GastronomieAlexander Herrmann: „Unsere Lieferbox spielt in der Champions League“

Sternekoch Alexander Herrmann startete im Lockdown ein neues Business
Sternekoch Alexander Herrmann startete im Lockdown ein neues BusinessJens Hartmann


Alexander Herrmann betreibt in Nürnberg und Wirsberg mehrere (Sterne-)Restaurants, eine Kochschule und ein Hotel. Zahlreiche Auftritte in TV und Radio machten ihn landesweit bekannt. 2020 war er Mitbegründer des Lieferkonzeptes StarchefBox. Herrmann stammt aus einer Hotelierfamilie und er hospitierte während der Lehre in Deutschland und Belgien. Die Prüfung zum Küchenmeister schloss er als Bester seines Jahrgangs ab. 1995 wurde er Küchenchef in Herrmanns Romantik Posthotel im fränkischen Wirsberg.


 

Herr Herrmann, was hat Sie in der Pandemie zuverlässig bei Laune gehalten?

Ich habe das Seelenessen wiederentdeckt, das die Küche meiner Mutter prägte. Etwa Shakshuka, ein Gericht aus Tomaten, Zwiebeln, Gewürzen und pochierten Eiern. Das beamt mich zurück in meine Kindheit, als ich so sechs oder sieben Jahre alt war und meine Eltern noch lebten, bevor sie 1980 verunglückten. Die Eier kaufe ich bei der Eier-Oma in Bamberg, das sind 80-Gramm-Riesen.

Wie hat sich Ihr Geschmack verändert?

Privat habe ich an mir eine gewisse Ermüdung gegenüber Metzger-Spezialitäten bemerkt. Das liegt daran, dass eine deftige Brotzeit vor Corona eher die Ausnahme war und nun doch häufiger vorkommt. Jetzt reduziere ich den Fleisch- und Wurstkonsum um einiges, dafür gibt es mehr Pasta. Die Kalorienzufuhr bleibt also gleich. Wie haben Sie das Ausnahmejahr erlebt? Beim ersten Lockdown war das Licht am Ende des Tunnels eher ein entgegenkommender Zug. Da wussten wir nicht: Wie kommen wir da wieder raus, wie lange geht so was, was kommt danach? Jetzt hängen wir zwar auch in der Luft als gesamte Branche, warten oft auf zugesagte Hilfszahlungen, aber die innere Haltung ist etwas entspannter. Man sieht in der Ferne das Licht des Tunnelendes.

Wie haben Sie denn geschäftlich gegensteuern können?

Im März und April 2020 haben wir Feinschmeckerkisten verschickt, also vorgekochte Menüs, die nur mit ein paar Handgriffen vollendet werden mussten. Daraus habe ich mit einem Partner später eine neue Firma gegründet und diesem Service den Namen Starchefbox gegeben – für die Sterneküche daheim, inklusive Wein. Ende Oktober haben wir die ersten verschickt und in den folgenden Wochen sehr viel gelernt – über Paketdienste, über die Gesetzgebung bei einem solchen Business, über einen EU-zugelassenen Produktionsbereich. Eine Erkenntnis: Mit einem Take-away-Angebot spielt man in der Kreisliga, bei Boxen wie unserer ist das vom Grad der Komplexität her eher die Champions League. Zukünftig wollen wir das auch als Plattform für Kollegen und Firmen anbieten.

Alexander Herrmann by Tobias Bätz **
Marktplatz 11, Wirsberg