GastbeitragWarum die besten Teams nicht immer die besten Teams sind

Ein funktionierendes Team braucht mehr als nur Topleute und Leaderrawpixel on Unsplash

Es klingt so einfach: Wer als Unternehmer erfolgreich sein will, holt sich die schlausten Köpfe, die besten Performer, die talentiertesten Leute. Doch so einfach ist es nicht. Um ein gutes Team zusammenzustellen, braucht es ein anderes Rezept – die Mischung muss stimmen. Und das gilt übrigens nicht nur für die Wirtschaft.

2010 holte der NBA-Basketballverein Miami Heat mit LeBron James und Chris Bosh zwei Starspieler ins Team, obwohl es mit Dwyane Wade bereits einen Ausnahmespieler gab. Die drei sollten das „beste Trio der Liga“ bilden. Die Erwartungen waren riesig. Doch Miami gewann nicht nur nicht den NBA-Titel – das Team verlor fast jedes Spiel.

Es können noch so viele Stars in einem Team sein – ist es zu homogen und prallen dann auch noch Alphatiercharaktere aufeinander, fährt es gegen die Wand. Es braucht B-Player, die wichtige Rollen im Mannschaftsgefüge einnehmen. Erst als Miami mit Shane Battier einen Spieler ohne allgemein anerkannte Starqualitäten ins Team holte, ging es aufwärts. Denn Battier übernahm Aufgaben, die einen Spieler nicht berühmt machen, aber die dennoch unbedingt notwendig sind: Er gewann verlorene Bälle zurück, versprühte Enthusiasmus, kommunizierte wie kein zweiter mit seinen Mitspielern.

Gegensätze ergänzen sich

In Unternehmen oder Start-ups stellt sich die Lage häufig ähnlich dar. Ganz egal, ob es um ein neues Teammitglied geht oder ob ein geeigneter Mitgründer gesucht wird: Es ist nicht immer von Vorteil, sich besonders ähnlich zu sein oder gar miteinander befreundet zu sein. Gerade für Gründer gilt: Je weiter sie charakterlich und in Bezug auf ihre Fähigkeiten auseinanderliegen, desto besser ergänzen sie sich. Und desto höher sind ihre Erfolgschancen.

Ein komplementäres Führungsteam ist etwa die Gründermannschaft von Dentolo, einem 2016 gegründeten Online-Portal für Zahnbehandlungen. Julian Benning hat wie sein Großvater und Vater Zahnmedizin studiert, außerdem Wirtschaftswissenschaften an der Universität Witten/Herdecke, später arbeitet er für die Berliner Firmenfabrik Rocket Internet. Dort lernt er Philipp Krause kennen. Krause hat zuvor an der Managementhochschule WHU Management und Entrepreneurship studiert. Hier kommen unterschiedliche Werdegänge, verschiedene Fähigkeiten und Interessen zusammen. Das funktioniert – erst recht, seit Dentolo mit Dieter Kiesenbauer einen strategischen Analytiker aus der Versicherungswirtschaft ins Führungsteam geholt hat.

Auch hinter dem Erfolg von Thermondo, einem digitalen Anbieter von Heizungsbaulösungen mit inzwischen 300 Mitarbeitern, stehen kluge Entscheidungen im Teamaufbau. Während einer der Gründer, Philipp Pausder, Marketing-Erfahrung bei Adidas gesammelt und für eine schwedische Strategieberatung als Projektmanager gearbeitet hat, ist Florian Tetzlaff ein Fachmann, ein Experte für alternative Brennstoffe. Beide holen sich mit Kristofer Fichtner einen CTO ins Gründerteam, dazu später zusätzlich erfahrene Führungsleute – denn die wenigsten Gründer sind gleichzeitig gute Manager. Viele wollen es auch gar nicht sein – Fichtner und Tetzlaff haben das Start-up nach erfolgreicher Aufbauarbeit inzwischen wieder verlassen.

„Erfolgreich sind jene Teams, deren Mitglieder divers und komplementär zueinander sind“

Katharina Wolff

Es gibt sicherlich verschiedenste Gründe, warum Bastian Knutzen und Chris Maslowski mit der Umzugsfirma Movinga gescheitert sind – die Gründer mussten 2016 auf Drängen der Investoren ihr eigenes Unternehmen verlassen. Ein nicht zu unterschätzender Faktor dürfte aber die Aufstellung des Gründerteams sein: die Tatsache, dass sie nicht divers genug waren. Beide haben an derselben Universität dasselbe Fach studiert und die gleichen Kompetenzen erlernt. Doch ein Start-up ist auf Mitarbeiter angewiesen, die bereit sind, unterschiedliche Rollen und Aufgaben zu übernehmen, auch solche, die nicht im Blitzlichtgewitter stattfinden. Es braucht nicht unbedingt zwei Sales-Genies, wenn es weitere, ebenso wichtige Dinge zu tun gibt. Zum Beispiel sich um die Mitarbeiter zu kümmern. Oder die Finanzen sinnvoll einzusetzen. Heute führt der erfahrene Manager Finn Hänsel das Unternehmen, er hat das Start-up zurück in die Erfolgsspur gebracht.

Erfolgreich sind jene Teams, deren Mitglieder divers und komplementär zueinander sind. Gleich und gleich gesellt sich zwar gern, führt aber eher selten zum gewünschten Erfolg. Gründer sollten sich Partner ins Boot holen, die sie ergänzen und für gewisse Aufgaben besser geeignet sind. Das kann auch mal zu Reibungen führen. Sind Gründer bereit ist, sich zu hinterfragen und immer weiter zu lernen, dann hält ihr Team so etwas nicht nur aus, sondern wächst daran.