ThemaWas Manager von Wahrsagern lernen können


Norman Alexander ist Wirtschaftsmentalist, Redner und Autor. Er hat das 2013 bei Econ erschienene Buch „Mind-Hacking“geschrieben 


Egal ob aus einer Glaskugel, den Tarot-Karten oder dem Kaffeesatz – Weissager erwecken den Eindruck, alles über uns und unsere Gedanken zu wissen. In Wirklichkeit stecken dahinter einfache Gesprächstechniken, die jeder erlenen kann und vor allem auch Manager beherrschen sollten.

Gerade bei der Führung von Mitarbeitern sowie in Verhandlungssituationen kommt es darauf an, die Motive und Bedürfnisse des Gegenübers zu erkennen und eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen. Genau das ist es, was Wahrsager und Kartenleger können. Deshalb habe ich ihnen über die Schulter geschaut und in der Mind Hacking Strategie die Erkenntnisse auf das Business übertragen.

Mit folgenden fünf Tipps gelingt es auch Managern, sich in den Kopf ihrer Gesprächspartner zu hacken.

1. Durch die Augen des Gegenübers sehen

Wahrsager sind gute Beobachter. In der heutigen Zeit entwickeln wir uns jedoch immer mehr zum Egozentriker und verlieren damit den Blick für das Gegenüber. Vor einem wichtigen Gespräch, wie einer Präsentation, einem Meeting oder einer Verhandlung fragen wir uns, ob unsere Kleidung richtig sitzt, der Auftritt stimmt und wiederholen noch einmal gedanklich unsere Argumente.

Wenn wir aber Menschen für uns gewinnen und überzeugen wollen, müssen wir die Perspektive verändern. Es geht nicht um uns, sondern um den Gesprächspartner. Wir müssen durch seine Augen sehen und uns fragen, was ihm durch den Kopf geht, in welcher Stimmung er sich befindet und was ihn bewegt. Mit echtem Interesse und aufmerksamer Beobachtung werden wir eine Antwort finden und erkennen, was er denkt, wie er tickt und was er wirklich will.

2. Emoticons in der Offline-Welt erkennen

Der Austausch von Informationen findet immer mehr digital über E-Mails, soziale Netzwerke oder Messenger-Dienste statt. Wer Emotionen ausdrücken will, nutzt Emoticons und der Empfänger der Nachricht erkennt daran leicht, was der Absender fühlt. Da diese Form der Kommunikation immer mehr zunimmt, verkümmert unsere Fähigkeit, aus Gesichtern echter Menschen zu lesen und deren Emotionen zu deuten.

In der echten Welt gibt es im Vergleich zur virtuellen keine Smileys, sondern Gesichtsmuskeln, die durch das Unterbewusstsein gesteuert Reaktionen zeigen. Wenn der Mitarbeiter im Gespräch erzählt, dass er sich auf das neue Projekt freut und sich dabei die Mundwinkel nach oben bewegen, der Augenbereich sich aber nicht zusammenzieht und dadurch auch keine Lachfältchen entstehen, ist es keine echte Freude. Sind daneben noch Anzeichen von Zorn zu erkennen, hat der Mitarbeiter vermutlich Probleme mit dem neuen Projekt.

3. Vorbereitung ist die halbe Miete

Erik Jan Hanussen war der schillerndste Wahrsager im 20. Jahrhundert. In seinen Privataudienzen schien er seine Gäste zu durchschauen. Er kannte die aktuellen Lebensumständen, besondere Ereignisse und auch persönliche Wünsche. Um an dieses Wissen zu gelangen, beschäftigte er Personal, das die Informationen recherchierte.

Im digitalen Zeitalter ist das deutlich leichter. Dennoch versäumen viele, wenigstens den Namen des Verhandlungspartners zu googeln oder danach einen Blick in sozialen Netzwerken zu werfen. Wer sich vorher mit dem Gesprächspartner beschäftigt, entdeckt möglicherweise gemeinsame Interessen, die für das Gespräch nützlich sein können. Gemeinsamkeiten verbinden eben am meisten.

4. Werden Sie zum Menschenkenner

Die Kunst besteht darin, die Menschen im Inneren zu berühren, um in ihren Kopf zu gelangen. Dazu nutzen Wahrsager das Wissen über die verschiedenen Phasen des Lebens, die durch bestimmte Denkweisen gekennzeichnet sind. Wenn man das Alter des Gegenübers kennt, kann man Aussagen treffen, was ihn derzeit im Inneren bewegt.

Ein Anfang 20 Jähriger will sich ausprobieren und Erfahrungen sammeln. Er wird daher eher bereit sein, neue Dinge anzupacken. Ein Mitte 50 Jähriger dagegen besitzt einen großen Erfahrungsschatz und will andere daran teilhaben lassen. Wenn wir unserem Gesprächspartner begegnen, sollten wir uns also immer fragen, welche Motive ihn allein schon aufgrund des Alters bewegen. Knüpft man im Gespräch daran an, ist es leicht ihn zu öffnen und erfährt weitere Informationen.

5. Das Bauchgefühl hat Recht

Die rationalen Entscheider predigen, nach ausgiebiger Analyse alle Fakten abzuwägen, um dann folgend der Logik eine Entscheidung zu treffen. Was wäre aber, wenn es ein großes Volumen an Informationen gäbe, das uns hilft, schneller und besser zu entscheiden?

Dieses gibt es und nennt sich Erfahrungsgedächtnis, in dem alles, was wir erleben, abgespeichert wird. Den unbewussten Abgleich mit dem, was wir gerade wahrnehmen, bezeichnet man als intuitives Gespür. Demnach ist eine intuitive Entscheidung eine Entscheidung, die auf unseren Erfahrungen beruht. Vieles von dem, was wir brauchen, um Menschen einzuschätzen, liegt also schon in uns. Wir müssen nur wieder lernen, mehr auf unsere Intuition zu vertrauen.

Wahrsager haben keine übersinnlichen Fähigkeiten. Der aufmerksame Blick gepaart mit einer Portion Menschenkenntnis und Intuition ermöglicht es, sich in die Gedankenwelt anderer zu hacken. Kommunikation ist eben mehr als nur der reine Austausch von Informationen.