StudieWarum Workaholics glücklich und gesund sein können

Ein Mann schläft mit seinem Kopf auf einem Notebook
Arbeiten bis zur Erschöpfung, doch Workaholics müssen nicht unglücklich seinGetty Images

Schon der Begriff „Workaholic“ klingt ungesund. Nicht umsonst ist er an das englische Wort für „Alkoholiker“ angelehnt. Süchtig nach Arbeit – das kann doch nur schädlich sein. Oder? Nancy Rothbard von der US-Elitehochschule University of Pennsylvania und zwei Kollegen wollten es genau wissen. Denn häufig wird bei den Auswirkungen der Arbeit auf die Gesundheit auf die subjektiven Einschätzungen der Betroffenen vertraut. „Es gibt wenige Studien, die tatsächlich die Folgen des Arbeitslebens auf unsere Gesundheit untersuchen“, sagte die Management-Professorin laut einer Mitteilung der Penn University. Ihre Studie „Beyond Nine to Five: Is Working to Excess Bad for Health?“ sei eine der ersten, die auf Messdaten von Ärzten beruhe.

Rothbard und ihre Kollegen Lieke ten Brummelhuis (Simon Fraser University) sowie Benjamin Ulrich (University of North Carolina at Charlotte) untersuchten den Angaben zufolge 763 Mitarbeiter einer großen, internationalen Finanzberatungsfirma. Drei Faktoren waren dabei entscheidend:

  • Wie viele Stunden arbeiten die Angestellten täglich?
  • Sieht sich der Mitarbeiter selbst als Workaholic (arbeitet mehr als nötig, kann schlecht abschalten)?
  • Gesundheit (hohe Werte bei Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin, Bauchfett)

Eine erste Erkenntnis lautete: Nicht jeder Workaholic arbeitet viele Stunden am Tag und nicht jeder Mitarbeiter mit etlichen Überstunden ist ein Workaholic. Die Forscher stellten keine zwangsläufige Verbindung zwischen einer hohen Arbeitslast und übermäßigem Stress fest. Solange die Mitarbeiter nach einem langen Tag im Büro mental abschalten konnten, zeigten sich keine negativen Folgen für ihre Gesundheit. Anders sah es hingegen bei echten Workaholics aus. Etliche Überstunden in Kombination mit einem ständigen Arbeitsdrang, der gern auch den Schlaf stört, äußerten sich sehr wohl im sogenannten metabolischen Syndrom mit seinen oben genannten Risikofaktoren für Herzerkrankungen.

Dann aber stießen die Wissenschaftler auch für sie überraschend auf einen weitgehend unbekannten Typ Arbeitstier: den glücklichen und gesunden Workaholic. „Wir hatten einfach angenommen, dass alle Workaholics ein höheres Risiko für das metabolische Syndrom besitzen“, sagte Rothbard. Es stellte sich aber heraus, dass die Gesundheitsschäden nur jene Menschen betreffen, die keine Freude an ihrer Arbeit haben. Ganz anders bei den Workaholics, die wirklich für ihren Job brennen. Sie blieben der Studie zufolge trotz enormer Arbeitslast und ständigem Kreisen um anstehende Aufgaben fit – und zwar tatsächlich ebenso gesund wie ihre Kollegen mit ganz regulären Bürozeiten.

Neben dem puren Spaß am Job profitieren diese glücklichen Workaholics womöglich von einem anderen Puffer. Die Wissenschaftler vermuten, dass diese Spezies Stress einfach besser managt. Diese Workaholics teilen sich ihre Zeit gut ein, fragen Kollegen oder den Partner zuhause um Unterstützung und verfügen allgemein über gute Kommunikationsfähigkeiten. Für Rothbard persönlich war folgende Erkenntnis besonders erstaunlich: Wie sehr die mentale Einstellung zur Arbeit deren Auswirkungen auf die Gesundheit bestimmt. Bei der Bewertung der Ergebnisse wurden den Angaben zufolge Faktoren wie genetische Vorbelastung und individuelle Krankheitsgeschichte berücksichtigt. An den Resultaten habe das nichts geändert. „Das hat mich umgehauen“, sagte Rothbard.