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Beste Ausbilder 2022 Universitätsmedizin Greifswald: „Wir provozieren für unsere Pflegeschüler Stressfälle“

Blick auf das Universitätsklinikum in Greifswald
Blick auf das Universitätsklinikum in Greifswald
© IMAGO / BildFunkMV
Die Universitätsmedizin Greifswald gehört als sogenannter Maximalversorger zu den großen Kliniken in Mecklenburg-Vorpommern. Die seit 1456 bestehende Organisation beschäftigt 4300 Mitarbeiter

Wie viele Pfleger bilden Sie aus?
HOMAS RATAY: Wir haben insgesamt mehr als 430 Auszubildende in verschiedenen Berufsrichtungen, davon sind im Bereich Pflege rund 250 Schüler und 50 Studenten des Fachbereichs klinische Pflegewissenschaft.
MARTIN MENGEL: Früher wurden wir übrigens Krankenpfleger genannt, dann wurden wir umbenannt in Gesundheits- und Krankenpfleger, und seit der letzten Ausbildungsreform vor zwei Jahren sprechen wir von der Pflegefachfrau und dem Pflegefachmann. Das ist absurd. Pflegefachkraft reicht doch.

So oder so wird ein Mangel an Pflegefachkräften beklagt. Wie kommen Sie an Nachwuchs?
Ratay: Die meisten Bewerber kommen hier aus der Region. Greifswald ist als lebendige Unistadt attraktiv. Wir haben seit drei, vier Jahren wieder viele gute Bewerber. Nun haben wir 100 neue Azubis unter Vertrag genommen, aber eigentlich müssten es jährlich 140 sein, um unsere absehbaren Personallücken zu füllen.
Mengel: Das Krankenhaus zieht nach wie vor als attraktiver Arbeitgeber. Für viele ist etwa Kinderkrankenschwester ein Traumberuf. Die gehören nun aber zu den Pflegefachleuten, und das ist schwer vermittelbar.

Was ist daran so kompliziert?
Mengel: In der Praxis haben wir mittlerweile hoch spezialisierte Pflegefachkräfte für Rheumatologie oder etwa Nephrologie. Aber in der Ausbildung werden seit der Reform von 2020 erst mal alle gemeinsam unterrichtet und zu Generalisten ausgebildet. Damit sind alle auf dem gleichen Wissensstand. Nur brauchen wir dann auf den Fachstationen künftig etwas länger, um die neuen Kollegen einzuarbeiten.

Bringt die Reform auch Vorteile?
Ratay: Ja, es gibt jetzt eine gesetzlich festgeschriebene und damit auch finanzierte praktische Anleitung durch pädagogisch qualifiziertes Personal. Das kommt der Ausbildung zugute.

Können Sie darüber hinaus noch etwas Besonderes anbieten?
Ratay: Wir gönnen uns zwei Ausbildungsstationen mit einer größeren Zahl an Pflegeschülern. Die sollen dort auch lernen, sich selbst zu organisieren, um die erfahrenen Mitarbeiter zu entlasten. Außerdem haben wir in den letzten zwei Jahren ein sogenanntes Trainee Lab eingerichtet.

Klingt hip. Was ist das?
Ratay: Das ist eine Simulationsstation nur für Schulungszwecke – ohne Patienten. Da haben wir eine reale Umgebung mit allen Anlagen und der kompletten Ausstattung und provozieren für unsere Pflegeschüler Stressfälle. Statt echter Patienten trainieren wir an Puppen oder an anderen Schülern. So bieten wir einen geschützten Raum, wo man auch durch Fehler lernen kann.

Das gehört nicht zum Standard bei einer Pflegeausbildung, richtig?
Mengel: Dafür sind wir ja eine Uniklinik mit einem breiten Angebot an Versorgung und Forschung. Das gibt uns auch die Möglichkeit, viele Weiterbildungsmöglichkeiten anzubieten. Jeder, der Bock darauf hat, kann bei uns vom missglückten Hauptschulabschluss über die Pflegeausbildung bis zur Doktorarbeit hochklettern. Wir haben einige Mitarbeiter, die derzeit berufsbegleitend promovieren.

Was raten Sie anderen Ausbildern?
Ratay: Als Ausbilder sollte man viel ausprobieren und seine Konzepte auch gegen interne Widerstände verteidigen. Und die jungen Bewerber sollten wir nicht pauschal als problematische Generation verurteilen. Wir brauchen jeden Einzelnen und müssen sie in unsere Teams integrieren. Denn eigentlich wollen die vor allem eins: lernen.

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