StilfragenDie Zukunft gehört dem Zwiebellook


Andrea Cané ist Creative Director von WP Lavori in Corso (u. a. Woolrich, Woolrich Woolen Mills) mit Sitz in Bologna.


Capital: Wie sieht für Sie moderne Businessmode aus?

Cané: Die junge Generation der business professionals denkt in meinen Augen anders über dieses Thema und legt mehr Wert auf eine gewisse, stilvolle (!) Bequemlichkeit. Das fing mit dem 20-jährigen Silicon-Valley-Durchstarter an und hat längst auch die Banker und Broker erreicht. Die Devise lautet also eher „informell“. Deshalb entwickeln wir gerade einen Anzug, den wir „Comfort Suit“ nennen, und der sich vom 6-Uhr-Flug bis zum letzten Meeting oder Drink mit Kollegen bequem und angenehm tragen lässt.

Was sind Dos and Don’ts im Büro – ganz gleich ob an der Rezeption, in der Buchhaltung oder auf der Vorstandsetage?

Das ist natürlich hochindividuell, aber für mich liegt die wichtigste Balance immer zwischen Substanz und Ästhetik. Es stimmt schon, dass Menschen sich über ihr Äußeres ausdrücken und dass wir in bestimmten Umgebungen und zu besonderen Anlässen gewisse Regeln, Codes einhalten sollten. Es ist aber genauso richtig, dass jeder von uns das auf seine eigene Weise tun wird. Für mich als Creative Director ist es immens wichtig, die Designstruktur eines Produktes genau zu studieren und zu begreifen, um dann ganz frei damit zu arbeiten. Auf die Mode übertragen heißt das: Erst wer Stilregeln kennt, der darf sie auch mal brechen.

Was sind die wichtigsten Trends der Saison für Businessmänner und -frauen?

Angesichts des instabileren Weltklimas bekommt der Begriff des „layering“ (Zwiebellook) eine immer größere Bedeutung. Und: Künftig werden wir uns auch „ganz fein in Schale“ noch wohlfühlen wollen!

Welche Klassiker sollte jeder Mann in seinem Kleiderschrank haben?

Unbedingt eine „Comfort Pant“ von Woolrich, denn die ist so gut durchdacht, dass sie von elegant bis casual alles mitmacht. So bequem wie eine Joggings- und so schick wie eine Anzughose.

Herrlich „old school“…

Welches Modestück verdient Ihrer Meinung nach ein Revival?

Der leichte Merino-Pullover, und zwar sofern es die Temperaturen erlauben, das ganze Jahr über. Es gibt kaum ein anderes traditionelles Material, dass funktionaler und verlässlicher ist. Und als Fan von Retro-Garderobe würde ich mir auch ein Comeback der (markanten!) Umhängetasche für Männer wünschen.

Wer ist und bleibt für Sie ein modisches Vorbild, wer verdient Ihr Prädikat „Stilikone“?

Mein Vater, der sich wie ein echter Dandy kleidete. Herrlich „old school“…

Welche modische Anschaffung war Ihr bester Kauf/das langlebigste Geschenk?

Meine Sonnenbrille von See Concept waren der beste Kauf für nur 35 Euro. Eine (Sonnen-)Brille mit der man bei jedem Licht lesen kann.

Jenseits des Dresscode: In welchem Outfit gehen Sie am Samstag zum Bäcker?

In der besagten „Comfort Pant“ und einem Kapuzensweater.

„Ich will Mode auch immer anfassen“

Ihre größte Stilsünde war …?

Ich habe vermutlich welche begangen, aber so ad hoc fällt mir nicht modisch „Verwerfliches“ von früher ein.

Wie kaufen Sie Mode: in der Boutique, im Kaufhaus oder online? Begründen Sie bitte Ihre Wahl.

Mein Stil ist recht unkompliziert und lässt sich gut nachkaufen – ob in der Filiale einer Kette, einem Kaufhaus oder einer gekonnt kuratierten Boutique. Dabei suche ich vor allem nach zeitlosen Evergreens mit ikonischem Design. Egal ob online oder im Laden, wobei ich Mode immer auch anfassen will.

Kurz & knapp: Krawatte oder Fliege?

Beides, zu seiner Zeit.

Rasur: trocken oder nass?

Nass ist besser.

Anzug: Zwei- oder Einreiher?

Einreiher.

Kaschmirmantel oder Outdoor-Jacke?

Ich tendiere eher zum Parka, wobei es gute Gelegenheiten für einen Kaschmirmantel gibt.

Barfuß oder Lackschuh?

Mein Traum wäre, barfuß am Strand zu leben!