WochenrückblickMiddelhoff ist pleite

Middelhoff stellt Antrag auf Privatinsolvenz

Thomas Middelhoff
Thomas MIddelhoff während seines Prozesses im Gerichtssaal (Foto: Thomas Rabsch)

Thomas Middelhoff ist tief gefallen und er fällt immer tiefer. In dieser Woche hat der inhaftierte frühere Chef des Handelskonzerns Arcandor einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens über sein eigenes Vermögen gestellt. „Big-T“ – so sein Spitzname aus vergangenen Jahren – sieht sich mit Forderungen seiner Gläubiger konfrontiert, die sich auf mehr als 90 Mio. Euro summieren sollen. Diese Summe nannte das Westfalen-Blatt aus Bielefeld.

Zu den Gläubigern gehört beispielsweise der Unternehmensberater Roland Berger, der rund 7 Mio. Euro von Middelhoff haben will. Eigentlich sollten sich die beiden am Donnerstag vor Gericht treffen, doch der Termin ist wegen des Insolvenzantrags geplatzt. Neben Berger wollen auch die Finanzbehörden Geld von Middelhoff: Steuerschulden. Über die Höhe dieser Forderungen herrscht Stillschweigen wegen des Steuergeheimnisses. Middelhoff sei nicht in der Lage, „eine fällige Einkommensteuerforderung der Finanzverwaltung zu erfüllen“, sagte sein Anwalt.

Middelhoff sitzt wegen Fluchtgefahr seit November 2014 in Untersuchungshaft. Das Landgericht Essen hat ihn wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu drei Jahren Haft verurteilt. Der Manager ließ sich nach Ansicht des Gerichts unter anderem Flüge mit Privatflugzeugen von seinem Unternehmen bezahlen. Middelhoffs Rechtsvertreter fechten das Urteil vor dem Bundesgerichtshof an. Deshalb ist die Verurteilung noch nicht rechtskräftig. Trotzdem sitzt der Manager hinter Gittern, weil Anträge auf Freilassung bisher kein Erfolg hatten.

Katellamt verbietet Kaiser’s-Übernahme

Kaiser's Supermarkt
Edeka wollte alle 450 Kaiser’s Supermärkte übernehmen (Foto: Tengelmann)

Edeka hat den Kampf um die Übernahme der Kaiser’s-Supermärkte vorerst verloren. Das Bundeskartellamt untersagte den Erwerb von 450 Filialen, weil dies nach Auffassung der Behörde „zu einer erheblichen Verschlechterung der Wettbewerbsbedingungen auf zahlreichen ohnehin stark konzentrierten regionalen Märkten und Stadtbezirken im Großraum Berlin, in München und Oberbayern sowie in Nordrhein-Westfalen geführt“ hätte. Die Übernahme würde die Ausweichmöglichkeiten der Verbraucher vor Ort stark einschränken. Außerdem hätte der Zukauf die Verhandlungsmacht beim Einkauf von Edeka, Rewe und der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) weiter gestärkt.

Mit ihren Zugeständnissen konnten Edeka und Tengelmann den Deal nicht mehr retten. „Die Freigabe des Vorhabens wäre möglich gewesen, wenn der überwiegende Teil der drei regionalen Vertriebsnetze von Kaiser’s Tengelmann – jedenfalls in den kritischen regionalen Absatzmärkten – auf jeweils einen oder zwei unabhängige Wettbewerber übergegangen wäre, die in die Wettbewerbsposition von Kaiser‘ Tengelmann hätten eintreten können“, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt. Edeka und Tengelmann wollten aber nur auf 100 Standorte in Berlin und Bayern verzichten.

Die Unternehmen können die Entscheidung noch anfechten. Eine Beschwerde vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf könnte sich aber bis zu einer Entscheidung Jahre hinziehen. Es erscheint fraglich, ob Tengelmann so viel Geduld aufbringt. Der Handelskonzern will die defizitären Supermärkte unbedingt loswerden. Alternativ könnten die beiden Unternehmen daher auf einen Ministererlass von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel spekulieren. Mit dem Arbeitsplatzargument so die Hoffnung hätte der SPD-Politiker einen Anreiz, die Pläne doch noch zu genehmigen. 

Ein Tweet und seine Folgen

Elon Musk
Mit einer Kurznachricht sorgte Elon Musk für einen Höhenflug der Tesla-Aktie (Foto: Getty Images)

Elon Musk weiß, wie man die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zieht. Das geht beispielsweise mit einem simplen Tweet, der die Aktie seines Elektroauto-Herstellers Tesla beflügelte. Das Unternehmen war auf einen Schlag 1 Mrd. Dollar mehr wert. Dabei kündigte Musk in der Kurznachricht kein neues Fahrzeug, sondern eine neue Produktlinie aus dem Hause Tesla an:

Seitdem schießen die Spekulationen ins Kraut – nachzulesen unter dem Hashtag #TeslaNewProductGuesses. Die Wahrheit liegt aber wohl auf der Hand: Tesla dürfte am 30. April einen Akku präsentieren, der nicht nur in Autos, sondern auch in den eigenen vier Wänden eingesetzt werden kann. Bereits im Februar hatte Musk bei einer Analystenkonferenz eine solche Heim-Batterie in Aussicht gestellt. In Verbindung mit einer Solaranlage könnte ein solcher Akku Energie speichern und die Verbraucher damit unabhängiger von den Stromversorgern machen. Es wäre das erste Produkt aus Teslas „Gigafactory“, die Musk für 5 Mrd. Dollar aus dem Boden gestampft hat.

Fracking wird ein bisschen erlaubt

Fracking Föderanlage in den USA
In den USA sorgte Fracking für einen Boom (Foto: ConocoPhillips)

In den USA hat das sogenannte Fracking zu einem Boom bei der Öl- und Gasförderung geführt. In Deutschland ist so etwas nicht zu erwarten. Der in dieser Woche vom Bundeskabinett verabschiedete Gesetzentwurf sieht starke Einschränkungen für die umstrittene Methode vor, bei der Öl- und Gas aus Gesteinsschichten mit Hilfe von Chemikalien gefördert werden. Trotzdem bleibt aber eine kommerzielle Förderung möglich.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks sprach von einem „Fracking-Verhinderungsgesetz“. Trotzdem geht den Fracking-Gegnern, die etwa eine Vergiftung des Grundwassers durch die Chemikalien befürchten, der Entwurf nicht weit genug. Sie hätten lieber ein Komplettverbot gesehen. Die Befürworter wie der Bundesverband der Deutschen Industrie kritisierten dagegen die völlig überzogenen Auflagen.