder anderen formellen Anlässen sind und bleiben für mich tabu. Je festlicher der Moment, desto erlesener sollte auch das Outfit sein. Von daher setze ich nach wie vor auf klassische Hemden, kombiniere diese für den Lässigkeitsfaktor allerdings neu, etwa mit einer Tunnelzug-Hose.

Wie würden Sie dem Businesshemd gern gratulieren – in Wort oder Bild oder …?

Herzlichen Glückwunsch zum 150. Geburtstag, liebes Businesshemd! Du bist von jeher eines der wichtigsten Stücke in unseren Kleiderschränken und für mich persönlich eines meiner liebsten. Die Zahl Deiner Nachkommen ist über die Jahre immer größer geworden, dennoch bleibst Du Dir treu und bist in Deiner Klasse und Deinem Style einzigartig.

Ihr Lieblingshemd im Schrank, das Sie nie weggeben würden?

Mein Lieblingshemd ist definitiv eines mit Haifischkragen, davon besitze ich tatsächlich sehr viele. Grundsätzlich bin ich recht uniform-orientiert unterwegs: Im Sommer trage ich nur diese Hemdenvariante zum Anzug und im Winter meist einen Rollkragenpullover.

Christian von Daniels, Inhaber von Van Laack

Christian von Daniels, Inhaber von Van Laack

Warum sollte das klassische Herrenhemd ein Standard-Look im Business bleiben, trotz Homeoffice und Sportswear-Boom?

Weil es kaum ein Kleidungsstück gibt, das so elegant aussieht und flexibel kombinierbar ist. Ein Hemd zu tragen, bestenfalls natürlich von hoher Qualität, ist zudem ein Ausdruck von Respekt anderen gegenüber. Ich jedenfalls möchte einem Geschäftspartner ungern mit T-Shirt und Jogginghose entgegentreten, das „Warum“ hat Karl Lagerfeld ja sehr einprägsam formuliert.

Interessanterweise sehen wir in unseren Geschäften immer mehr junge Menschen, die sich ganz bewusst dem Hemd zuwenden, bestens über die verschiedenen Kragenformen Bescheid wissen und uns als Marke gezielt ansteuern. Eine beruhigende Entwicklung!

Für welchen Moment im Leben sind Polo- oder T-Shirt auch 2021 noch zu leger bzw. unpassend?

Für alle wirklich (!) wichtigen und emotionalen Anlässe. Im T-Shirt heiratet es sich meiner Meinung nach beispielsweise schlecht, auch wenn wir erstklassige Exemplare im Sortiment hätten. Ich selbst habe im Frack geheiratet und bin auch Jahre später außerordentlich zufrieden mit dieser Entscheidung.

Wie würden Sie dem Businesshemd gern gratulieren – in Wort oder Bild oder …?

Liebes Businesshemd, wie kann ich einem „alten“ und doch ewig jungen Freund nur standesgemäß zum 150. Geburtstag gratulieren!? Nun sind wir seit weit über einem Jahrhundert fest miteinander verwoben und gemeinsam zum Inbegriff für Eleganz, Tradition und Qualität geworden. Seit 1881 arbeiten wir gemeinsam mit Dir daran, Dich täglich schöner, besser und zeitgemäßer zu entwerfen, und täglich siehst Du besser aus. Das kann nicht jeder von sich behaupten. Diese Dynamik hält Dich ewig jung und uns im Geschäft.

Von Herzen gratuliere ich Dir gemeinsam mit dem gesamten van-Laack-Team zu Deinem Ehrentag, und ich bin fest davon überzeugt, dass wir uns noch lange im Gespräch halten und die Moden der Zeit mit der gewohnten stoischen Zurückhaltung und Eleganz annehmen, die uns seit Jahren verbindet. Alles Gute für die nächsten hundert Jahre, Dein Christian von Daniels

Ihr Lieblingshemd im Schrank, das Sie nie weggeben würden?

Selbstverständlich ein auf Maß gefertigtes Shirt aus eigener Produktion. Es gibt kaum etwas Besseres!

Henning Gerbaulet, CEO von Eterna

Henning Gerbaulet, CEO von Eterna

Zu welchem Anlass haben Sie zum ersten Mal ein durchgeknöpftes (Ober-)Hemd mit Button-Down-Kragen getragen?

