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Umfrage So wollen Dax-Konzerne die neuen 3G-Regeln kontrollieren

Arbeitgeber müssen bald kontrollieren, ob ihre Mitarbeiter geimpft, genesen oder getestet sind
Arbeitgeber müssen bald kontrollieren, ob ihre Mitarbeiter geimpft, genesen oder getestet sind
© MAGO / Michael Weber
Ab Mittwoch gilt 3G am Arbeitsplatz. Eine Capital-Umfrage unter Dax-Konzernen zeigt, wie unterschiedlich streng die Unternehmen die Einhaltung kontrollieren wollen. Die einen sperren Hausausweise, die anderen planen nur Stichproben

Wer ab Mittwoch keinen Nachweis vorzeigt, kommt nicht rein – so einfach soll die 3G-Regel sein. Können Arbeitnehmer weder Impfzertifikat, Genesenennachweis noch Test vorlegen, muss der Arbeitgeber sie wieder nach Hause schicken. Das haben Bundestag und Bundesrat vergangene Woche so beschlossen.

Die Neuerung im Infektionsschutzgesetz gilt grundsätzlich für alle Beschäftigten – und für alle Unternehmen. Die Arbeitgeber sind zur Kontrolle ihrer Mitarbeitenden verpflichtet, Ausnahmen dürfen sie nicht machen, sonst drohen hohe Bußgelder. Wie sie allerdings die Nachweise überprüfen, bleibt ihnen überlassen. Capital hat bei Dax-Konzernen nachgefragt, wie sie die Umsetzung der Regeln planen.

Siemens sperrt Hausausweise

Klar ist: Für die Unternehmen bedeutet die Kontrolle des Gesundheitsstatus mehr Arbeit. Siemens hat in Nürnberg daher kurzen Prozess gemacht: Wegen hoher Fallzahlen gilt in Bayern bereits 3G am Arbeitsplatz. Der Standort sperrte daraufhin alle Hausausweise. Freischalten kann den Ausweis nur, wer einen entsprechenden Nachweis vorzeigt. Wer geimpft oder genesen ist, kann durch die Drehkreuze gehen, ohne täglich kontrolliert zu werden. Alle anderen müssen an der Pforte jeden Tag einen negativen Test vorweisen.

Die Kontrollen über die Hausausweise zu regeln, sei möglich, sagt Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeits- und Sozialrecht . „Problematisch wäre es, wenn der Gesundheitsstatus einzelner Beschäftigter für alle sichtbar wäre, zum Beispiel wenn Mitarbeiter bestimmte Sticker oder Zeichen tragen müssen.“

Nach Angaben eines Siemens-Sprechers kann jeder Standort selbst entscheiden, ob Mitarbeitende den Nachweis täglich an der Pforte zeigen oder ob sie sich – wie in Nürnberg – über ihre Hausausweise freischalten müssen. Auch wie Siemens die Daten speichert, werde unterschiedlich gehandhabt, etwa in Excel-Tabellen oder speziellen Programmen. Die Mitarbeiter hätten „im Großen und Ganzen Verständnis für die aktuellen Maßnahmen und halten sich an die Regelungen“, heißt es von dem Unternehmen.

Adidas bietet kostenlose Tests

Wie an den Siemens-Standorten in Bayern gilt auch bei Adidas schon länger 3G; der Sportartikelhersteller hat seinen Sitz ebenfalls im Freistaat. Viele Mitarbeitende sind im Homeoffice. Wer trotzdem ins Büro kommt, den kontrollieren Pförtner oder Security-Mitarbeiter. Vor Ort stehen laut Adidas kostenlose Schnelltests zur Verfügung. Arbeitgeber müssen zweimal pro Woche kostenlose Tests bereitstellen, so Arbeitsrechtlerin Oberthür. Einmal pro Woche kann jede und jeder einen kostenlosen Bürgertest machen. „An den restlichen zwei Tagen müssen Beschäftigte die Tests selbst zahlen“, sagt Oberthür.

Geplant ist laut Adidas, über die Betriebsärzte Auffrischimpfungen anzubieten. Allerdings stehe dazu noch keine Vereinbarung.

Allianz: Auch Geimpfte sollen sich testen

Der Versicherungskonzern Allianz will einen „digitalen Legitimationsprozess“ nutzen, über den Impf- bzw. Genesenennachweise elektronisch hinterlegt werden sollen. Wer nicht geimpft oder genesen ist, muss am Eingang jeden Tag einen Test vorzeigen.

