E-Mail-SpamEine radikale Lösung gegen lästigen E-Mail-Spam

Erdrückend: viele leiden unter der zunehmenden Flut ungebetener E-Mails
Erdrückend: viele leiden unter der zunehmenden Flut ungebetener E-MailsGettyImages

Als ich heute morgen zur Arbeit kam, öffnete ich wie immer zuerst meine E-Mails und blätterte die Eingangsliste durch. Ich klickte und löschte mich – wie Sie das sicher auch immer machen – durch einen Haufen Müll, um den ich niemals wissentlich gebeten habe und den ich definitiv nicht brauche.

Es hat sicher seine Berechtigung, dass die Verwaltung des Panama-Kanals zusätzliche Flüssiggastransporte autorisiert, aber sie braucht mich darüber nicht unbedingt zu informieren. Wenn ein Unternehmen aus Taiwan, von dem ich noch nie gehört habe, einen Preis für „kreative technologische Lösungen“ gewinnt, ist das auch eine feine Sache. Es hätte das von mir aus aber besser für sich behalten.

Offensichtlich sind Journalisten Freiwild für solche PR-Wurfsendungen. Aber ich bin sicher, wir waren nicht die einzigen Adressaten, die neulich von Quandoo erfuhren, dass 500 Treuepunkte zur Verfügung stehen, die – pronto – eingelöst werden sollten. Das kümmert mich nun wirklich nicht, selbst wenn ich wüsste, wer Quandoo ist.

Umdenken nach dem Facebook-Skandal

Nun da der Skandal um die Weitergabe von Daten durch Facebook die Debatte um die Privatsphäre wieder anheizt, rücken auch die wahren Kosten der „kostenlosen“ Online-Dienste ins Schlaglicht. Und es ist sicher an der Zeit, die Plage des digitalen Mülls neu zu denken: und zwar mit der lange undenkbaren Frage, ob für elektronische Nachrichten nicht Geld verlangt werden sollte.

Fast 50 Jahre ist es her, dass der amerikanische Programmierer Ray Tomlinson die E-Mail erfand, wie wir sie kennen. Vor 14 Jahren sagte Bill Gates voraus, das Problem mit Spam würde binnen zweier Jahre gelöst. Und doch verschwenden Millionen von uns immer noch unzählige Stunden mit einer Schwemme von Postwurfsendungen.

Das britische Magazin „Computeractive“ fragte seine Leser im vergangenen Jahr, was sie an ihren Mails am ärgerlichsten fanden. Junk-Mail rangierte hoch auf der Liste der Lästigkeiten – und sie meinen sicher nicht nur Tipps für einen flacheren Bauch. Unerwünschte Newsletter von Online-Händlern waren ein anderes hartnäckiges Problem.

Klar gibt es Firmen, die damit werben, sie könnten dies mit einigen wenigen Klicks und sofortigen Abmeldediensten beheben. Aber die Programme sind eine ganz schöne Tüftelei und funktionieren auch nicht mit allen Mail-Konten. Schlimmer noch: Wenigstens ein Anbieter hat offenbar Kundendaten weiterverkauft. Man kann sich auch bei Aufsichtsgremien in aller Welt über Spam beschweren – vorausgesetzt, man hat Zeit.

Absender: zur Kasse bitte!

Aber all das ist nicht der Punkt. Warum sollten sich eigentlich die Mail-Empfänger mit Beschwerden und Spamfiltern herumschlagen müssen, um ein Problem zu lösen, das es gar nicht geben sollte? Es liegt doch auf der Hand, dass die Verantwortung bei den Sendern liegen sollte.

Ich war immer ein Fan der Idee, dass das Senden elektronischer Post etwas kosten sollte. Aber wie vieles, was ich mir wünsche, hat das nicht gezündet. Einige Firmen haben eine Zeit lang damit experimentiert. Nutzer konnten ihre eigenen Preise für virtuelle Briefmarken bestimmen und spendeten die Erlöse für wohltätige Zwecke. Freunde und Familie wären gratis, ein Quandoo müsste mindestens 5 Pfund, ein Ex-Mann 100 Pfund abdrücken.

Der amerikanische Akademiker Scott Fahlman, Erfinder des Smiley-Buttons, der dieses Spendensystem inspiriert hat, erklärt sich das Scheitern heute damit, dass E-Mail-Filter inzwischen so viel besser geworden sind. Spam sei einfach weniger problematisch. Wie die Leser von „Computeractive“ bin ich da anderer Meinung.

Natürlich müssten für Gebühren auch technische Hürden genommen werden, so wie das Einrichten von Bezahlsystemen. Das größte Hindernis besteht aber darin, dass Menschen plötzlich bezahlen sollen, was lange kostenlos war – auch wenn dieser Zustand regelmäßig missbraucht wird.

Eine prominente Verfechterin der Idee ist die renommierte Tech-Investorin Esther Dyson. Sie glaubt, dass die Technik nicht das Problem ist. Noch vor kurzem sagte sie, irgendeine Art von Abgabe werde unvermeidbar werden, weil der überbordende Posteingang für zu viele ein Riesenproblem darstelle – und nicht wirklich viel dagegen getan werde.

Hilfreich könnten hier die neuen Datenschutzregeln der EU sein. Die DSGVO, die Ende Mai in Kraft tritt, soll es Nutzern einfacher machen zu kontrollieren, was Unternehmen mit ihren Daten anstellen. Erstmals drohen Bußgelder bis zu 20 Mio. Euro oder vier Prozent des jährlichen Gesamtumsatzes – was immer höher liegt.

Einige im Online-Marketing sind schon ganz schön nervös. Das ist ermutigend. Aber wenn die Debatte um Facebook eines zeigt, dann doch, dass strengere Auflagen gegen Datenmissbrauch lange überfällig sind.

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