Sport-BusinessSechs Regeln für Fußballmanager

Jonas Boldt, Manager von Bayer Leverkusen, ist ein Beispiel für eine neue Generation an Bundesliga-Managern, mit BWL-Hintergund statt professioneller Fußballer-KarriereJan Philip Welchering

Vor allem im Fußballmanagement sind die Erwartungen oft von Emotionen getrieben. Aber auch abseits des Spielfelds kommt es auf Professionalität und die richtige Mannschaftsaufstellung an.

Bundesliga-Clubs sind heute mittelständische Wirtschaftsunternehmen. Rund 55.000 Beschäftigte arbeiten derzeit in direkter Anstellung oder durch Beauftragung der 36 Proficlubs und deren Tochtergesellschaften im Lizenzfußball. Entsprechend hoch ist der Bedarf an Managementpositionen wie etwa Kaufmännische Geschäftsführer, Vorstände, Leiter Marketing, Finanzen oder Kommunikation.

Für deren professionelle Besetzung schauen die Verantwortlichen immer öfter über den Tellerrand und kaufen sich externes Know-how aus anderen Branchen ein. Welche Regeln Kandidaten bei einem „Seitenwechsel“ beachten sollten:

#1 Professionelle Suche

Bei der Suche nach Spielern und Trainern werden im Fußball schon lange Agenturen, Juristen oder Spielerberater eingesetzt. So werden auch bei der Besetzung von Managementpositionen im nicht-sportlichen Bereich vermehrt Berater eingeschaltet. In England, wo viele Clubs im Besitz von Shareholdern sind, ist das schon länger gelebte Praxis.

#2 Nicht auf den Anruf warten

Auch im Sportbusiness gilt: Wollen Kandidaten gefunden werden, müssen sie selbst aktiv werden. Indirekt zum Beispiel über aussagekräftige Profile in den Social Media oder direkt durch Kontaktaufnahme mit einem Personalberater. Wichtig ist dabei, einen spezialisierten Berater auszuwählen, der langjährige Erfahrungen in der Branche hat und mit den Entscheidungsträgern in den Proficlubs eng vernetzt ist.

#3 Erfahrung, Objektivität und Netzwerk

Oft konkurrieren branchenfremde Manager mit internen Kandidaten. Der neue Marketingvorstand muss aber nicht unbedingt bei einem anderen Club gearbeitet haben oder im Aufsichtsrat ein Vertreter des Hauptsponsors sitzen. Externe Kandidaten sind weniger „betriebsblind“ und können aus ihrem nicht-fußballerischen Erfahrungshintergrund wertvolle Denkanstöße geben, die gerade in disruptiven Zeiten essentiell sind. Diesen Vorteil sollten wechselwillige Manager deutlich herausstellen.

#4 Diskretion

Fußball ist ein öffentliches Gut, Fans und Medien wollen stets mitdiskutieren. Umso wichtiger ist es, dass der Kreis der eingeweihten Personen möglichst klein gehalten wird, um Indiskretionen zu verhindern. Verhaltensweisen, in denen ein Aufsichtsratsmitglied den aktuellen Chef eines Kandidaten auf dem Golfplatz anspricht, gehen beispielsweise ebenso wenig wie Fälle, in denen interessierte Kandidaten sich hinten herum bei einem Vorstand ins Gespräch bringen und plötzlich auf der Kandidatenliste auftauchen.

#5 Offen sein für Weiterbildung, Schulungen etc.

Als Branchenfremder sollte man sich immer bewusst machen, dass man ein Neuling im Fußball ist – auch wenn man sich privat seit Jahren schon mit dem Sport beschäftigt. Fan sein allein reicht aber nicht, ein externer Manager muss sich intensiv in das neue berufliche Umfeld einarbeiten und sollte sich daher auch nicht zu schade sein für branchenspezifische Weiterbildungen, Coachings, Assessments oder On-the-Job-Trainings, die ihn für die neue Führungsrolle fit machen.

#6 Sich Zeit nehmen

Ein neuer Chef darf nicht gleich falsche Zeichen setzen, etwa indem er das komplette Büro umbauen lässt oder überall in den Medien mit Interviews auftaucht, sich intern aber nicht blicken lässt. Er muss erst die internen Abläufe kennenlernen: Was beschäftigt seine Mitarbeiter, von wem bekommt er fundierte Informationen, was geschah bisher? Und er sollte versuchen, möglichst bald positive Akzente zu setzen. Aber natürlich muss es in Krisensituationen schnell gehen, müssen kurzfristig Lösungen gefunden werden. Hans-Joachim Watzke etwa musste vor Jahren als neuer Vorsitzender der Geschäftsführung bei Borussia Dortmund sofort Erfolge realisieren, sonst hätte es den BVB vielleicht nicht mehr gegeben.