„Unabhängig davon bitten wir alle Geimpften und Genesenen, vor dem Betreten der Betriebsstätten einen Selbsttest durchzuführen“, teilt eine Allianz-Sprecherin mit. Die Tests würden vor Ort ausgegeben. Nach Schätzungen des Konzerns sind derzeit 80 bis 85 Prozent der Belegschaft geimpft. Neben den Grippeschutzimpfungen will die Allianz ihren Angestellten bald auch Corona-Booster-Impfungen anbieten.

BASF: Kontrolle nur stichprobenartig

Von Mittwoch an bis Anfang Dezember sollen beim Chemiekonzern BASF Sicherheitsmitarbeiter die 3G-Regel an den Werkstoren kontrollieren – allerdings nur „stichprobenartig“, wie BASF mitteilt. Dafür werde zum Beispiel die Covpass-App gescannt. Zusätzlich sollen Führungskräfte vor Ort Stichproben durchführen. Arbeitsrechtlerin Oberthür hält das für nicht ausreichend. Der Arbeitgeber müsse die Mitarbeiter in Zukunft täglich kontrollieren – zumindest alle, die nicht geimpft oder genesen seien.

BASF dagegen argumentiert, dass die Regelung zu kurzfristig komme. „Um 3G lückenlos nachweisen zu können, ist ein technischer Vorlauf erforderlich“, sagt eine Sprecherin. „Hieran arbeiten wir gerade. Aus diesem Grund wurde mit den zuständigen Behörden und der Arbeitnehmervertretung die beschriebene Übergangslösung vereinbart.“

Ab Dezember sollten die Kontrollen dann digital werden und über den Werksausweis geregelt werden. „Am aufwändigsten wird der Prozess für ungeimpfte Personen sein, die täglich ihren Testnachweis erbringen müssen“, so die Sprecherin. „Gegenwärtig laufen die Vorbereitungen hierfür.“ Der Konzern geht von einer Impfquote von mindestens 80 Prozent aus.

Deutsche Bank: Filialleiter prüfen

Deutschlands größte Bank hat seine Mitarbeiter verpflichtet, im Homeoffice zu arbeiten. Wer unbedingt ins Büro oder die Filiale muss, kommt an der täglichen Kontrolle nicht vorbei. „Wo Wachleute stehen, notieren diese die Namen und Status der Mitarbeiter*innen und tragen dies in Listen ein, die ordnungsgemäß mindestens 4 Wochen verwahrt werden“, teilt die Deutsche Bank mit. In den Filialen kontrollieren in der Regel die Filialleiter.

Künftig soll der Überprüfungsprozess digital über das Personalsystem laufen. Alle Mitarbeitende können sich bei der Bank kostenlos testen lassen, auch die geimpften und genesenen.

Telekom setzt auf Chipkarte

Die Telekom will den Zugang digital kontrollieren. Funktionieren soll das über eine Karte, die sogenannte „myCard“ – eine Chipkarte mit Zertifikaten und PIN zur Authentifizierung. Weil das voraussichtlich aber erst im Dezember klappt, gilt bis dahin eine Übergangsregelung: „Wir bitten unsere Mitarbeitenden, Führungskräfte aktiv anzusprechen, bevor sie ein Gelände oder Gebäude der Deutschen Telekom betreten“, so ein Konzernsprecher. Die Führungskräfte sollten die Kontrollen außerdem „in geeigneter Form“ dokumentieren.

Beschäftigte können sich kostenlos testen. Spätestens ab Januar will die Telekom flächendeckend Booster-Impfungen für Mitarbeitende anbieten.

Mitarbeitende können kaum widersprechen

Wer seinen Nachweis ab Mittwoch nicht vorzeigen will, hat nur begrenzte Möglichkeiten zu widersprechen. „Der Arbeitgeber darf die Information über die Impfung dauerhaft verwenden, allerdings nur zur Erfüllung seiner gesetzlichen Pflichten“, sagt Juristin Oberthür. Arbeitnehmer können die Löschung der erfassten Daten demnach so lange nicht verlangen, wie der Arbeitgeber sie nachweisen können muss. Und das gilt vorerst mindestens bis zum 19. März 2022. Bis dahin läuft das jetzt beschlossene Gesetz.

„Besteht keine Möglichkeit, dass Beschäftigte aus dem Homeoffice arbeiten, bekommen sie keine Lohnfortzahlung“, sagt Oberthür. Es gebe grundsätzlich eine Arbeitspflicht. Kämen sie dieser nicht nach, müssen sie „möglicherweise mit einer Abmahnung rechnen, und in der Folge auch mit einer Kündigung“.

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