ManagementWie Deutschland glücklicher wird


Maike van den Boom ist Autorin und Vortragsrednerin. Die Halbholländerin hat Kunsttherapie studiert und in zahlreichen Managementjobs in den Niederlanden und Deutschland gearbeitet. Ihr Buch „Wo geht’s denn hier zum Glück?“ stand wochenlang auf der Sachbuch-Bestsellerliste. Weitere Informationen: maikevandenboom.com und wogehtsdennhierzumglueck.deMaike van den Boom ist Autorin und Vortragsrednerin. Die Halbholländerin hat Kunsttherapie studiert und in zahlreichen Managementjobs in den Niederlanden und Deutschland gearbeitet. Ihr Buch „Wo geht’s denn hier zum Glück?“ stand wochenlang auf der Sachbuch-Bestsellerliste. Weitere Informationen: maikevandenboom.com und wogehtsdennhierzumglueck.de


Ein wenig neidisch war ich schon, als ich während meiner Reise durch die glücklichsten Länder der Welt auf dem Kopenhagener Flughafen von einer Installation des viertgrößte Brauereikonzerns der Welt empfangen wurde: „Welcome to the world’s happiest nation!“ Da gehören die Dänen nicht nur zu den glücklichsten Menschen der Erde, sie machen auch noch mit ihrem Glück Reklame.

Selbstverständlich! Glück kann man gewinnbringend einsetzen. Ganz abgesehen vom persönlichen Gewinn eines glücklichen Lebens oder dem professionellen Gewinn glücklicher Mitarbeiter. Glück kann zu einem Wettbewerbsvorteil für ein ganzes Land werden.

Aber beliebt sind wir Deutschen ja auch

2014 zeigten Studien der Gesellschaft für Konsumforschung sowie des Nation Brands Index: Wir punkten vor allem durch unsere Verantwortung in der Politik und durch erfolgreiche Produkte. Passt, denn bisher wurden wir mit sachlichen Attributen wie Perfektionismus, Gründlichkeit und Fleiß in Verbindung gebracht. Positiv, aber leidenschaftslos. Bis auf unseren Fußball. Auch er sorgt für unsere gute Platzierung als nationale Marke. Seit der WM 2006 ist er quasi versehentlich der Hautfaktor im Change-Management unseres Images geworden.

Jeder Marketingspezialist weiß, dass Kundenbindung auch über die Emotionalität einer Marke entsteht. Über die Menschen, die sie verkaufen. Der Ruf, den eine Marke hat, den Sympathiefaktor einer Marke. Eine Studie der Fortune Knowledge Group „Only human: The Emotion Logic of Business Decisions“ zeigt, dass eine steigende Informationsmenge zur Überforderung von Entscheidern führt. Man vertraut deshalb eher auf das Bauchgefühl als auf rationale Entscheidungshilfen. Eine langfristige Partnerschaft basiert auf Aspekten wie Werten, Ruf, Vertrauen und Gefühl. Zunehmend wichtiger werden weiche Faktoren wie Vertrauen, Erfahrungen, Unternehmenswerte und -kultur. Oder vielleicht besser Landeswerte und –kultur? Eine Marke muss Emotionen ansprechen.

Im Mai 2014 untersuchte auch die Universität St. Gallen die Marke Deutschland. Fazit: Das Image deutscher Produkte ist weltweit hervorragend. Das wussten wir schon. Deutschland punktet besonders bei den Kriterien Qualität, Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit sowie Weltoffenheit. Und daran verdienen die Deutschen auch gut: Abhängig von Branche und Absatzland lässt sich mit unserer Marke ein Preispremium von mindestens 10 bis 20 Prozent erzielen. Beim Kriterium Respekt landen wir auf dem zweiten Platz hinter der Schweiz. Mit der Sympathie scheint es weniger gut gestellt. Wir schweben dort auf der gleichen Ebene wie die USA und Japan.

Wie wäre es, wenn wir unseren bisher so erfolgreichen sachlichen Eigenschaften noch ein paar emotionale Sympathieaspekte schenken würden? Glücklich, freundlich, gelassen, humorvoll, leidenschaftlich, liebevoll zum Beispiel? Seit der Weltmeisterschaft 2006 würde die Welt uns das auch abkaufen. Doch wer sein Image ändern möchte, muss sein Verhalten ändern. Und das fängt bei den Menschen an. Und die vergessen zwischenzeitlich immer wieder, wie kraftvoll und überzeugend unser Erscheinungsbild während der Weltmeisterschaften ist. Doch weder Politik noch das Gros der Unternehmen haben die Chance dieser positiven Energie aufgegriffen und sie langfristig weiter getragen.

Weil wir selbst nicht so recht dran glauben, wie nett wir eigentlich sind? Der Titel eines 2013 in den Niederlanden veröffentlichten Buches von Merlijn Schoonenboom, Deutschlandkorrespondent für diverse niederländische Zeitungen, trifft es gut: „Warum wir (die Niederländer) die Deutschen auf einmal lieben – und sie (die Deutschen) das selber so erschreckt“. Respekt, Sympathie oder Liebe. Wie soll man uns in der Zukunft begegnen? Wie wollen wir uns selber begegnen? „Mit ein wenig mehr Eigenliebe vielleicht?“, so zumindest der Tipp meiner Schweizer Interviewpartnerin aus Luzern.