Wir machen was „Es ist wichtig, dass wir als Unternehmer, eine klare Linie ziehen“

EOS-CEO Marie Langer
EOS-CEO Marie Langer
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Der 3D-Druck-Spezialist EOS hat sein Russland-Geschäft eingestellt. Für CEO Marie Langer gab es keine Alternative. Es gehe darum, für demokratischen Überzeugungen einzutreten und konsequent zu handeln, sagt sie im Interview

Capital kürt jährlich die herausragenden Talente des Landes aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft – die „Top 40 unter 40“. Daraus ist ein Netzwerk aus über 1000 Mitgliedern entstanden. Viele dieser Entscheider haben nach Ausbruch des Kriegs in der Ukraine umgehend Initiativen gestartet: Sie helfen Menschen in der Ukraine vor Ort und auf der Flucht und sie positionieren sich gegen den Angriff des russischen Regimes. Capital stellt einige Top40-Akteure in der Serie „Wir machen was“ vor.

Capital: Als am 24. Februar Russland in der Ukraine einmarschierte, was haben Sie da gemacht?

MARIE LANGER: Es gab eine Krisensitzung des Top-Managements und wir haben uns keine 24 Stunden nach der Invasion entschieden, jegliches Geschäft mit unseren Kunden in Russland zu stoppen. Das Votum war einstimmig und im absoluten Konsens mit dem Management der Region EMEA (Europa, Naher Osten und Afrika). Der Belegschaft gegenüber haben wir unsere Entscheidung dann transparent gemacht.

Warum waren Sie für den sofortigen Abbruch?

Es geht darum, für unsere demokratischen Überzeugungen einzutreten und konsequent zu handeln. Es ist wichtig, dass wir als Unternehmer, eine klare Linie ziehen und Putin zeigen, dass das Unternehmen EOS seine Politik nicht unterstützt. Putin hat entschieden, ein friedliches demokratisches Land anzugreifen und wegen dieses Krieges werden derzeit viele unschuldige Menschen getötet. Ich bin überzeugt, dass auch viele russische Bürger diesen Krieg nicht wollen.

Welche Folgen hat die Entscheidung für Ihr Geschäft?

Wir machen seit mehr als 15 Jahren Geschäfte mit Kunden in Russland, immer über Partner vor Ort. Natürlich wird die Entscheidung Konsequenzen für unser Geschäft haben. Unser direkter Verlust beläuft sich auf einen mittleren, einstelligen Millionen-Euro-Betrag. Aber wir erwarten, dass es langfristig ein zweistelliger wird, aufgrund von Verlusten bei System-, Pulver-, Wartungsverkäufen sowie zukünftigen Geschäftsmöglichkeiten. Aber das ist jetzt nicht wichtig.

Wären Sie von den Sanktionen betroffen gewesen?

Ja, das auch. Zu den Industrien, die wir bisher bedient haben, gehören die Luft- und Raumfahrt, der Medizinbereich, der Bereich Verteidigung und die Gas- und Ölindustrie. Unsere Kunden in Russland nutzen unsere Systeme und Werkstoffe, wir unterstützen sie über unsere Beratung „Additive Minds“ und mit Technologiewartungen vor Ort. Aber es wären sicher nicht alle Bereiche betroffen gewesen und wir wollten diesen Sanktionen zuvorkommen.

Sie haben jetzt eine Initiative „responsible manufacturing“ mit anderen Unternehmen gegründet.

Wir wollen damit ein klares Signal und Bekenntnis abgeben. 15 kleinere und mittlere Unternehmen sowie Start-ups aus der Additive Manufacturing Industrie unterstützen die Aktion. Dazu gehören Maschinenhersteller, Software- und Materialhersteller, Verbände und ein Investmentfonds. Wir stehen auch weiterhin gemeinsam hinter dem sicherheits- und außenpolitischen Kurs der Bundesregierung, der Europäischen Union und der Nato. Wir begrüßen die bisher verhängten Maßnahmen und sind gemeinsam bereit, notwendige Verschärfungen mitzutragen. Wirtschaft und Politik müssen bei der Verteidigung von Freiheit, Frieden und Demokratie Seite an Seite stehen. Gemeinsam sind wir stark.

Marie Langer, 35 Jahre, leitet seit Oktober 2019 EOS, Marktführer im industriellen 3-D-Druck. Das Münchener Unternehmen machte weltweit zuletzt über 350 Mio. Euro Umsatz.


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