Stilfragen"Casual aber smart geschneidert"


Adam Brown ist Gründer und Designer seines Modelabels Orlebar Brown. Sein Ziel: die (männliche) Strandbekleidung zu modisch hochklassiger Resort-Garderobe upzugraden.


Capital: Wie sieht für Sie moderne Businessmode aus?

Für uns bei Orlebar Brown geht es immer um erstklassige Schnittführung. Im Kern ganz casual aber smart geschneidert aus Stoffen, die pflegeleicht und bequem sind – und sich lässig aber auch etwas „seriöser“ tragen lassen. Genauso kleide ich selbst mich auch jeden Tag. Marineblau ist immer eine sichere Bank, ebenso schwarz, weiß, grau und dazu ein Akzent in Rot oder einer anderen leuchtenden Kontrastfarbe.

Was sind Dos and Dont’s im Büro – ganz gleich ob an der Rezeption, in der Buchhaltung oder auf der Vorstandsetage?

In unserem Büro leben wir die Marke, für die wir arbeiten. Ein dreiteiliger Anzug würde da einfach nicht passen. Jeder Mensch sollte sich Gedanken über seine Garderobe machen und damit die eigene Persönlichkeit zum Ausdruck bringen. Solange das nicht in einem Sweatshirt mündet, das in irgendeiner Schrankecke lag…

Was sind die wichtigsten neuen Trends für Businessmänner und -frauen?

Das hängt natürlich davon ab, wo Sie arbeiten. Mein Leben dreht sich um Vielseitigkeit und Mode, die ich den ganzen Tag tragen kann und die alle Übergänge im Terminkalender mitmacht. Denn ich habe einfach selten Zeit zum Umziehen daheim, ehe ich abends ausgehe.

Welche Klassiker sollte jeder Mann in seinem Kleiderschrank haben?

Für mich wäre das ein Poloshirt mit kurzem oder langem Arm, ein hochwertiger Gürtel und Chinos in mehreren Farben. Dazu passt eine leichter Blouson wie das klassische Harrington-Sakko.

Stilikone David Bowie

Welches Modestück verdient Ihrer Meinung nach ein Revival?

Ich denke, dass sollte einer dieser zeitlosen Stoffklassiker wie Frottee oder Leinen sein, die beide so viele nützliche Eigenschaften besitzen. Sie nehmen Farbe wunderbar auf, sind natürlich kühlend und zerknittert gleich doppelt attraktiv.

Wer ist und bleibt für Sie ein modisches Vorbild, wer verdient Ihr Prädikat „Stilikone“?

Es gibt so viele, da fällt mir die Wahl wirklich schwer. Ob David Bowie, Lapo Elkann, David Niven oder Steve McQueen – jede dieser Persönlichkeiten hat zu unserem modernen Stilempfinden etwas Entscheidendes beigetragen. Wenn ich einen auswählen müsste, dann wäre es David Bowie, der sich ständig neu erfindet und so selbstbewusst wie entspannt jedem Diktat widersetzt. Er verbindet den Kern der britischen Exzentrik mit einer angenehmen Weltgewandtheit.

Welche modische Anschaffung war Ihr bester Kauf/das langlebigste Geschenk?

Ganz klar ein Gürtel von Ralph Lauren mit einer großen Hufeisen-Schnalle aus Messing. Den trage ich bestimmt schon zwölf Jahre. Klingt beschrieben vielleicht nicht so toll, ist er aber. Ich habe ihn second hand gekauft und jetzt ist er so richtig abgerockt. Einfach cool!

Jenseits des Dresscode: In welchem Outfit gehen Sie am Samstag zum Bäcker?

Das „Shaket“, eine Kreuzung aus Hemd und Sakko, die wir erstmals für die Kollektion des kommenden Herbstes vorgestellt haben. Inspiration waren die Hemdjacken von Holzfällern, aber nun eben gefüttert und im Schnitt verfeinert. Die trage ich beispielsweise auch wenn ich mit den Hunden raus muss, dann zu Chinos, einem Piqué-Polo und einem Kaschmirpulli.

Halstuch statt Krawatte

Ihre größte Stilsünde war …?

Ein sehr üppig verziertes Sakko, auf dem optisch einfach zu viel los war. Ich habe tagelang überlegt, ob, wie und zu was ich das wohl tragen könnte. Am Ende hatte ich es nie an. Die Lehre für mich: die guten Designideen sollten sich auf den Schnitt, Stoff und die Farbe eines Kleidungsstücks beschränken.

Kurz & knapp: Krawatte oder Fliege?

Halstuch.

Rasur: trocken oder nass?

Trocken am Kinn, nass am Hals.

Anzug: Zwei- oder Einreiher?

Einreiher.

Kaschmirmantel oder Outdoor-Jacke?

Kaschmir-„Shaket“.

Barfuß oder Lackschuh?

Von diesen Möglichkeiten – barfuß!

Weitere Stilfragen: „Edle Stoffe, schlichte Eleganz“ (Hessnatur-Chef Marc Sommer, „Lassen Sie Ihre Beine bedeckt“  (Toby Bateman von Mr Porter) und „Scharfes Sakko, weißes Hemd“ (Different-Fashion-Chef Manuel Rivera)