Wir machen was Kai Lanz: „Wir haben 400 Psychologen rekrutiert“

In Berlin kommen zurzeit Tausende Flüchtlinge aus der Ukraine an – darunter auch viele Kinder
In Berlin kommen zurzeit Tausende Flüchtlinge aus der Ukraine an – darunter auch viele Kinder
© IMAGO / Stefan Zeitz
Kai Lanz hat im Corona-Lockdown Krisenchat gegründet, eine Plattform über die Kinder und Jugendliche psychologische Beratung bekommen. Diese Hilfe weitet der 20-Jährige nun speziell für Ukrainer aus

Capital kürt jährlich die herausragenden Talente des Landes aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft – die „Top 40 unter 40“. Daraus ist ein Netzwerk aus über 1000 Mitgliedern entstanden. Viele dieser Entscheider haben nach Ausbruch des Kriegs in der Ukraine umgehend Initiativen gestartet: Sie helfen Menschen in der Ukraine vor Ort und auf der Flucht und sie positionieren sich gegen den Angriff des russischen Regimes. Capital stellt einige Top40-Akteure in der Serie „Wir machen was“ vor.

Capital: Herr Lanz, seit zwei Jahren bieten Sie Kindern per Whatsapp Beratungsgespräche an. Warum haben Sie das jetzt erweitert?

KAI LANZ: Mit Krisenchat helfen wir deutschsprachigen jungen Menschen in Krisen - niedrigschwellig, professionell und kostenlos. Unser Gedanke am Samstag nach dem ersten Angriff auf die Ukraine war: „Es wäre doch sehr wichtig und gut, jetzt auch ukrainischen Menschen in ihrer enormen psychologischen Belastung zu helfen.“

Was haben Sie als erstes gemacht?

Wir haben einen Instagram-Post gemacht mit dem Ziel, dass wir vielleicht fünf bis zehn ukrainisch- oder russisch-sprachige Psychologen und Psychologinnen finden. Das ging dann so viral, dass wir international über 400 Psychologen rekrutiert haben. Nach nur wenigen Tagen konnten wir dann mit dem Angebot der zwei zusätzlichen Sprachen online gehen.

Wie sind die Reaktionen darauf?

Aus der Zivilbevölkerung waren die Reaktionen toll. Mit so einer Resonanz haben wir nicht gerechnet. Innerhalb weniger Tage konnten wir quasi einen ganzen zweiten Organisationszweig aufbauen und auch schon den ersten Ukrainerinnen und Ukrainern helfen. Das ist eine unglaubliche Gemeinschaftsleistung.

Was haben Sie dabei erlebt?

Die Energie der involvierten Menschen, der Teammitglieder, Unterstützer und Partner, war unglaublich. Die Dynamik und vielleicht auch die Wut, die viele wegen des Kriegs haben und hatten, konnten wir in etwas Positives und Konstruktives verwandeln.

Welche besonderen Momente sind Ihnen in Erinnerung geblieben?

Bisher war kaum Zeit zum Reflektieren. Was mich aber bewegt hat, ist die Unterstützung, gerade auch durch viele russischstämmige Psychologen und Psychologinnen.

Was ist Ihre wichtigste Erkenntnis aus der Aktion?

Wenn es ein Momentum gibt, kann man in sehr geringer Zeit sehr viel erreichen.

Wie geht es weiter?

Wir sind jetzt mit Krisenchat Ukrainian Live für alle Ukrainer, die psychologische Chatberatung brauchen. Wir rechnen damit, dass es ein paar Wochen dauert, bis die Menschen in Sicherheit sind und sich dann psychologische Unterstützung suchen. Wir sind da.

Kai Lanz, 20, ist Mitgründer und CEO von Krisenchat, einem gemeinnützigen Unternehmen, das Kindern und Jugendlichen bis 25 Jahren psychologische Beratung per SMS, Whatsapp oder die Website anbietet.


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