UnstatistikWas sind 98 Prozent vom BER?

BER
Das Schild am Eingang ist schon fertig
© Alexander Obst / Marion Schmieding, Flughafen Berlin Brandenburg GmbH

Mit der „Unstatistik des Monats“ hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und RWI-Vizepräsident Thomas Bauer jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen. 
Alle „Unstatistiken“ finden Sie im Internet unter www.unstatistik.de. Jüngst erschienen im Campus Verlag ist das Buch „Warum dick nicht doof macht und Genmais nicht tötet – Über Risiken und Nebenwirkungen der Unstatistik“


Der Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) sei  „jetzt zu 98 Prozent fertig“, sagte Klaus Wowereit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ kurz vor seinem Rücktritt als Berlins Regierender Bürgermeister. Das soll wohl so klingen, als ob bei dem Pannenflughafen alles in geordneten Bahnen läuft – Wowereit also ein bestelltes Haus hinterlässt. Aber die Unstatistiker fragen sich, was der SPD-Politiker eigentlich mit seiner Äußerung gemeint hat: 98 Prozent von was?

Die Vermutung sei naheliegend, dass sich die Zahl auf die Zeitraum bis zum Eröffnungstermin beziehe. Geht man davon aus, dass vom ersten Spatenstich im September 2006 bis zu Wowereits Rücktritt 98 Prozent der Zeit verstrichen war, blieben bis zur Eröffnung noch exakt zwei Monate. Das könne der Ex-Regierende nicht gemeint haben, da der scheidende BER-Chef Hartmut Mehdorn als Eröffnungstermin gerade die zweite Hälfte 2017 angekündigt habe.

„Wowereit hat an nichts gedacht“

Das Geld kann der SPD-Politiker auch nicht gemeint haben, schreiben die Unstatistiker. Denn dann würde der BER etwas mehr als 5,2 Mrd. Euro kosten. „Da die Flughafengesellschaft im November dieses Jahres jedoch ankündigte zwei Milliarden mehr zu investieren und Mehdorn mehr als drei weitere Milliarden für nötig hält, kann Wowereit wohl auch nicht Geld gemeint haben.“ Auch bei Gebäude und Infrastruktur geht die Rechnung nicht auf. Der neue Flughafen gilt bereits jetzt als zu klein.

Vielleicht, so die Unstatistiker, liefert der Nachsatz Wowereits eine Antwort, dass „die restlichen zwei Prozent“ schwierigsten seien. Das sei aber öffentlich kaum zu vermitteln. „Nur wie können wir verstehen, warum die letzten zwei Prozente der Knackpunkt sind, wenn er nicht versucht uns zu vermitteln, worauf sich die ersten 98 Prozent beziehen?“, fragt die Unstatistik. Vielleicht sei die Antwort viel einfacher: „Wowereit hat an nichts gedacht“.