Business as usualWer nicht fragt, verliert

Ältere Semester kommen im Jargon der Digitalisierung schon mal ins Schleudern
Ältere Semester kommen im Jargon der Digitalisierung schon mal ins SchleudernGetty Images

Robert ist ein grundpositiver Mittfünfziger, der als Ingenieur eine nicht immer einfache und auch nicht stromlinienförmige Karriere in einem großen deutschen Konzern gemacht hat. Seine Triebfeder war zeit seines beruflichen Lebens die Neugier und Lust auf Veränderung – bis er bei einem Aufenthalt in China plötzlich das Gefühl hatte, an seine Grenzen zu stoßen. Als er sah, wie entschieden und konsequent dort die Digitalisierung in allen Wirtschaftsbereichen vorangetrieben wird, bekam er Angst, den Anschluss zu verlieren – und das gleiche Schicksal befürchtete er für seinen Konzern.

Die neue Capital

Erst jetzt wurde Robert richtig bewusst, dass er in seinem beruflichen Umfeld ständig mit Begriffen konfrontiert war, die er im Grunde kaum verstand: Big Data, Artificial Intelligence, Machine Learning, um nur einige Schlagwörter zu nennen. Noch irritierender war die Einsicht, dass wichtige Entscheider seines Konzerns nicht viel mehr zu verstehen schienen – auch diejenigen nicht, die die langfristige Unternehmensstrategie formten.

Die Erfahrung war verunsichernd, aber Robert ließ sich nicht entmutigen. Schmunzelnd erzählte er mir eine Geschichte über seine Eltern. Die waren eines Tages daran gescheitert, ihren neuen Videorekorder zu programmieren – und hatten das Gerät danach aus Frust nie wieder angefasst. Diesen Denkfehler wollte Robert nicht wiederholen. Er beschloss, in die Offensive zu gehen.

Robert fragte sich schlau. Systematisch ging er sein Netzwerk durch und vereinbarte Termine mit allen Bekannten, die sich beruflich mit Digitalthemen beschäftigen, um sich von ihnen haarklein erklären zu lassen, was genau sie da eigentlich tun. Zudem nahm er sich bei allen Geschäftsreisen die Zeit, interessante Unternehmen zu besuchen, um sich sein eigenes Bild von der digitalen Welt zu machen – in China, im Silicon Valley und in Deutschland.

Offen mit der eigenen Unkenntnis umgehen

Inzwischen sieht Robert nicht nur selbst klarer, sondern ist auch in der Lage, sein Wissen in den Konzern einzubringen. Er stellt Verbindungen zu Digitalexperten her, wenn das firmeneigene Know-how nicht ausreicht, er hinterfragt Arbeitsprozesse, er stellt sicher, dass Entscheidungen in seinem Umfeld fundiert getroffen werden.

Robert trägt keine Turnschuhe, er ist alles andere als ein Hipster. Aber er lässt keine Gelegenheit aus, mit Jüngeren ins Gespräch zu kommen, wenn er den Eindruck hat, dass er von ihnen etwas lernen kann. Wer Robert in solchen Gesprächen erlebt, kann nur staunen über die angstfreie, fast kindliche Art, mit der dieser gestandene Ingenieur seine Was-ist-was-Fragen stellt.

Wie viele Entscheidungsträger überblicken wirklich den tief greifenden Technologiewandel, vor dem ihre Unternehmen derzeit stehen? Es ist nicht leicht, die eigene Unkenntnis so unumwunden einzuräumen wie Robert. Aber es hilft.