WochenrückblickGriechenland testet Finanzmarkt

Bis vor kurzem galt Griechenland noch als völlig hoffnungsloser Fall. Die Euro-Partnerländer kritisierten immer wieder schleppende Forschritte bei den versprochenen Wirtschaftsreformen. Zuletzt musste die griechische Regierung deshalb monatelang auf die Auszahlung der nächsten Tranche der Finanzhilfen über 8,3 Mrd. Euro warten. In dieser Woche gaben die Euro-Finanzminister bei ihrem Treffen in Athen das Geld schließlich frei.

Dennoch schien der Pleitestaat näher an einem dritten Rettungspaket als an der Rückkehr an die Finanzmärkte zu stehen. Das Letztere soll jetzt aber passieren. Voraussichtlich im Juni werde Griechenland eine Anleihe über 2 Mrd. Euro begeben, hieß es in übereinstimmenden Berichten. Bis Jahresende wolle Athen sogar 5 Mrd. Euro einsammeln.

Es wird nun darauf ankommen, wie die erste Anleihe an den Märkten angenommen wird. Beißen die Anleger an nur zwei Jahre nach einem Schuldenschnitt bei dem private Gläubiger 100 Mrd. Euro in den Wind schreiben mussten? Und welche Rendite müssen die Griechen für ihre Papiere bieten? Experten gehen von sechs bis 6,5 Prozent aus.

Doch egal wie hoch die Rendite letztlich ausfällt, entscheidend ist, ob die Platzierung gelingt. Bei einem Erfolg könnte die Regierung von Ministerpräsident Antonis Samaras behaupten, dass Griechenland die Krise überwunden hat. Doch die Koalition aus Konservativen und Sozialdemokraten ist zugleich auch ein Unsicherheitsfaktor: Ihre Parlamentsmehrheit schwindet dahin und bei der Europawahl könnte Alexis Tsipras und sein linkes Parteienbündnisses Syriza triumphieren. Er lehnt die Rettungspolitik kategorisch ab.

Japan rüstet auf

Mit einer hohen Staatsverschuldung kämpft auch Japan. Um höhere Einnahmen zu erzielen, wurde zum 1. April die Mehrwertsteuer angehoben – von fünf auf acht Prozent. Der Schritt gehört zum sogenannten dritten Pfeil der Reformpolitik von Premierminister Shinzo Abe, der das Land aus der jarzehntelangen Stagnation führen will. Nach Ansicht des Ökonomen Nouriel Roubini ist Japan dabei schon ein gutes Stück vorangekommen: Die Gefahr schwinde, dass die japanischen Staatsschulden die Weltwirtschaft in Mitleidenschaft ziehen.

Auf andere Art und Weise könnte die Region als Risikofaktor wieder auftauchen, denn die Japaner wollen das seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs geltende Verbot von Rüstungsexporten aufheben. Das dürfte vor allem den alten Rivalen China nicht begeistern, zumal die beiden Länder in jüngster Zeit auch um eine unbewohnte Inselgruppe streiten. Japan will deswegen seine Verteidigungsausgaben erhöhen. Das Konflikt- und Krisenpotenzial in der Region wächst jedenfalls.

Barras schwarze Stunde

Wenig erfreuliche Nachrichten gab es in dieser Woche von General Motors. Wegen eines Defektes an den Zündschlössern diverser GM-Modelle sind in der Vergangenheit 13 Menschen gestorben. Der Autobauer wusste von dem Fehler, doch unternahm er 13 Jahre lang nichts. Konzernchefin Mary Barra musste am Dienstag im US-Kongress Rede und Antwort stehen, doch viel konnte sie zur Aufklärung nicht beitragen. Sie entschuldigte sich für die Pannenserie und versprach Erklärungen zu einem späteren Zeitpunkt.



Für Barra ist es ein Desaster. Die erst seit wenigen Monaten amtierende Konzernchefin will den verblassten Ruhm des einstmals größten Autoherstellers der Welt wiederherstellen. Jetzt muss sie sich erst einmal mit der Vergangenheit herumschlagen. Bei ihrem Auftritt im Kongress hinterließ einen schwachen Eindruck. Abgeordnete bezweifelten, dass Barra – wie von ihr behauptet – tatsächlich nichts von der Pannenserie gewusst habe. Auf viele Fragen wusste sie keine Antwort.

Der Softwareriese Microsoft muss sich mit solchen Problemen nicht herumschlagen. Dass das Unternehmen Software aber jetzt verschenken will, dürfte aber nicht allzu häufig vorkommen. Und natürlich hat der Konzern dabei einen Hintergedanken: Die Windows-Software wird an Smartphone-Hersteller verschenkt, um den Vorsprung der Android-Konkurrenz von Google zu verringern. So gesehen ist es ein Akt der Verzweiflung, der Microsoft zum Umdenken zwingt.