Daran kann ich mich ehrlicherweise nicht mehr erinnern. Aber bereits in den 80er Jahren, da war ich noch Schüler, gehörten ein weißes und ein blaues Oxford-Hemd mit Button-Down-Kragen zu meinen Garderobefavoriten. Mir gefiel wohl die Mischung aus Sportlichkeit und „Angezogensein“. Das ist vielleicht auch das Erfolgsgeheimnis dieses Klassikers, der bis heute nichts an Relevanz eingebüßt hat.

Warum sollte das klassische Herrenhemd ein Standard-Look im Business bleiben, trotz Homeoffice und Sportswear-Boom?

Mit einem Hemd ist man einfach besser angezogen. Daran wird auch New Work nichts ändern. Andererseits stellen wir fest, dass sich zeitgleich die Bedeutung für anlassbezogene Outfits, zu denen Hemden nun mal gehören, deutlich gestiegen ist. 2022 wird ein Rekordjahr, was Anlässe wie Hochzeiten und Feiern betrifft.

eine Anzeige zum Hemd mit „halbsteifem Kragen“ von 1930

Wie würden Sie dem Businesshemd gern gratulieren – in Wort oder Bild oder …?

Dazu zeige ich gern ein Foto aus unserem Archiv, eine Anzeige zum Hemd mit „halbsteifem Kragen“ von 1930. Mein Grußwort lautet passend dazu: Tradition verbindet.

Für welchen Moment im Leben sind Polo- oder T-Shirt auch 2021 noch zu leger bzw. unpassend?

Zu allen wichtigen und besonderen Momenten. Eine wunderschöne Braut im aufwendigen Hochzeitskleid, die von ihrem Ehemann im T-Shirt zum Traualtar geführt wird? Schon die Vorstellung allein macht den Unterschied zwischen allzu casual und einem hochwertigen Hemd deutlich.

Ihr Lieblingshemd im Schrank, das Sie nie weggeben würden?

Ja, eines unserer „Soft Tailoring“-Hemden mit weichem Haifsichkragen und unsere neuen Jersey-Hemden, die aus unserer Premium-Kollektion „1863 by Eterna“ stammen.

Mark Bezner, geschäftsführender Gesellschafter von Olymp

Mark Bezner, geschäftsführender Gesellschafter der Olymp Bezner KG

Zu welchem Anlass haben Sie zum ersten Mal ein durchgeknöpftes (Ober-)Hemd mit Button-Down-Kragen getragen?

Als Spross eines auf dieses Produkt spezialisierten Textilunternehmers sind mir Hemden von Kindesbeinen an buchstäblich in den Schrank gelegt worden. Ich habe also schon früh Hemden in allen erdenklichen Ausführungen getragen, auch viele Exemplare mit festgeknöpftem Kragen.

Warum sollte das klassische Herrenhemd ein Standard-Look im Business bleiben, trotz Homeoffice und Sportswear-Boom?

Das Hemd ist, unabhängig von der Kragenform, ein unverzichtbares, weil zeitloses Element moderner Outfits. Es ist ein wahrer Kombinationskünstler, passt gleichermaßen fürs Business, die Freizeit und festliche Anlässe. Der Person, die es trägt, verleiht es wie kein anderes Bekleidungsstück ein Mindestmaß an Seriosität und Eleganz, selbst in der lässigsten Ausführung. Mit dieser fest eingenähte Stilsicherheit wird es in Zeiten neuer Arbeitsformen und gelockerter Dresscodes nichts von seiner Bedeutung einbüßen.

Für welchen Moment im Leben sind Polo- oder T-Shirt auch 2021 noch zu leger bzw. unpassend?

Zu bestimmten Anlässen, wichtigen Meetings oder eleganten Feierlichkeiten ist ein gepflegtes Hemd nach wie vor alternativlos. Innovative neue Produkte wie die Jerseyhemden aus unserer Linie „24/Seven“ kombinieren geschickt den Tragekomfort eines T-Shirts mit dem klassischen Design eines Hemdes. Als Bonus sind sie elastisch, atmungsaktiv, trocknen schnell, sind leicht zu bügeln und geruchshemmend.

Wie würden Sie dem Businesshemd gern gratulieren – in Wort oder Bild oder …?

Liebes Businesshemd, Du bekleidest mich bereits mein ganzes Leben. Obwohl Du schon seit so vielen Saisons im Geschäft bist, gehörst Du noch lange nicht zu den Altkleidern. Stattdessen präsentierst Du Dich nach wie vor faltenfrei, frisch und zeitgeistig wie eh und je. Trends scheinen nahtlos an Dir vorüberzuziehen. Jedes Mal, wenn Dir Modemuffel an den Kragen wollen, krempelst Du die Ärmel hoch und beweist, dass Du aus festerem Stoff genäht bist. Auch in den kommenden Jahren wirst Du mir näher sein als die Hose. Ich freue mich auf viele gemeinsame Tragestunden mit Dir – dank Deiner neuen Flexibilität rund um die Uhr. Dein treuer Hemdenfreund Mark Bezner

Ihr Lieblingshemd im Schrank, das Sie nie weggeben würden?

