Beste AusbilderAusbildung bei Storck ist mehr als Süßes satt

Wer bei Storck eine Lehre zum Süßwarentechnologen macht, produziert auch Schokoküsse
Wer bei Storck eine Lehre zum Süßwarentechnologen macht, produziert auch SchokoküsseJulia Sellmann

Lara Möller beißt in einen Dickmann’s-Schokokuss, den sie gerade frisch vom Band aus der Produktionshalle geholt hat. In diesem Zustand seien sie besonders knackig, schwärmt sie. „Aber das wissen nur die Leute, die hier arbeiten.“ Die 19-Jährige sitzt an der Quelle: Sie macht eine Ausbildung zur Süßwarentechnologin bei Storck.

Über dem gesamten Werksgelände wabert ein karamelliger Duft. Zahlreiche Produktions- und Verwaltungsgebäude befinden sich auf dem parkähnlichen Betriebsgelände des über 100 Jahre alten Familienunternehmens im westfälischen Halle. Hier werden Toffifee, Nimm2, Werther’s Original und viele andere bekannte Süßigkeiten produziert. „Wir sprechen hier immer mit vollem Mund“, sagt Birte Schmitz. Den Spruch habe sie von ihrem früheren Chef übernommen, sagt die Ausbilderin, die für die Betreuung der 169 Lehrlinge und dual Studierenden mitzuständig ist.

Arbeiten im Zuckerparadies – ist das wirklich so traumhaft? Lara Möller schmunzelt: „Mein Opa hat immer von einem Verwandten erzählt, der bei Storck gearbeitet hat und massenhaft Süßigkeiten mitgebracht hat.“ Aber auf Schokolade und Bonbons hatte sie es bei ihrer Berufswahl eigentlich gar nicht abgesehen. Sie suchte vor allem etwas im technischen Bereich – eine Ausbildung zur Vermessungstechnikerin oder Chemie­laborantin hätte sie genauso gereizt wie die Süßwarentechnologin.

„Technisches Interesse sollten die Kandidaten schon mitbringen“, sagt Ausbilderin Birte Schmitz. „Denn wir rühren hier nicht mit dem Löffel im Schokoladenkessel herum.“

Was hinter den Fabrikmauern passiert, hat Möller schon vor dem Ausbildungsbeginn erfahren. Denn damit die jungen Leute nicht mit falschen Vorstellungen in den Arbeitsalltag starten, gibt es bei Storck nach dem Vorstellungsgespräch einen Probearbeitstag. Da stand die Realschülerin vor riesigen, meterlangen Anlagen mit Rohren, Pumpen, Fließbändern und Roboterarmen. „Ich hatte keine Ahnung, dass für so kleine Süßwaren so eine aufwendige Technologie nötig ist“, sagt Möller. Sie durfte im Herzstück des Traditionsbetriebs starten: in der streng geheimen Toffifee-Produktion, die Storck-Ingenieure ausgetüftelt haben.

Dass zu den weltweit rund 6000 Storck-Mitarbeitern auch Industriemechaniker, Informatiker oder Lagerlogistiker gehören, ist den wenigsten geläufig. Zwölf unterschiedliche Ausbildungsberufe und vier duale Studiengänge bietet Storck an den drei Standorten Halle, Berlin und dem thüringischen Ohrdruf an. „Dafür müssen wir schon sehr gezielt werben“, sagt Ausbilderin Schmitz. Der Nachwuchs wird vor allem regional – rund um den „Schornstein“ wie es bei Storck heißt – akquiriert. Neben Ausbildungsmessen und Schulkooperationen setzt die Personalabteilung auch auf Videos, in denen Mitarbeitern einen kleinen Einblick in ihre Ausbildung und die Arbeit geben.

Zum Alltag in der Produktion gehört Schichtdienst. Auch die Azubis arbeiten eine Woche lang spät, während es in der Folgewoche je nach Einsatzbereich zwischen 4 und 6 Uhr morgens losgeht. „Daran gewöhnt man sich“, sagt Lara Möller. Wie übrigens auch an die Süßigkeiten. Ihr Zuckerbedarf, sagt Möller, sei nach Feierabend meistens gedeckt.


Capital hat Deutschlands beste Ausbilder gekürt: Zum dritten Mal wurden in einer umfangreichen Studie mehr als 600 deutsche Unternehmen ausgezeichnet – erschienen in Capital-Heft 11/2019. Hier geht es zum Kiosk-Shop. Die kompletten Ergebnisse der Studie finden Sie hier.