WochenrückblickGold - verblasster Ruhm

Schlechte Zeiten für Gold

Barren der Degussa: Oben links eingeschweißt, liegt die Feinunze Gold
Barren der Degussa: Oben links eingeschweißt, liegt die Feinunze Gold
© Binner/Maramotti

Für einige Goldproduzenten ist die Föderung des Edelmetalls kein lohnendes Geschäft mehr. Schuld ist der Goldpreis, der in dieser Woche auf dem niedrigsten Niveau der letzten vier Jahre notierte. Bei einem Preis von etwa 1140 Dollar je Feinunze lohnt sich die Förderung laut Bloomberg Intelligence bei sieben der insgesamt 19 Abbauunternehmen nicht mehr. Investoren wendeten sich nun von diesen Unternehmen ab.

Die Entwicklung ist eine Spätfolge des Bullenmarktes, als der Goldpreis im Jahr 2011 auf mehr als 1900 Dollar je Feinunze geklettert war. Neue Minen wurden in dieser Zeit eröffnet, wobei die Kosten der Förderung keine Rolle spielten. In Zeiten des Preisverfalls müssen die Betreiber dafür nun büßen. Einige Analysten senken bereits den Daumen über einige Unternehmen. Sollte der Preis weiter sinken, etwa unter die Schwelle von 1100 Dollar, müssen die Produzenten damit rechnen, dass ihnen Kredite gestrichen werden.

Ein Wendepunkt für den Goldpreis ist noch nicht zu erkennen. Das Edelmetall leidet unter dem starken Dollar. „Solange wie die US-Wirtschaft auf Kurs und der Dollar stark bleibt, wird der Druck auf die Metalle anhalten“, zitiert die Financial Times David Govett vom Brokerhaus Marex Spectrons. Als sicherer Hafen wird Gold momentan nicht benötigt.

JUnckers Steuerproblem

Juncker
Eu-Kommissionschef Juncker steht gleich nach Amtsantritt unter Druck
© Imago

Mit Steuertricks wurde der neue EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bisher nicht in Verbindung gebracht. Doch kaum im Amt sieht er sich mit Vorwürfen konfrontiert, er habe in seiner Zeit als luxemburgischer Premierminister der Steuervermeidung von Großkonzernen Vorschub geleistet. In Geheimabsprachen sollen Unternehmen wie Pepsi, Amazon, Deutsche Bank, Ikea und viele andere in dem Fürstentum nur eine Steuerrate von weniger als ein Prozent bezahlt haben.

Nach Recherchen des NDR, WDR, der Süddeutschen Zeitung und dem International Consortium of Investigative Journalists hat die Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PWC) die Steuersparmodelle entwickelt, die dann den Segen der luxemburgischen Finanzbehörden erhielten. Das kleine Fürstentum profitierte von den Kapitalzuflüssen der Konzerne.

Am Beispiel E.ON erklärt Tagesschau.de, wie das Steuersparmodell funktioniert: „Das Energieunternehmen E.ON etwa hat in Luxemburg eine Art firmeneigene Bank eingerichtet hat: eine Tochtergesellschaft, die hohe Summen an E.ON-Geschäftsteile in den USA oder Großbritannien verliehen hat. Diese zahlten das Geld zurück – plus Zinsen. So konnte E.ON in Luxemburg große Barreserven ansammeln, die durch einen Trick mit Verlustvorträgen nahezu komplett am Finanzamt vorbeiflossen. 2012 nahm die Luxemburger E.ON-Tocher rund 130 Millionen Euro ein – zahlte aber etwas weniger als 1600 Euro Steuern.“

Illegal war das Vorgehen wohl nicht – zumindest in Luxemburg selbst. Doch die neue EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager untersucht, ob es sich bei den Steuermodellen für Amazon und Fiat Finance & Trade um unerlaubte Beihilfen handelt. An dieser Stelle kommt dann wieder Juncker ins Spiel. Wird er seine Kollegin bremsen bzw. die Untersuchung in eine ihm genehme Richtung lenken? Der Kommissionschef beteuert, dass er sich nicht einmischen werde. Ansonsten hält sich der sonst so redsame Luxemburger lieber bedeckt.

Sein Ruf ist jedenfalls angekratzt: Der Europaabgeordnete Sven Giegold warf Juncker vor, er habe sich zum „Komplizen von Steuerdrückern“ gemacht. Er müsse nun ein Aktionsprogramm gegen aggressives Steuerdumping vorlegen. „Nur so kann er die Zweifel an seinem Interessenkonflikt als Kommissionspräsident ausräumen.“

Nächster Versuch für Air Berlin

Air Berlin
Air Berlin Maschine: Die Fluglinie steckt seit Jahren in Schwierigkeiten
© Air Berlin

Der Posten des Vorstandschefs bei der angeschlagenen Fluglinie Air Berlin darf wohl als Schleudersitz bezeichnet werden. Nach dem Abgang des Gründers Joachim Hunold versuchten sich Hartmut Mehdorn und Wolfgang Prock-Schauer an der Sanierung des Unternehmens – bislang vergeblich.

Stefan Pichler
Stefan Pichler
© Picture Alliance

Mit Stefan Pichler darf nun ein ausgewiesener Fachmann den nächsten Anlauf wagen. Der 57-Jährige ist bei der Lufthansa groß geworden und hat im Ausland erfolgreich einige Fluggesellschaften geleitet. Allerdings hat seine Karriere auch einen dunklen Fleck: Den Reisekonzern Thomas Cook konnte er nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 nicht zurück in die Erfolgsspur führen.

Die Prognosen für Air Berlin sind nicht gerade günstig. Michael O’Leary, Chef der Billigfluglinie Ryanair, sagt voraus, dass in den nächsten Jahren einige Gesellschaften verschwinden werden – darunter Air Berlin. Baustellen gibt es jedenfalls reichlich für den neuen Chef. Geplant ist der Abbau von Kapazitäten und Stellen. Außerdem prüfen die Luftfahrtbehörden, wie weit die Zusammenarbeit zwischen Air Berlin und dem Mehrheitsaktionär gehen darf.