CoronaNahverkehr und Polizei: Wo die 3G-Regel Lücken reißt

Die S-Bahn in Berlin streicht einzelne Fahrten, weil sich vermehrt Lokführer krankgemeldet habenIMAGO / Rüdiger Wölk

Die Einführung der 3G-Regel am Arbeitsplatz führt in einigen Städten dazu, dass der Nahverkehr beeinträchtigt wird und Fahrten ausfallen. Besonders in ostdeutschen Städten kommt es zu Einschränkungen, weil sich Lokführerinnen und Lokführer krankmelden.

Das neue Infektionsschutzgesetz schreibt seit Ende November vor, dass Beschäftigte dem Arbeitgeber entweder ein Impfzertifikat, einen Genesenen-Nachweis oder täglich einen negativen Test vorzeigen müssen. Tun sie das nicht, dürfen sie nicht an ihren Arbeitsplatz und müssen wieder nach Hause gehen.

„Leider ist in der letzten Woche (besonders nach der Einführung der 3G-Regel am Arbeitsplatz) der Krankenstand unter unseren Triebfahrzeugführer:innen stark angestiegen und liegt nun stabil bei über zehn Prozent“, schrieb der Berliner S-Bahn-Chef vergangene Woche in einer E-Mail an Fahrgastvertreter, aus der die „Berliner Zeitung“ zitiert. In der Hauptstadt werden einzelne Verbindungen von der S-Bahn bis auf Weiteres nicht bedient. Betroffen sind vor allem Züge zur Hauptverkehrszeit und am Wochenende.

Fünf Prozent mehr Krankmeldungen

In Potsdam ist die Lage ähnlich. Dort verkehren die Straßenbahnen wegen coronabedingter Ausfälle inzwischen nur noch im Ferienfahrplan. Einschränkungen müssen Fahrgäste auch in Leipzig hinnehmen. „Derzeit kommt es auf mehreren Linien zu Fahrplanunregelmäßigkeiten, weil in der aktuellen Situation viele Fahrerinnen und Fahrer nicht arbeiten können“, sagt ein Sprecher der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) Capital.

Einzelne Straßenbahnlinien werden in Leipzig „erheblich reduziert“. Innerhalb der vergangenen vier Wochen seien fünf Prozent mehr LVB-Mitarbeiter abwesend gewesen als üblich. Allein im Fahrdienst seien es über 60 Beschäftigte, so der Sprecher. Man bereite daher in den nächsten Tagen weitere Maßnahmen vor, „um ungeplante Linienausfälle für unsere Kunden zu minimieren und eine ausreichende Grundversorgung mit dem ÖPNV sicherzustellen“.

Im Westen weniger Ausfälle

Ob in den betroffenen Städten alle der Fahrerinnen und Fahrer tatsächlich erkrankt sind oder sich ein Teil von ihnen womöglich aus Protest gegen die 3G-Regel krankmeldet, lässt sich schwer sagen. Klar ist jedoch, dass Sachsen mit 61,3 Prozent die niedrigste Impfquote unter den Ländern hat. Auf dem vorletzten Platz liegt Brandenburg mit 65,5 Prozent. In Deutschland insgesamt sind inzwischen knapp 70 Prozent der Menschen vollständig geimpft.

Immerhin: Die Nahverkehrsausfälle in ostdeutschen Städten scheinen kein Phänomen in ganz Deutschland zu sein, wie eine Umfrage von Capital bei mehreren Verkehrsverbünden zeigt. In Köln kommt es zwar zu vereinzelten Fahrtausfällen, abgesehen davon „mussten wir unser Angebot aber bislang nicht einschränken“, so der Sprecher der Kölner Verkehrsbetriebe zu Capital. Er gehe davon aus, dass das auch in Zukunft nicht nötig sein werde. In Hamburg und Frankfurt läuft den Verkehrsbetrieben zufolge alles normal. Die Deutsche Bahn registriert ebenfalls keinen erhöhten Krankenstand.

Polizei in Bayern: 20 Prozent ungeimpft

Auch bei der Polizei fördert das neue Gesetz zutage, dass ein erheblicher Teil der Beschäftigten ungeimpft ist. Einsätze und Dienstpläne seien zwar nicht gefährdet, heißt es aus den Innenministerien auf Nachfrage von Capital. Doch allein in Bayern haben fast 20 Prozent der Polizistinnen und Polizisten noch keinen Schutz. Nur 81 Prozent der Beamten erfüllen laut Innenministerium den 2G-Status, sind also entweder geimpft oder genesen. Dabei sollen sie in Restaurants und Geschäften die Einhaltung der 2G-Regel kontrollieren.

Auch in Berlin steht die Polizei vor diesem Problem. Allerdings zeigt sich ein Sprecher zuversichtlich: „Bei einer Impfquote von knapp 87 Prozent ist die Wahrscheinlichkeit, dass nicht geimpfte Einsatzkräfte ,2G-Kontrollen‘ durchführen, äußerst gering.“

In Hamburg liegt die Impfquote unter den Polizeibeamten bei 85 Prozent, in Bremen, Baden-Württemberg sowie Rheinland-Pfalz sogar bei rund 90 Prozent. Nordrhein-Westfalen geht von einer „überdurchschnittlich hohen Impfquote“ aus. Generell erfassen aber die wenigsten Länder, wie viele Polizeibeamte aktuell krangemeldet oder geimpft sind. Lediglich Mecklenburg-Vorpommern hat registriert, dass der Krankenstand im Vergleich zum ersten Quartal 2021 derzeit vier Prozentpunkte höher ist.

 


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