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Kerstin Alfes Wie Chefs für „Meaningfulness“ im Unternehmen sorgen

In Unternehmen fallen verschiedene Arbeiten an – doch nicht alle können sich mit jeder Aufgabe identifizieren. Das kann frustrieren
In Unternehmen fallen verschiedene Arbeiten an – doch nicht alle können sich mit jeder Aufgabe identifizieren. Das kann frustrieren
© IMAGO/Panthermedia
In Zeiten von Fachkräftemangel müssen Arbeitgeber ihr Personal zusammenhalten. Immer wichtiger wird dabei ein Begriff: „Meaningfullness“ – der Sinn der Arbeit. So können Arbeitgeber das Gefühl stärken 

Arbeitnehmer sind ein rares Gut. Der Fachkräftemangel und der fortschreitende demographische Wandel sorgen dafür, dass Unternehmen zunehmend Energie darauf verwenden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu halten. Das gelingt besonders gut, wie die Forschung zeigt, wenn Mitarbeitende einen Sinn in ihrem Tun sehen. Wissenschaftlich lässt sich belegen: „Meaningfulness“, also das Sinn-Erleben des eigenen Handelns, sorgt auf einer individuellen Ebene für positive Einstellungen und Wohlbefinden. Doch auch für Unternehmen ist es wertvoll, wenn Mitarbeitende ihr Tun als sinnig erleben, denn es fördert die Leistung und sorgt für erwünschte Verhaltensweisen am Arbeitsplatz.

Chefs können ein Umfeld schaffen, in dem wir Sinn in der Arbeit sehen 

Wenn Meaningfulness also so wichtig für Mitarbeitende und Unternehmen ist, ist die logische Frage: Wie können Führungskräfte und Unternehmen ein Arbeitsumfeld schaffen, in dem Mitarbeitende ihr Tun sinnvoll finden und Meaningfulness spüren?

Unternehmen und dadurch in erster Linie – aber nicht nur – Führungskräfte, haben einen großen Einfluss darauf, wie sinnhaft Mitarbeitende ihre Arbeit finden. Besonders drei Aspekte sind dafür relevant: der Person-Job-Fit, die mit den Tätigkeiten einhergehende positive Wirkung auf andere sowie das Erleben von Gemeinschaft. 

Sinn in der Arbeit sehen Menschen mit hohem Person-Job-Fit

Sie sind ein Zahlenmensch, müssen aber den ganzen Tag Präsentationen vorbereiten und halten? Oder, umgekehrt: Sie lieben den Austausch mit Menschen, sitzen aber den ganzen Tag vor Excel? Dann ist der Person-Job-Fit gering. Doch um einen Sinn in der Arbeit zu erleben, ist ein hoher Person-Job-Fit wichtig. Dann kann die Tätigkeit – etwa Excel-Listen-Bearbeiten – auf Außenstehende noch so dröge wirken: Die verantwortliche Person muss die Tätigkeiten wertschätzen und ihre Potenziale optimal abrufen können. Nur so wird sie sich mit all ihren Qualifikationen vollständig ins Unternehmen einbringen. Da Positionen und Menschen sich kontinuierlich weiterentwickeln, sollte der Person-Job-Fit auch regelmäßig von den Führungskräften überprüft werden. 

Impact sehen, um Arbeit sinnvoll zu empfinden

In einem Interview für eine Studie sprach ich mit einem Mitarbeiter der Londoner Müllentsorgung, der sich absolut mit seiner Arbeit identifiziert hat, denn: Er hat einen Sinn darin gesehen. Ohne ihn, so war seine Perspektive, würde diese riesige Stadt im Müll versinken. Er sah seinen Impact, die positive Wirkung seines Tuns, jeden Tag und war stolz darauf. Es gibt Berufe, deren Impact oft schnell ersichtlich ist – bei Ärzten oder Lehrerinnen und Lehrern etwa. Bei Jobs, in denen dies nicht so klar ist, sollte unbedingt über den eigenen Einfluss und Wirkungskreis der Tätigkeit gesprochen werden. „Warum tue ich das?“ ist eine Frage, die sehr wichtig dafür ist, dass wir Sinnhaftigkeit in unserer Arbeit erkennen. Deshalb raten wir den Führungskräften in den Excecutive-Programmen an der ESCP, die Frage nach der Sinnhaftigkeit ernst zu nehmen und gegebenenfalls in Rücksprache mit den Mitarbeiter:innen das Aufgabenfeld nachzujustieren.

Gemeinschaft erzeugen, um Meaningfulness zu erleben

Führungskräfte sollten ihren Mitarbeitenden Zeit geben – nämlich Zeit zum Austausch. Statt nur aufgabenorientiert zu denken, sollten selbst bei mittelfristig angelegten Projektteams immer auch ein- bis eineinhalb Tage ins Teambuilding investiert werden. Denn dadurch wird ein stärkeres Verantwortungsgefühl für die Gruppe und die Aufgabe geweckt, das sich langfristig auszahlt. Tipp: Intensive emotionale Erfahrungen wirken besonders verbindend, eine gemeinsame Achterbahnfahrt im Freizeitpark ist organisationspsychologisch gesehen tatsächlich eine gute Idee.

Warnzeichen, dass der Sinn in der Arbeit nicht mehr gesehen wird

Prävention ist auch bei Meaningfulness das Maß der Dinge. Deshalb sollten Führungskräfte im Alltag aufmerksam zuhören: Wenn Mitarbeitende anfangen, am Sinn der Arbeit zu zweifeln, beginnt dies meist mit zunehmend zynischen Perspektiven („das fängt ja wieder toll an“). Es folgen negativ-kritische Aussagen („XY kann man es eh nie recht machen“) und schließlich das Verstummen. 

Die gute Nachricht: Es ist für Führungskräfte nie zu spät, den Dialog zu suchen und entlang der oben genannten Aspekte die Meaningfulness wiederzubeleben. Effektiver ist es jedoch allemal, den Sinn in der Arbeit konstant für alle Mitarbeiter:innen erlebbar zu machen.

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