Von den über 100 Exemplaren, grob geschätzt, die sich Bügel an Bügel in meinem Kleiderschrank aneinanderreihend, könnte ich mich von keinem ganz leicht trennen. Mein Lieblingsmodell ist und bleibt aber ein blütenweißes Hemd in körpernaher Passform, zwar nicht mit Button-down-, sondern vorzugsweise mit Haifischkragen, aus edlem Vollzwirngewebe. Um aber erst gar nicht diesen Gewissenkonflikt zu geraten, habe ich davon gleich mehrere parat. Notfalls könnte ich also eines davon entbehren.

Christoffer Bak (l.), Mitbegründer und Chief Product & Offline Retail Officer von Shaping New Tomorrow

Christoffer Bak (l.), Mitbegründer und Chief Product & Offline Retail Officer von Shaping New Tomorrow

Zu welchem Anlass haben Sie zum ersten Mal ein durchgeknöpftes (Ober-)Hemd mit Button-Down-Kragen getragen?

Wenn ich mich richtig erinnere, dann war das meine eigene Konfirmation, zu der ich erstmals ein „gutes“ Hemd und einen Anzug trug. Alle sagten mir damals, dass ich ganz großartig darin aussah, aber ich weiß auch noch, dass ich selbst mich nicht wahnsinnig wohl darin fühlte.

Warum sollte das klassische Herrenhemd ein Standard-Look im Business bleiben, trotz Homeoffice und Sportswear-Boom?

Weil es die Basis für einen ordentlichen, professionellen Look ist. Mit unserer Kollektion wollen wir diesen unbedingt erhalten und zugleich mit den bequemeren Eigenschaften von Sportbekleidung verbinden.

Für welchen Moment im Leben sind Polo- oder T-Shirt auch 2021 noch zu leger bzw. unpassend?

Für mich wäre das ein formeller Anlass wie eine Hochzeit.

Wie würden Sie dem Businesshemd gern gratulieren – in Wort oder Bild oder …?

Herzlichen Glückwunsch zu 150 extrem erfolgreichen Jahren und auf viele weitere, sicher sehr aufregende Jahre mehr. Ich bin gespannt, wie der technische Fortschritt Dich weiterentwickeln wird.

Ihr Lieblingshemd im Schrank, das Sie nie weggeben würden?

Unser „Perfect Shirt“ in weiß. Stilvoll und komfortabel.

Peter Hoever, Managing Director DACH von Gant

Peter Hoever, Managing Director DACH von Gant

Zu welchem Anlass haben Sie zum ersten Mal ein durchgeknöpftes (Ober-)Hemd mit Button-Down-Kragen getragen?

Damals in der Schule, genauer gesagt in der Oberstufe, habe ich erstmals ein Button-Down-Hemd getragen. Das ist schon ewig her, ungefähr 34 Jahre. Ich hatte mich damals auf die Seite der „Popper“ geschlagen.

Warum sollte das klassische Herrenhemd ein Standard-Look im Business bleiben, trotz Homeoffice und Sportswear-Boom?

Wenn etwas besonders wichtig ist, festlich oder wenn man seinem Gegenüber den nötigen Respekt entgegenbringen möchte, dann bleibt das klassische Hemd die richtige Wahl. Und zudem sieht es noch extrem gut aus.

Für welchen Moment im Leben sind Polo- oder T-Shirt auch 2021 noch zu leger bzw. unpassend?

Beispielsweise bei Hochzeiten, Bällen, Empfängen oder bei einem romantischen Abendessen in einem erstklassigen Restaurant.

Wie würden Sie dem Businesshemd gern gratulieren – in Wort oder Bild oder …?

Liebes Businesshemd,
Du dienst als Rüstung – Du schützt und strahlst Stärke aus.
Du bist ein Verführer und Romantiker – Du bist sehr emotional! Danke, dass Du da bist und mich begleitest.

Ihr Lieblingshemd im Schrank, das Sie nie weggeben würden?

Ein „The Hugger Indigo Oxford“-Hemd von Gant, das gut 15 Jahre alt aber immer noch mein Lieblingshemd ist.